Mittwoch, 19. März 2025

Hauptsache ganz vorne am Start!


Letztens sprach ich ja über die Kölner Verkehrsbetriebe. Das war und ist ja das Tolle: Wenn ohnehin nur wenige Bahnen und Busse fahren, oder auch manches Mal gar keine, du ohnehin aufs Fahrrad umsteigen musst. Vielleicht hast du dich aber auch mittlerweile um eine Mitfahrgemeinschaft in einem Auto bemüht. (Was ja auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Weil, schau, da hieß es ja neulich in den Medien: NRW bleibt Deutschlands Stauland Nummer eins – und Köln sticht heraus. 2024 standen Autofahrer hier Tausende Stunden im Stau, vor allem auf  dem Kölner Ring.) Egal, du kriegst jedenfalls gar nicht mit, wenn die Verkehrsbetriebe streiken – entweder weil du längst aufs Auto umgestiegen bist oder du eh daran gewöhnt bist, lange oder sogar umsonst an einer Haltestelle zu warten.

Wo Köln ja auch so was von am Start ist. Schau, so las es sich kürzlich in den Medien: Ein schneller "Coffee to Go" im Pappbecher oder die Pommes Rot-Weiß in der Pappschale - das könnte demnächst mehr kosten. Denn in Köln hat der Rat entschieden, dass die Verpackungssteuer kommt. Dadurch soll unter anderem die Vermüllung der Stadt gebremst werden. Nach Angaben der Abfallwirtschaftsbetriebe werden jeden Tag in Köln 180.000 Einwegbecher benutzt und weggeworfen. Gastronomiebetriebe wie Dönerbuden, Fast Food-Ketten, aber auch Cafés müssen deshalb demnächst mehr Geld an die Stadt zahlen, wenn sie Essen und Getränke zum Mitnehmen in Einwegverpackungen an ihre Gäste verkaufen. Laut Antrag könnte der Steuerbetrag für Kaffeebecher oder Frittenschalen bei jeweils 50 Cent liegen, bei Einweg-Besteck oder Strohhalmen bei 20 Cent pro Stück. Die Steuer gilt für die Betriebe, könne aber an die Kunden weitergegeben werden, um Kosten zu decken.

Mathias Johnen vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.V. glaubt nicht an einen positiven Effekt der Verpackungssteuer auf den Müll in der Stadt Köln. Er hält es für plumpe Wegelagerei unter falschem "Umweltlabel". Es gehe nur um Geldmacherei. Und ganz so Unrecht hat er ja nicht, der Mathias. Vorbild für die Verpackungssteuer ist ja die Stadt Tübingen. Dort wurde sie am 1. Januar 2022 eingeführt und vom Bundesverfassungsgericht Ende Januar 2025 für zulässig erklärt. Laut einer Untersuchung der Uni Tübingen habe sich das Gewicht des Mülls zwar nicht reduziert, allerdings bieten mehr Gastronomie-Betriebe Mehrweggeschirr an. Ich seh’ das auch so, lieber Mathias. Wenn die Stadt Köln die Mehreinnahmen aber in ihre maroden Bahnen und Busse steckt, soll’s mir recht sein.

Worüber ich mich ja aber so was von als Bonnerin freue. Genau, dass wir da den Kölnern in nichts nachstehen. So schnell konntest du gar nicht gucken, wie du es in meinem SCHAUFENSTER lesen konntest: Höhere Kosten für Kunden drohen – Der Bonner Stadtrat hat beschlossen, eine kommunale Verpackungssteuer einzuführen. Diese soll auf Speisen und Getränke in Einwegverpackungen erhoben werden. Ziel der Maßnahme ist es, die Menge an Einwegmüll zu reduzieren. Der Beschluss, die Steuer einzuführen, orientiert sich an einem Modell, das in der Stadt Tübingen erfolgreich umgesetzt wurde. Hallo? Hatte ich das nicht so verstanden, dass sich laut Uni Tübingen die Müllmenge gar nicht reduziert hat? Egal, Hauptsache, wir sind vorne dabei. Egal bei was.

Wo wir ja auch immer noch führend sind, und da kann sich die Stadt Herne mal eine ganz dicke Scheibe von abschneiden. Da sieht Herne aber so was von blass aus! (Heißt im Klartext, und da muss man jetzt auch nicht um den heißen Brei herumreden, da kann sich Herne ruhig einmal meine Stadt Bonn zum Vorbild nehmen: genau, die öffentlichen Toiletten. Die Schlagzeile lautete damals: Sanifair eröffnet erste Anlage in einer Innenstadt. Wir haben es vorgemacht, die öffentlichen Toiletten in der Fußgängerzone, in einem ehemaligen Ladenlokal. Klar, was denkst du, Leerstand und so!). Aber jetzt schau dir mal in den Medien Herne an: Nach acht Jahren noch kein Konzept. 2016 erhielt die Stadt Herne erstmals den Auftrag, ein WC-Konzept zu entwickeln, noch immer liegt kein Ergebnis vor. Mehr als acht Jahre nach einem ersten Auftrag an die Stadt zur Entwicklung eines Toilettenkonzepts erhöht die Union nun den Druck. Die CDU-Ratsfraktion hat das Thema auf die Tagesordnung der Ratssitzung gesetzt.

Weil wir gerade dabei sind, wer aber so was von am Start ist, also alle weit hinter sich lässt. Mein Traummann und ich haben uns ja eine Nacht im Bunker gegönnt. Jetzt nicht wegen Putin und so, von wegen schon mal dran gewöhnen. Nein, ich spreche vom neuen, edlen Hotel im Hamburger Hochbunker. Und wo da das Hotel mal alle anderen Hotels so was von blass aussehen lässt: Die belasten beim Check-In deine Kreditkarte, aber nicht nur mit dem vollen Betrag der Übernachtung! Nein, es werden zusätzlich 100 EUR abgebucht, ohne dass dies einem gesagt wird! Das wäre aus Sicherheitsgründen so üblich. Man bekommt die 100 EUR wieder zurückgebucht, aber was soll das?

