Donnerstag, 2. Juli 2026

Nett hier, aber nicht im Mehrzweckabteil

 

Ich weiß, ich mach mir jetzt so was von viele Feinde. Muss ich halt durch. Aber in Zeiten, wo jedes Individuum, jeder Tuppes sich äußert, in übelster Weise äußert und äußern darf, trau ich mich jetzt auch mal. Ich war ja neulich beim Thema Deutsche Bahn und da musst du jetzt mal durch. Also hier: Ein gelöstes Fahrradticket garantiert Ihnen leider keine Beförderung, sondern erlaubt lediglich die Mitnahme, sofern es die Kapazitäten erlauben. Die Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn und der Verkehrsverbünde regeln die Prioritäten im sogenannten Mehrzweckabteil sehr eindeutig. Die klare Rangordnung im Zug: Wenn der Platz im Wagen eng wird, gilt immer folgende feste Reihenfolge: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Mobilitätshilfen (Rollatoren) haben oberste Priorität. Dann kommen Reisende mit Kinderwagen oder schweren Lasten. Fahrradfahrende stehen am Ende dieser Kette. Konkret bedeutet das für Sie: Keine Mitnahmegarantie. Selbst wenn Sie also ein gültiges Fahrradticket besitzen, begründet dies laut der Beförderungsbedingungen der DB keinen Rechtsanspruch auf die Beförderung des Rads. Aufforderung zum Aussteigen: Kommt ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen in den Zug und es ist kein Platz mehr frei, müssen Sie den Stellplatz räumen. Ist der Zug so voll, dass das Fahrrad nirgendwo anders sicher stehen kann, müssen Sie den Zug an der nächsten Station mit Ihrem Fahrrad verlassen und auf den nächsten Zug warten. Das Zugpersonal hat das letzte Wort: Die Zugbegleiter beziehungsweise das Betriebspersonal besitzen das Hausrecht und entscheiden im Einzelfall vor Ort über die Mitnahme. Deren Anweisungen müssen Sie Folge leisten.

Ja, ich mach mich jetzt mal ganz unbeliebt! Und ja, ich mach jetzt mal eine eigene Befindlichkeitsgruppe auf: die der alten, weißen Frauen. Die Gruppe derer, die in unserer Gesellschaft so was von überflüssig sind, es sei denn, sie hüten Enkelkinder. Was erwartet man von mir als alter Frau, wenn ich schon nicht bereit bin, frühzeitig abzutreten? Ich soll mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen, ich soll mich sowieso bewegen, damit ich meiner Krankenkasse nicht zur Last falle. Das Ticket kostet 6,30 Euro pro Fahrrad, das ich in meinem Alter auf den Bahnsteig wuchten muss – oftmals ohne Schieberinne! Nebenbei – mein Traummann hat zwar gesagt, ich soll es jetzt mal gut sein lassen –, du erinnerst dich? Alle Toilettentüren im Zug waren verschlossen? Was machst du denn jetzt bitte, wenn du deine Periode hast? Einen einzigen Vorteil hat es, wenn du eine alte Frau bist! So, ich habe jetzt einfach mal meine Befindlichkeit in die Tasten geklöppelt. Das muss ich ja auch erst einmal lernen, dass ich meine Befindlichkeit in die Tasten dübele, und viele mir unbekannte Menschen meine Befindlichkeit (zum dritten Mal) mitbekommen. Und dass die mir dann sagen, wie scheiße ich drauf bin. Und ob ich sie noch alle habe.

Wo ich aber gerade unter anderem beim Thema Geld war. Du weißt, eins meiner Lieblingsthemen! Weil, neulich sind wir am Rhein entlang gefahren mit unseren Rädchen, halten beim Rheinpavillon an und ich zu meinem Göttergatten: „Schau doch mal, was der Aperol-Spritz kostet.“ Ja, ich weiß, du kennst das auch. Frage: Kann er nicht mehr richtig gucken. Ist ein Augenarzttermin für den Geliebten dringend notwendig? Haben die sich eventuell verschrieben, weil sie ein Tütchen zu viel genossen haben? Oder aber, hat es mit meinem Hörvermögen zu tun. Ich mein, das gehört ja auch zum Altwerden dazu, zu akzeptieren, dass es an mir liegt. Nebenbei, es gibt aber auch jüngere Menschen, die sich fragen sollten, ob es an ihnen liegt. Stichwort Befindlichkeit (und zum vierten Mal!). Ich war aber ja bei meinem Hörvermögen. Und da zitiere ich jetzt einfach mal meine Schüler. Die sitzen in der hintersten Reihe und flüstern und trotzdem höre ich jedes Wort: „Ihr müsst flüstern, weil ich hier vorne jedes Wort verstehe.“ „Frau Bennemann, das ist aber auch eine echte Herausforderung, dass Sie so ein gutes Gehör haben“.  