Und auch die Bar hängt alle ab: Naturally blieb die Bunkerbar für die Frau an der Seite ihres Traummannes nicht unbesucht. Als ich bezahlen möchte (naturally keine Barzahlung!), kommt der Kellner mit dem Maschinchen für meine EC-Karte mit den Worten: „Wenn Sie dabei bitte auch an uns denken.“ Habe ich so noch nie erlebt, dass ein Kellner mich auf sein Trinkgeld anspricht. Auf dem Display las es sich „20%“, darunter „10%“, und weiter unten „anderer Betrag“. Voreinstellung – und jetzt halt dich fest – stand auf 20%. Deshalb ich: „Ich finde das nicht in Ordnung, dass automatisch 20% Trinkgeld abgebucht werden, wenn ich nicht aktiv einen anderen Betrag eingebe.“ Darauf der Kellner: „Wir sind ein amerikanisches Unternehmen und da ist es üblich …“ (für mein Gefühl recht arrogant) Ich: „Junger Mann, aber wir sind ja hier in Deutschland. Ich weiß, dass in den USA der Gast das Gehalt des Kellners quasi mitträgt, da dieser vom geringen Gehalt seines Arbeitgebers nicht leben könnte. Wenn Sie also hier in Hamburg von Ihrem Arbeitgeber auch so kurz gehalten werden wie in den USA, habe ich dafür vollstes Verständnis.“  

Amerika, Trump, amerikanische Unternehmen – kannst du nur von lernen, wie man immer ganz vorne am Start ist! Wie man alle anderen aussticht, übertrumpft. Schau doch! Steckt doch schon drin im Wort, ist der Name volles Programm: überTRUMPfen.

Mittwoch, 26. Februar 2025

Wohin mit den Puppen?


Worüber wir ja auch letztens gesprochen haben. Genau, übers Wegwerfen, bzw. über das Nicht-wegwerfen-Wollen. Ich habe da auch noch ein ziemlich großes Repertoire an alten Schirmhüllen. Die dazu passenden Taschenschirme (nebenbei, früher nannte man einen Taschenschirm Knirps. Da hatte es die Firma Knirps doch tatsächlich geschafft, dass man ihren Markennamen als Synonym für einen Taschenschirm benutzte. Du kennst das von Tempo: Tempo war die erste deutsche Marke für Papiertaschentücher. Der Name Tempo ist auch ein sogenanntes Deonym, weil heutzutage der Produktname für ein Papiertaschentuch steht. Weißte Bescheid, Schätzelein!). Was ich aber sagen will, die zu den Schirmhüllen passenden Knirpse sind selbstredend schon lange entsorgt, weil wirklich so was von kaputt. Aber selbes Thema: wie kreativ jetzt die Hüllen verwerten? Und nein, wegwerfen ist nicht!

Aber es gab auch mal einen Haufen an Dingen in meinem Haushalt, die ich tatsächlich entsorgen wollte. Ja, du liest richtig! Die wollte ich tatsächlich einfach nur wegschmeißen. Weil, der Kreativfaktor spielte da jetzt keine Rolle mehr. Der Phantasie waren im Vorfeld keine Grenzen gesetzt worden. Das Equipment war schon so was von kreativ verwendet, benutzt und ausprobiert worden. Was sich da bei mir angesammelt hatte, du willst es nicht wirklich wissen. Ich wusste einfach nicht, wohin damit. Ich vergaß zu erwähnen, von was die Rede ist. Es handelte sich um Puppen und anderes Spielzeug. Jetzt aber nicht wie du meinst, Spielzeug von meiner Brut, die jetzt nicht mehr groß, sondern auch schon alt wird. Also nicht die Puppen, die du deinen Kindern bei ehemals Puppenkönig gekauft hast. Ich meine solche Puppen. Apropos, kennst du eigentlich den Film „Lars und die Frauen“? Das ist eine sehenswerte Tragikomödie aus dem Jahr 2007 von Regisseur Craig Gillespie mit Ryan Gosling in der Hauptrolle (schau mal oben auf das Foto). Und Spielzeug, ja, im weitesten Sinne. Aber natürlich denkst du zuerst an Duplo, Lego und Konsorten. Wobei, wenn du ein klein wenig nachdenkst, kann davon nicht die Rede sein. Weil, das ist ja immer der Verkaufsschlager und vor allem Verhandlungsschlager schlechthin auf dem Flohmarkt. Nein, wenn es sich um Duplo oder Lego gehandelt hätte, hallo, noch einmal samstags in der Rheinaue sich die Beine in den Bauch stehen und darum feilschen, für wie viel jetzt das Plastiktütchen mit besagten Steinen über den Tapeziertisch geht – hätt’ ich sofort gemacht.

In diesem Fall war es tatsächlich so, dass ich meinem SCHAUFENSTER so was von dankbar war, als es folgenden Artikel veröffentlichte. Ich dachte zuerst, es geht mal wieder darum, was in welche Tonne nach einer Kindergeburtstagsfeier gehört. Du erinnerst dich sicher. Ich hab darüber schon mal geschrieben. Aber nein, die Lettern lauteten: Bonn Orange gibt Hinweise zur richtigen Entsorgung von Sexspielzeug – Der offene Umgang mit Themen wie Intimität und Sexualität erfährt eine immer größere gesellschaftliche Akzeptanz. Dieser Wandel macht auch vor der Abfallberatung nicht halt: Sexspielzeug, Hygiene- und Intimpflegeprodukte müssen richtig entsorgt und Nutzer entsprechend beraten werden.

Intimität und Sexualität sind Themen, die häufig mit Scham besetzt sind. (Ja, was denn nun? Offener Umgang oder Scham?) Das bringt oft Unsicherheit mit, wie Abfälle in diesem Zusammenhang richtig entsorgt werden müssen. (Wie oft ich schon im Restaurant am Nachbartisch heiße Diskussionen zum Thema richtige Entsorgung von Sexspielzeug mitgekriegt habe. Du glaubst es nicht!) Gebrauchte Hygieneprodukte und Präservative wie Kondome gehören zum Beispiel in den Restabfall bzw. die Graue Tonne, um sie der thermischen Verwertung zuzuführen. (Da erklärt sich ja auch vieles. Dass die ein oder andere Familie einfach deshalb so unglaublich viele Kinder hat, weil der Papa aus schierer Not, weil er nicht wusste, wohin mit dem Kondom, einfach keins benutzt hat.) Doch wie werden eigentlich Sexspielzeuge mit oder ohne Batterien, Glas oder gar Gummipuppen richtig entsorgt? Mit diesem Thema beschäftigt sich ein neuer Beitrag in der Rubrik „Tipps und Tricks“ auf bonnorange.de. Die meisten Sexspielzeuge aus Silikon gehören in den Restmüll (also auch abgegriffene, von der Größe her überalterte Brüste). Elektronische Sextoys mit festverbauter Elektronik oder Akku zählen wiederum zu den Elektrokleingeräten und müssen gemäß dem Gesetz über das Inverkehrbringen (!!!), die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten entsorgt werden. (Ich könnte mir auch vorstellen, dass der ein oder andere Mann mangels Viagra nicht mehr du weißt schon und deshalb ein gesteigertes Interesse am elektrischen Mechanismus vorschützt.)  Bei allen elektronischen Geräten oder sperrigen Produkten besteht die Möglichkeit, sie auf einen der beiden Wertstoffhöfe von bonnorange abzugeben. (Ich stell mir nur gerade vor, wenn ich mit einer Wanne voller Dildos auf dem Werkstoffhof erscheine.) Der Beitrag mit den ausführlichen Hinweisen zum Thema Entsorgung von Sexspielzeug und Intimpflegeprodukten inklusive einer Infografik kann unter https://www.bonnorange.de/ abgerufen werden.

Ich habe übrigens einmal auf deren Seite geklickt (tolle Infografik!). Und da las es sich folgendermaßen: Sex- oder Liebespuppen, aufblasbar unterscheiden sie sich bei der Entsorgung nicht von Luftmatratzen. Deswegen gehören Gummipuppen in die Graue Tonne. Im Gelben Sack haben sie nichts verloren! Anders sieht es bei sogenannten „Sexdolls” aus. Sie sind in der Regel aus Silikon und TPE gefertigt und müssen aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts über den Sperrmüll ihre letzte Ruhe finden. Ich stell mir das jetzt vor, bei den Nachbarn so eine Puppe – oder vor unserer Haustür.

Mittwoch, 5. Februar 2025

Von Düften und Dummen

Ich sprach doch neulich über die Flaschen-Geschenktaschen, die ich ja mittlerweile recht gut an den Mann gebracht habe. Was bei mir im Haushalt aber auch ein Problem ist: die stetig steigende Anzahl von Stoff-Brillenetuis samt dazu passender Stoff-Brillenputztücher. Nein, sag es nicht, die kann ich nicht einfach wegschmeißen! Wenn da jemand mal eine Idee für mich hätte, wie ich die kreativ verarbeiten kann, wäre super! Und zum zweiten Mal, komm mir nicht mit „einfach in den Müll“!

Weil, hallo! Wie oft habe ich das in meinem Leben schon durchexerziert: Jahrzehntelang das Kleidungsstück von A nach B geräumt, tausendmal versucht, diese eine wirklich tolle Bluse zu kombinieren. Hunderte Male für einen super Rock das passende Oberteil gesucht. Und irgendwann resigniert aufgegeben und ab in den Altkleidersack – der dann auch noch viel zu lange im Keller stand. Deshalb dann noch einmal im Wohnzimmer komplett ausgelee
rt wurde, nochmal jedes Teil auf den Prüfstand kam, bevor der Sack dann endgültig aus dem Haus kam. Und dann kommt deine Freundin und bittet dich, einem ihrer Fehlkäufe Asyl zu gewähren. Und es stellt sich heraus, dass der Rock genau der Rock ist, zu dem die Bluse gepasst hätte, die in dem Sack war, den du gestern in den Kleidercontainer …

Apropos Kleidercontainer. Kennst du doch auch, oder? Findest du überall im Stadtgebiet. Und wenn du einmal genau wissen willst, wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist (ich mein jetzt nicht die AFD und so), schau dir doch mal in aller Ruhe die Containerlandschaft auf der Brücke von meinem Auerberg nach Tannenbusch an. Vielleicht hat es auch mit unserem Bildungssystem zu tun. Dass es schon mit der Alphabetisierung überfordert ist. Vielleicht ist Alphabetisierung auch vollkommen überbewertet. Ich weiß es nicht! Oder dass viele Menschen entschieden haben, dass für sie persönlich die für alle geltende Schulpflicht nicht gilt. Entweder weil es in den Wintermonaten morgens so unerträglich dunkel ist oder sommers zu heiß, ich weiß es nicht. Jedenfalls, wenn ich auf besagter Brücke an den Altpapier- Altglas- Containern vorbeikomme, finden sich dort auch unendlich viele leere Plastiktüten, mit denen offensichtlich das Altglas dorthin transportiert wurde, die da aber einfach nichts zu suchen haben. Die du einfach wieder mit nach Hause nehmen musst, du Dumpfbacke! Daneben auf der Brücke stehen auch zwei Container für Kleider und Schuhe. Hallo, du Dämlack, den Koffer musst du wieder mitnehmen! Nein, nicht daneben abstellen! Und keinen Bürostuhl, keine alte Matratze, und auch keine Couchgarnitur! Das ist kein Platz für Sperrmüll, du Vollpfosten!

Wo ich aber gerade beim Entsorgen bin. Nein, wo ich gerade bei Vollpfosten bin. Ich weiß auch nicht wie ich darauf komme. Neulich war ich mit meiner Freundin in Köln unterwegs. Wir parkten im Farina-Parkhaus. Nur nebenbei, ich weiß nicht, ob dir der Name Farina etwas sagt. Im Internet liest du: Die älteste Duftfabrik der Welt ist das Farina-Haus. Wenn du noch keine Führung dort mitgemacht hast, unbedingt nachholen!

Ich bin jetzt aber noch im Parkhaus neben Farina. Enge Parklücke, kennst du! Alle Mitfahrer steigen vorher aus, und trotzdem windest du dich als Autofahrer so was von aus deinem Auto. Denkst dir, dass die gestrige Darmspiegelung jetzt doch noch ihr Gutes hat. Weil, der Bauch so was von flach. Kaum hast du dich aus deinem Wagen herausgeschnitzt, schlägt dir der Geruch von Pisse entgegen. Was jetzt natürlich als Gesamtevent gar nicht mal so schlecht ist: Der Kontrast zwischen Parkhaus-Gestank auf der einen und Farina-Duft auf der anderen Seite. Allein deshalb musst du vor dem Besuch bei Farina in ein Parkhaus.

So, meine Freundin hatte sich also aus ihrem Auto herausgeschält und wir zum Ausgang. Und kommen an einem roten Ferrari vorbei, der mittig auf genau zwei Parkplätzen parkt! Nach dem Motto „einer ist zu schmal“. Und erklär du mir jetzt nicht, warum der so parkt – und viele andere Assis auch. Das weiß ich! Hallo, du könntest mich unter Androhung von Folter fragen, was ein Autofahrer mit breitem PKW in einem Parkhaus machen soll, wenn die Parkbuchten für sein Auto zu schmal sind. Ich käm im Leben nicht drauf, dann einfach zwei zu belegen. Vielleicht einfach nicht ins Parkhaus fahren? Einen Zweitwagen nur fürs Parken im Parkhaus, wenn ich schon so was von viel Knete habe? Ich weiß es nicht! Solch asoziales Element hat offensichtlich ein Gen, von dem ich noch nicht mal träumen kann! Und weil ich gerade beim Entsorgen bin: Wenn du denen jetzt das Auto (übrigens, das kann selbstredend auch eine Dummbratze sein oder sonst irgendein Mensch mit einer von 72 Geschlechtsidentitäten), wenn du dessen oder deren roten Ferrari jetzt einfach abschleppst und entsorgst – hallo, das macht der nie wieder. Wäre jetzt nur noch zu klären, ob du dem den roten Ferrari als kleines Päckchen vor die Haustür legst oder ob du den nie gesehen haben willst. Und wo ich gerade beim Entsorgen bin: Was mach ich mit dem asozialen Parker? Und noch mal, komm mir nicht mit „die Parkplätze sind zu eng“! Meine Freundin musste sich auch aus ihrem PKW rausschälen!  

Okay, das verstehe sogar ich, dass ich dem Klappspaten nicht wirklich raten kann, sich auf die Kölner Verkehrsbetriebe zu verlassen. Schau, was du da im Internet findest: Im Kölner Stadtgebiet fällt derzeit rund jede achte Bahnfahrt aus, deshalb reagiert die KVB nun mit Fahrplankürzungen. Stefanie Haaks: „Gründe dafür sind vor allem eine deutlich erhöhte Fluktuation im Fahrdienst, eine verstärkte Nachfrage nach Teilzeitarbeit und eine erhöhte Krankenquote. Hinzu kommt, dass durch die personellen Lücken die Belastung für die Fahrer und Fahrerinnen erheblich gestiegen ist. Viele von ihnen sind an ihre Belastungsgrenze gelangt, und auch darauf müssen wir achten und reagieren. Auch das jetzt abgesenkte Fahrplanangebot stellt aufgrund der aktuellen Krankenquote immer noch eine Herausforderung für unsere Mitarbeitenden dar.“ Neben der Personalsituation bereitet auch die Fahrzeugverfügbarkeit nach wie vor Probleme. Da sich die Auslieferung der neuen Stadtbahn-Fahrzeuge erheblich verzögert, müssen die Bestands-Fahrzeuge für eine längere Laufzeit ertüchtigt werden und fallen daher jeweils für mehrere Monate aus. Die nach wie vor bestehenden Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung erschweren die Fahrzeugverfügbarkeit zusätzlich. Daher wird auch das Fahrzeug-Konzept überarbeitet.

Was? Du meinst, ich tue dem Ferrari-Typen Unrecht? Der hat beim Reinfahren bestimmt zwei Parktickets gezogen? Nee, klar!

Mittwoch, 15. Januar 2025

Mehr raus als rein!


Wo ich ja neulich bei der Dubai-Schokolade war. Dass ich das noch einmal erleben würde! Ich weiß nicht, wie lange das her ist, als es noch kein Amazon gab, dreißig Jahre? Und dann bot neulich das Werbeblättchen meines Lieblingsdiscounters Selbige feil: Bis zu 60% sparen. Hol dir die Dubai-Schokolade! Tiefpreis-Highlight, 100-g-Packung 4,29 €. Ich mich also wie vor 30 Jahren in aller Frühe mit dem Rädchen aufgemacht, mich gewundert, dass die Straße in Richtung Lieblingsdiscounter nicht schon verstopft war. Komm da um 10 vor acht an, kein Mensch auf dem Parkplatz. Auch keine parkenden Autos, in denen je mindestens fünf Menschen hätten warten können. Ich sichere mir einen Einkaufswagen und stehe als Erste in der Schlange – und als Einzige. Okay, als um acht die Tür aufgeht, stehen hinter mir dann doch noch ein paar Kunden, aber das Feeling, es als Erste in den Laden geschafft zu haben, fehlt. Und dann weiß ich nicht, wo ich das Produkt meiner Begierde suchen soll. Es gibt ja mittlerweile eine Fülle von Sonderposten. Nachdem ich etwas  herumgeirrt bin, rufe ich quer durch den Laden in Richtung Kassiererin: „Wo gibt es denn die Dubai-Schokolade?“ Darauf sie: „An der Kasse!“ Und da habe ich erstmals wieder dieses Gefühl von vor vielen, vielen Jahren. Richtig, damals gab’s das richtig Wertvolle, das Limitierte auch nur an der Kasse.

Damals waren Wochen der Recherche vorausgegangen. Was müsste ein Notebook alles haben, um in die engere Wahl zu kommen? Die Eckdaten waren gesammelt und dann war es soweit: Aldi hatte Notebooks und sie erfüllten alle Anforderungen. Alles war von langer Hand geplant und jetzt in der Endphase sollte nichts mehr schief gehen. Ich als professionelle Barzahlerin hatte genügend Bargeld im Portemonnaie. Das Auto war voll getankt, der Zweitwecker gestellt. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Am Abend vorher wurde noch mal die Vor-Aldi-Stehzeit festgelegt. Das war ja immer so eine Gewissensfrage. Übrigens nicht nur im Aldi-Schlangen-Stehbereich. Auch wenn du für die Alternativkarnevalssitzung im Pantheon Karten haben wolltest, musstest du dir ein Zeitlimit setzen. Jetzt aber nicht nach hinten, sondern nach vorne. Denn sind wir mal ehrlich, auf der 100% sicheren Seite warst du nur, wenn du bereits ab Mitternacht vorm Aldi Wegelagerei betrieben hast. Das kam für mich persönlich jetzt aber nicht in Frage. Ich entschied mich für eine Nachtruhe von sieben Stunden. An diesem Morgen würde ich mir die Haare nicht waschen, auf Schmuck verzichten und Schuhe mit Klettverschluss anziehen. Das Einzige, worauf ich nicht verzichten wollte, war der Lippenstift. Auftragen des Lippenstifts, der schon strategischerweise am Vorabend in die Manteltasche gesteckt wurde, würde an der ersten roten Ampel stattfinden. Ich würde nur geringfügig abbremsen, sollte ein Fußgänger Anstalten machen, den Zebrastreifen zu überqueren. Ich würde für mich persönlich kurzfristig das Tempolimit von 50 (damals waren es noch 50, heute sind es 30!) auf 80 anheben. Und alle, die davon nichts mitbekommen hätten, würden mit Hilfe von ein ganz klein wenig Lichthupe zur Seite abgedrängt werden. Kurz gesagt, halb acht war machbar! Um Punkt halb acht biege ich also in den Aldi-Parkplatz ein. Hurra, meine Strategie hat sich gelohnt. Ich bin die Erste, habe die Qual der Wahl, aus welcher Einkaufswagenreihe ich meinen rausrupfe, und stelle mich vor die Eingangsglastür. Ganz entspannt verbringe ich die nächsten Minuten - vollkommen alleine. Um kurz vor acht trudeln dann immer mehr Leute ein. Mutig, mutig kann ich da nur bewundernd sagen. Die Nerven möchte ich haben. Da geht auch schon die Türe auf, und ich stürze mit meinem Einkaufswagen auf die erstbeste Verkäuferin zu und fordere fragend ein Notebook. Sie dreht sich ganz ruhig um, um mir mit einem Lächeln im Gesicht zu sagen: „Notebooks? Die gibt es morgen - an der Kasse."

Ich war ja aber neulich bei meinem Lieblingsdiscounter wegen der angesagten Dubai- Schokolade. Habe auf dem Weg zur Kasse noch zweimal Klopapier, à acht Rollen, in den Einkaufswagen geschmissen, weil Klopapier geht ja bekanntlich immer (wenn nicht zum Eigenbedarf, dann als Währung, quasi Zahlungsmittel auf dem Schwarzmarkt). Und bekam dann eine Packung Schokolade. Ich geb zu, die Freude hielt sich in Grenzen. Weil, weder vor mir noch hinter mir interessierte sich jemand für Selbige. Und da merkst du schon, wie primitiv der Mensch, im Speziellen ich, gestrickt ist. Die eine Sache ist die, dass du eine Tafel bekommst, aber die andere Sache ist die, dass der hinter dir keine mehr bekommt, weil du eben schneller warst! Und dann kam ich nach Hause, wie gesagt, die Freude hielt sich so was von in Grenzen, und mein Göttergatte teilte mir mit, dass es bei Lidl auch Dubai-Schokolade gab.

Was soll ich sagen, alles hat seine Zeit. Die Schlangen vor Aldi und, wo ich doch gerade bei Klopapier war, offensichtlich auch mein SCHAUFENSTER aus Papier. Schon lange hat keins mehr in meinem Briefkasten gelegen. Und so fühle ich mich ab und an schon ein wenig von der Außenwelt abgeschnitten. Und komm mir altem Menschen nicht mit E-Paper. Was soll das, E und Papier passt nicht zusammen, schließt sich geradezu aus!

Wo ich aber gerade bei Papier bin, bei echtem Papier: Was ich bei meinem SCHAUFENSTER an Papier vermisse, habe ich auf der anderen Seite zu viel an Papier. Und da hatte ich bis zum Ende des Jahres die Challenge am Laufen, mehr raus als rein zu tragen. Noch am Silvestertag lag ich mit einer knapp vorne – bis nachts vor der Haustür wieder eine stand. Ja, mein Göttergatte sieht das genau wie du – einfach wegschmeißen! Kann ich aber nicht! Deshalb habe ich in 2024 jedes Mal, wenn es darum ging, eine Flasche irgendwelchen Inhalts zu verschenken, daran gedacht. Okay, ich gebe zu, es gab weit häufiger weihnachtliche Motive, was in den Sommermonaten bei den Beschenkten erstaunte Blicke hervorrief. Aber Hauptsache, ich hatte sie aus den Füßen. Ich vergaß zu erwähnen, wovon die Rede ist, oder ahnst du es schon? Genau, ich spreche von den Flaschen-Geschenktaschen.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

Ein Konvolut an guten Vorsätzen

 


Mein aktuelles Lieblingswort - Konvolut! 
Und weil ich gerade bei Lieblingswort bin. Einer meiner Lieblingssprüche ist ja auch: „Du gehst mir auf den Sack.“ Weil ich aber bis jetzt dachte, dass dieser Spruch nicht wirklich gesellschaftsfähig ist, dass es sich bei dem Sack um das Gemächt (auch so ein tolles Wort!) handelt, habe ich den Spruch nur in Ausnahmefällen benutzt und noch „auf den nicht vorhandenen“ hinzugefügt. Aber horch! Dieser Spruch stammt aus der Zeit, als es noch keine richtigen Türen gab. Stattdessen wurden Säcke vor den Türrahmen (der damals noch nicht so hieß) gelegt. Auf diese Sitte weist unter anderem der Ausspruch „Haben wir etwa Säcke vor der Tür?” hin. Witterungsbedingt wurden die Säcke natürlich auch nass und mussten getrocknet werden. Bei schönem Wetter legte der Hausbesitzer daher die Säcke in die Sonne. Die leeren Säcke wurden sorgfältig auf den meist kleinen Grundstücken ausgebreitet. Sie markierten auch die Grenzen zum Nachbargrundstück. Wenn nun jemand fremdes auf diese Säcke trat, hatte er damit schon die Grundstücksgrenze verletzt. Der Eigentümer des Hauses rief dann meist „Geh mir nicht auf den Sack!”, womit er zum Ausdruck brachte, dass der Fremde sich auf seinem Grundstück befand. Zudem waren die Säcke zu kostbar, als dass sie achtlos als Fußabtreter verwendet werden konnten. Wenn also heutzutage, wo es zum Glück anständige Türen gibt, jemanden sagt, dass ein anderer ihm nicht auf den Sack gehen soll, meint er damit, dass dieser ihn in Ruhe lassen soll. Meist hat dieser vorher durch sein Verhalten auch eine Grenze überschritten und fängt zu nerven an. - Weisse Bescheid, Schätzelein!


Ich war aber ja bei meinen Vorsätzen fürs neue Jahr. Deine Vorsätze kenne ich ja. Sport zum Beispiel. Da bietet dir das Werbeblättchen deines Lieblingsdiscounters (der ist ja nicht blöde, dein Lieblingsdiscounter, der kennt das ja mit deinen guten Vorsätzen). Und deshalb bietet der dir jedes Jahr im Januar sämtliches Sportgerät an. Obwohl der weiß, dass du vom letzten Jahr noch den Ruderergometer unausgepackt im Keller stehen hast. Das einzige, was du da an sportlicher Aktivität reingesteckt hast, war, selbiges Sportgerät erst einmal in den Keller zu wuchten, damit es nicht im Weg steht.

Oder auch so ein immer wiederkehrender Vorsatz von dir: fasten. Jedes Jahr dieselbe Prozedur. Im Januar fängst du an, wegen Vorsätze fürs neue Jahr und so – und schwächelst. Aber kein Problem, denkst du. Die zweite Möglichkeit, fastenmäßig einzusteigen, steht ja quasi schon mit dem moralischen Zeigefinger vor der Tür. Jetzt aber! Genau, die Fastenzeit. Und wenn du da den Einstieg verpasst hast, macht auch nichts. Denn aller guten Dinge sind bekanntlich drei: Ab jetzt zeigt dir die Bunte, wahlweise auch die Gala, wie du deine Bikinifigur in nur wenigen Wochen erreichst. Aber wenn du dich dann endlich durchgerungen hast, es mal mit dieser Diät zu probieren, stellst du fest, dass es bis zum Urlaub eh nur noch drei Wochen sind. Da lohnt es sich dann auch nicht mehr!

So, jetzt aber! Mein erster Vorsatz: Zum Thema Abtreibung werde ich erst einmal nichts mehr sagen, darüber ging es ja schon in meinem letzten Beitrag. Nur noch eins: Das Thema Abtreibung steht nach wie vor im Strafgesetzbuch, zwischen Mord und Völkermord. Das ist ein absolutes Unding! Dort muss es endlich raus!

Noch ein Vorsatz: Möglichst nichts mehr zum Thema Gendern schreiben. Nur noch eine witzige Geschichte. So las es sich in den Medien: Mit der Entscheidung, nur noch das sogenannte generische Femininum zu nutzen, will Rotenburgs Landrat Marco Prietz eine Debatte anstoßen. Regelmäßig müssen die allgemeinen Geschäfts- und Dienstvorschriften des Landkreises angepasst werden. Gemeinsam mit der Personaldezernentin Silke Fricke hat Landrat Prietz in dem Zuge beschlossen, dass es mit der rein männlichen Form nicht weitergehen könne. Denn mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Verwaltung und auch mehr als die Hälfte der Führungskräfte seien mittlerweile Frauen. "Mir sind Lesbarkeit und hohe Verständlichkeit wichtig. Deshalb bin ich kein Befürworter von Sonderzeichen. Auch immer beide Formen zu nennen, sorgt nicht dafür, dass man es besser versteht. Wir wollten daher nur eine Form nutzen." Personaldezernentin Silke Fricke sagt, die Resonanz der Belegschaft sei überwiegend positiv, vor allem von den Frauen in der Landkreisverwaltung. "Die fühlen sich nun besonders wertgeschätzt. Und alle Personen im Haus werden ja auch künftig weiterhin korrekt mit ihrem Geschlecht und ihrer dazugehörigen Amtsbezeichnung angesprochen." Hier gebe es also keine Probleme. In der Großen Straße in Rotenburg, der Fußgängerzone der Kreisstadt, wird die Entscheidung des Landrats mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Er lehne jede Form von Gendern ab, sagt ein älterer Herr. Eine jüngere Frau beklagt hingegen, der Vorstoß ginge nicht weit genug. Denn non-binäre Personen würden ausgeschlossen. Vielen aber ist das Thema schlicht egal, oder es ist ihnen zu hoch gehängt und politisch aufgeladen. Nicht zufrieden ist ausgerechnet der Landesfrauenrat Niedersachsen. Für die Vorsitzende Barbara Hartung ist die Nutzung der rein weiblichen Form zu unpräzise. "Man kann die Einführung des Femininums als Ausgleich betrachten, als ausgleichende Gerechtigkeit nach Jahrhunderten des generischen Maskulinums. Es könnte sein, dass Männer merken und nachfühlen können, wie es ist, wenn 'Mann' mitgemeint ist. Aber als generelle Regelung würden wir das nicht befürworten. Wir plädieren für eine geschlechtergerechte Sprache, wo Frauen und Männer sichtbar werden." - Die Landfrauen, wie witzig!

Wie viele Vorsätze müssen es eigentlich sein, damit ich von einem Konvolut sprechen darf? Sicherheitshalber noch zwei. Im neuen Jahr weniger Dubai-Schokolade essen und mehr lüften. Von beidem hätte ich ja nichts mitbekommen, wenn es Tiktok und Instagram nicht gäbe. Beide Themen gingen ja so was von viral. Ein wenig stolz war ich da schon auf uns, uns Deutsche, wie die Influencerin ihren amerikanischen Followern einmal das richtige Lüften erklärt hat. Die Vereinigten Arabischen Emirate und wir - viral auf gleicher Höhe, Wahnsinn! 

Mittwoch, 4. Dezember 2024

“Papaya-Workshops” für Anfänger - Es muss nicht immer lustig sein


Kürzlich las es sich in den Medien folgendermaßen: "Es gibt keinen Raum für Kompromisse, wenn es um dieses wesentliche Recht geht, das alle Frauen von Geburt an besitzen: die individuelle Freiheit", sagt Melania Trump, Ehefrau von Donald Trump, mit Blick auf das in den USA hoch umstrittene Recht auf Abtreibung. Die individuelle Freiheit sei ein Grundprinzip, für das sie "ohne jeden Zweifel" eintrete. In einem zentralen Wahlkampfthema widerspricht sie damit ihrem Mann. "Warum sollte jemand anderes als die Frau selbst die Macht haben zu entscheiden, was sie mit ihrem eigenen Körper macht?", zitiert der Guardian. Das Recht einer Frau einzuschränken, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden, sei dasselbe, wie ihr die Kontrolle über ihren eigenen Körper zu verweigern, heißt es von Melania Trump. Dieser Überzeugung sei sie schon ihr gesamtes Erwachsenenleben. "Das Grundrecht einer Frau auf individuelle Freiheit und auf ihr eigenes Leben gibt ihr die Berechtigung, ihre Schwangerschaft abzubrechen, wenn sie dies wünscht", ergänzt sie demnach in ihren Memoiren. Frauen müssten auf Grundlage ihrer eigenen Überzeugung über einen Kinderwunsch entscheiden - ohne "Druck der Regierung", so Melania Trump. Da muss ich jetzt einfach mal sagen: Hut ab, Melania, du hättest das Thema ja aussparen können. Hast du aber nicht. Danke!

Wo ich aber gerade bei dem Thema bin, da fallen mir die so genannten „Papaya-Workshops“ ein. Sei ehrlich, hast du noch nie was von gehört. Also Obacht! Im September 2023 las es sich im Bonner General-Anzeiger so: In Bonn stehen ungewollt Schwangere ziemlich allein da. In der Uniklinik soll erstmals ein Papaya-Workshop für Medizinstudierende stattfinden, damit sich mittelfristig mehr Mediziner zu Abtreibungen bereit erklären. Die Situation in Bonn ist angespannt. Papaya-Workshops sind Workshops, an denen grundlegende Kenntnisse zum Schwangerschaftsabbruch in Theorie und Praxis vermittelt werden können. In den Workshops werden verschiedene Methoden des Schwangerschaftsabbruches vorgestellt, inklusive deren Durchführung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Anschließend können die Teilnehmer*innen den chirurgischen Schwangerschaftsabbruch (Vakuum-Aspiration) am Papayamodell praktisch üben. Die Papaya eignet sich durch Form, Größe und Textur sehr gut als kostengünstiges Modell der Gebärmutter. Das Lehrkonzept ist international bekannt und wissenschaftlich anerkannt (siehe Quellen). Dabei geht es nicht darum, dass die Studierenden den Eingriff anschließend beherrschen. Vielmehr soll eine erste Annäherung an das Thema ermöglicht und eventuelle Berührungsängste abgebaut werden.

Und dann kannst du weiter lesen: “Papaya-Workshops” wurden zunächst in den USA angeboten, bis sie dann erstmals in Deutschland 2015 von den Medical Students for Choice Berlin angeboten wurden. Mittlerweile erfreuen sie sich an vielen medizinischen Fakultäten großer Beliebtheit. Und weiter heißt es: Als Doctors for Choice freut es uns, dass in immer mehr Städten studentische Arbeitsgruppen (z.B. Medical Students for Choice; Kritische Mediziner*innen) gegründet werden, die sich mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch beschäftigen. Da die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung ein Kernanliegen von Doctors for Choice ist, ist uns die Zusammenarbeit mit diesen Gruppen sehr wichtig. Ganz konkret heißt das beispielsweise im Rahmen der “Papaya-Workshops”: Die Organisation wird von den studentischen Arbeitsgruppen übernommen, während Ärzt*innen von Doctors for Choice die Workshops mit ihrer praktischen Expertise anleiten. So wird ein evidenzbasierter, niedrigschwelliger, wertneutraler Austausch auf Augenhöhe ermöglicht https://msfcberlin.com/kritik/.

Holla, die Waldfee, was sag ich denn dazu? Erstmals nach Deutschland in 2015 und schon fast 10 Jahre später in Bonn angekommen. Wahnsinn! Seit Oktober 2023 gilt: Der Schwangerschaftsabbruch soll im Medizinstudium gelehrt werden. Doch die Umsetzung läuft schleppend. In Hamburg nimmt eine Gruppe von Studierenden die Sache nun selbst in die Hand, heißt es in den Medien. Wenn ich bedenke, wie viel Unsinn wir so was von schnell aus den USA übernehmen, und bei diesem Thema dauert es so lange. Ja, es geht so was von schleppend voran, dass sich die Studenten nun selbst drum kümmern. Mir fällt da auch in dem Zusammenhang wieder der Prozess gegen eine Frauenärztin aus München ein. Ihr wurde vorgeworfen, sie würde auf ihrer Website Werbung für Abtreibung machen. Sie hingegen sagte, sie würde lediglich darüber informieren, dass sie in der Lage sei, Abtreibungen vorzunehmen. Letztendlich hat sie den Prozess gewonnen, aber wieso überhaupt …?

Ich sag nur, tolle, perfide Strategie: Wenn etwas im Medizinstudium nicht gelehrt wird, kann man es auch nicht als Gynäkologe durchführen! Was ich sagen möchte, schauen wir nicht auf die Republikaner, schauen wir nicht auf Trump. Lasst uns doch einfach mal vor der eigenen Haustür kehren!

Wo ich jetzt gerade bei der Papaya, bei der Gebärmutter bin. Ich bin mir neuerdings gar nicht mehr so sicher, ob wir überhaupt noch von einer Gebärmutter sprechen dürfen. Statt Muttermilch („Breastmilk“) sollen Hebammen und Ärzte ja gemäß neu eingeführter Sprachpolitik zukünftig „Milch vom Menschen” („Human Milk“) oder „Milch vom stillenden Elternteil“ zu sagen. Weil erst kürzlich hat eine Hebamme ihren ersten Herrn entbunden, also einen Gebärvater. Ich erklär’s dir: Ein Mann, gefangen im Körper einer Frau, hatte sich entschlossen, auch körperlich ein Mann zu werden. Vorher wollte und ist er aber erst einmal schwanger geworden. Bei der Geburt hatte er schon keine weiblichen Brüste mehr, war also schon auf dem Wege zu einem männlichen Körper …

Übrigens: Jeder Mann ist doch gefangen im Körper einer Frau – zumindest für neun Monate, bis zu seiner Geburt. J

Dienstag, 5. November 2024

Tamara im grünen Bugatti


Ja, ich weiß, das Thema kaltes Spritz-Getränk ist durch – für dieses Jahr. Ja, es ist draußen kalt,  und im Hunsrück war es dieser Tage auch kalt, üsselig und vor allem nebelig. Deshalb aber noch diese kleine Anekdote: Mein Göttergatte und ich waren mit unseren Rädchen auf dem Schinderhannes-Radweg im Hunsrück unterwegs. Es war so was von nebelig und so was von nasskalt, dass ich mir noch zwei Plastiktüten (du kennst diese durchsichtigen, kleinen Plastiktüten aus der Obstabteilung bei meinem Lieblingsdiscounter.) über die Socken gezogen habe. Kein Schwein unterwegs und natürlich, wie so oft neuerdings, nichts zum Einkehren. Apropos Einkehren. Das hast du ja in heutigen Zeiten immer öfters: Entweder hat ein Restaurant geschlossen, weil es von montags bis mittwochs immer geschlossen, sprich Ruhetag hat. Oder aber das Restaurant hat geschlossen, obwohl Freitag ist, weil es für immer geschlossen hat. Oder aber es stimmt eigentlich alles, wenn nicht gerade Betriebsferien wären. Oder aber es hat geöffnet und es ist so voll, dass du keinen Platz bekommst, weil du nicht reserviert hast. Oder du bekommst einen Platz und merkst erst bei der Bestellung, nachdem um dich herum jetzt wirklich jeder Platz besetzt ist, dass du den Kellner so was von anschreien musst, damit der dich versteht.

Oder Metzgereien in kleineren Ortschaften: Früher haben mein Göttergatte und ich uns auf unseren Fahrradtouren morgens aufgemacht in dem sicheren Wissen, dass wir vormittags auf jeden Fall an einer Metzgerei vorbeikommen und dort ein Leberkäsebrötchen kaufen würden (und ich bereits mittags schon einmal die Möglichkeit hätte, zwischen mehreren kalten Spritzgetränken zu wählen).

Apropos kaltes Spritzgetränk. Ich fahre ja eigentlich immer noch auf dem Schinderhannes-Radweg im Hunsrück, im üsseligen Herbstwetter, um mich herum nur Nebel. Aber auch ohne Nebel, na ja, Hunsrück eben, Natur pur! Da tut sich doch plötzlich rechter Hand ein kleines Häuschen, ein kleines Bistro auf. Und was geht mir da sofort durch mein Köpfchen? Genau: Bestimmt schon lange tot oder Betriebsferien oder einer von sechs Ruhetagen … Trotzdem, wir werden langsamer, sehen innen ein kleines Lichtlein, oder ist der Wunsch der Vater des Gedankens? Wir halten an, sehen keinen Gast, aber eine Menschenseele hinter der Theke. Haben den Türgriff in der Hand und, klar, es tut sich nichts, geschlossen! Wäre ja auch einfach mal schön gewesen! Und tatsächlich  ist es auch einfach mal schön! Weil, bitteschön, nicht drücken, ziehen! So, aber was nun bestellen? Weil eigentlich fröstle ich ja, Grog steht aber nicht auf der Karte, dafür aber Limoncello-Spritz. Ich schwanke, meine Füße immer noch kalt, immer noch in Plastiktüte, da sagt doch die Bedienung ganz freundlich:“ Ich lasse die Eiswürfel einfach weg. Der Prosecco ist ja kalt genug.“ Hallo, was für eine geniale Idee! Der Prosecco war tatsächlich kalt genug. Und was das Tolle an der Sache war. Du kennst das doch auch, dass du dich manchmal fragst, ob zwischen dem Haufen an Eiswürfeln überhaupt noch Platz für die Promille ist. Nicht so bei diesem Limoncello-Spritz: Das Volumen, was da jetzt an Eiswürfeln fehlte, hat sie mit Limoncello aufgefüllt. Ich muss dir nicht sagen, wie warm es mir da während des Trinkens uns Herz wurde, und das nicht nur metaphorisch! Was glaubst du, wie schnell ich danach in die Pedalen getreten bin! Ich vergaß, ich habe dir noch gar nicht gesagt, wie das Bistro heißt und wo genau es ist: „Gleis 3“ in Pfalzfeld.

Wo ich aber gerade beim Einkehren bin, bei Restaurants. In Kastellaun waren wir abends in einer netten Pizzeria. Na ja, da kannst du es kaum vermeiden, dass du die Bestellung vom Nachbarstisch mitbekommst. Und da war es wieder: das Thema Sonderwünsche. Habe ich da irgendetwas nicht mitbekommen? Gehört es mittlerweile zum guten Ton, kein Gericht, aber auch wirklich kein Gericht so zu bestellen, wie es auf der Speisekarte angegeben ist? Und ich spreche jetzt nicht davon, dass jemand keinen Knoblauch haben möchte. Nein, statt Kroketten sollen es Fritten sein, statt Rosenkohl ein Schüsselchen Rotkohl, statt … ich könnte die Liste endlos verlängern. Mit welchem Käse ist das Gratin überbacken? Stammt das Salz aus dem Himalaya und handelt es sich auch tatsächlich um Kristallsalz? Wurde es auf den tibetischen Hochebenen von Hand geerntet? Möglichst unter großen Mühen von armen tibetischen Waisenkindern? Den Fragen und Wünschen sind keine Grenzen gesetzt! Ich war sowieso schon dabei, mich fremdzuschämen, als die Gästin zum Schluss ihrer Bestellung noch ausdrücklich darauf hinwies, die Pizza solle bitteschön recht kross gebacken werden. Der junge Mann, der die Bestellung aufnahm, verzog keine Miene. Respekt! Hallo! Jetzt auch noch dem Koch sagen, wie er seine Pizzen backen soll! Geht’s noch? Da hast du auf der einen Seite den Gast, der das mit dem „Der-Kunde-ist-König“ aber dermaßen zu weit treibt. Was du aber auf der anderen Seite hast, sind Sterne-Restaurants, in denen der Koch der König ist. Wo es sogar soweit geht, dass ich mit meinem Göttergatten nicht die Teller tauschen darf. Wie wir das eigentlich immer machen: Im Café bestellen wir immer zwei verschiedene Tortenstücke und tauschen nach der Hälfte. Und so erzählte es eine Freundin: Anlässlich eines Geburtstages hatten ihr Mann und sie sich ein edles Restaurant gegönnt. Und hatten wie immer zwei unterschiedliche Gerichte bestellt, um die Vielfalt der teuren Küche genießen zu können. Nachdem sie bezahlt hatten, erwartete der Kellner sie am Ausgang mit den Worten:“ Wir bedanken uns für Ihren Besuch. Beehren Sie uns aber bitte nie wieder!“

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, möglichst ohne allzu viele Sonderwünsche alt zu werden. Ich finde, je mehr Sonderbehandlung Menschen von ihren Mitmenschen erwarten, desto älter wirken sie, desto verschrobener wirken sie. Was ich aber irgendwann einmal in einem Restaurant bestellen werde: Zwiebelkuchen ohne Zwiebeln. Mal sehen, ob ich da dann doch ein feines Lächeln auf das Gesicht meines Gegenübers zaubern kann.

Falls du dich fragst, was das hier alles mit der Tamara zu tun hat. Die Socken, die du auf dem Foto siehst, die mitleiderregend in Plastiktüten stecken, sind so was von Designersocken: Von der Tamara de Lempicka. Titel:“ Tamara im grünen Bugatti“