Was ich dir damit sagen will, nein, an meinem Hörvermögen hat es nicht gelegen. Ich denk jetzt kurz an dich, liebes Lesendes, wir stehen immer noch vor dem Rheinpavillon und mein Göttergatte recherchiert, was der Aperol kostet. Nachdem er mir nun den Preis gesagt hatte, ich jetzt überlegt, warum so teuer. Okay, ich hatte mir zwar vorgenommen, nichts, aber auch gar nichts über die Sperrung der Nordbrücke zu schreiben. Aber wegen des Preises ich jetzt kurz überlegt, ob es damit zu tun haben könnte, dass man vom Rheinpavillon aus die Nordbrücke sehen kann. Also tagsüber eine leere Autobahnbrücke. Kann man nicht! Ich komm deshalb drauf, Stichwort „Instagrammable places“ (ist das nicht ein tolles Wort?). Schon letztes Jahr fand ich den Aperol-Preis, wie soll ich sagen, sportiv. Aber, okay, Blick aufs Siebengebirge. Wobei ich mich jetzt schon gefragt habe, für welche Personengruppe dieser Blick instagrammable ist. Doch sicher nicht für den Inder, der sich auf dem Titlis rumtreibt. Oder den Araber, der das Städtchen Interlaken für sich entdeckt hat, von wegen Jungfrau und Co. Interessant wäre der Blick auf das Siebengebirge natürlich allemal für die Schweizer. Ja, weiß ich selber, dass die den ein oder anderen Berg haben, der ein klein wenig höher ist als das Siebengebirge. Aber wenn die in ihrem Land an irgendeinem Ort sitzen, ein Gläschen Aperol schlürfen und auf ihre Berge schauen. Da ist der Preis aber so was von teurer als beim Rheinpavillon in Bonn. Einen Tod muss der Schweizer halt sterben.

Apropos Tod oder zumindest Nahtod. Was ist mein Göttergatte so was von froh, dass mein Projekt „Besuch des Kölner Doms, ohne 12 Euro Eintritt zu zahlen“ beendet ist. Ich gebe zu, auch ich. Weil, jeden Tag knapp 60 Kilometer hin und zurück, da hast du bei Gegenwind schon das ein oder andere Mal den Gedanken: Tote fahren kein Fahrrad. Wobei man es ja nicht wirklich weiß.

Ich vergaß übrigens zu sagen, wie viel der Aperol im Rheinpavillon kostet, also vor zwei Wochen, vielleicht ist der jetzt schon wieder teurer: 9,80 Euro.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt


Was bin ich froh, dass es mein SCHAUFENSTER gibt. Ich mein, auf den ersten Blick meinst du ja, das ist nur die Schutzhülle für die vielen Prospekte einschließlich der Werbeblättchen meiner Lieblingsdiscounter. Aber wenn du erst einmal das Lesen anfängst – der Wahnsinn, was für ein Bildungscocktail! Neulich gleich auf der ersten Seite, ich denk, da muss doch noch jemand abschließend mal drüber gucken, bevor das gedruckt wird. Direkt in riesigen Lettern ein Druckfehler: Nagelprobe an der Zapfsäule. Denkst du, liebe Adelheid, dem ist aber so was von nicht so! Von wegen Druckfehler. Ich hatte schon das Schreiben an mein SCHAUFENSTER aufgesetzt, als mein Traummann mich mal so was von aufgeklärt hat. Ich mach dir der Einfachheit halber mal das Internet: Die Redewendung Nagelprobe bezeichnet heute eine entscheidende Prüfung, einen kritischen Härtetest oder den Beweis der Bewährung. Synonyme sind Feuerprobe, Lackmustest oder die Probe aufs Exempel. Der Begriff stammt aus einer alten Trinksitte des 17. Jahrhunderts. Um sicherzustellen, dass ein Trinkgefäß bis auf den letzten Tropfen geleert wurde, stülpte der Trinker das Glas über seinen Daumennagel. Blieb kein Tropfen auf dem Nagel zurück, war die „Nagelprobe“ bestanden. - Okay, ihr Lieben, ihr wusstet es natürlich. Damit aber nicht genug. Eine andere Überschrift lautete „Augmented Karneval“. Ich kurz davor, wieder zu googeln, aber erst mal weitergelesen. Und, ja, da hieß es, digitaler Rundgang führt durch 200 Jahre Bonner Karneval. Es ging sich um eine kostenfreie App, die in 16 Stationen durch die Bonner Innenstadt führt und Geschichte und Entwicklung des organisierten Karnevals in Bonn vermittelt. Find ich total super, aber wenn du Pech hast, liest das keine Sau, von wegen „augmented“.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was ist sie so nölig, die da in die Tasten haut. Und vor allem, warum hat da jemand so was von viel Zeit, sich durch jeden Artikel ihres SCHAUFENSTERS zu fräsen? Hat nichts mit zu viel Zeit zu tun. Ich bin einfach nur kaputt, platt. Muss mich so was von regenerieren. Da reicht es gerade mal zum Lesen meines SCHAUFENSTERS. Mein Traummann und ich haben nämlich über einige Tage eine Radtour durch das Bergische-Sauerländische-Oberbergische gemacht. Die ein oder andere Steigung, so was von anstrengend. Aber kein Vergleich zur Bahnfahrt dorthin.

Los ging’s am Deutzer Bahnhof. Heißt dort erst einmal die Räder nach oben auf den Bahnsteig tragen. Unten übrigens schon alles abgeguckt von wegen Entwerter. Während ich die Treppe rauf und runtergehe, Leute, wie dreckig, wie ekelig, wie dermaßen stinkt es von den Stufen hoch. Als ob jemand gegen gutes Entgelt seit Jahrzehnten mit einer Verve auf die Stufen kotzt und pisst. Oben geht die Suche weiter nach dem Entwerter. Weil wir ihn nicht finden, ich wieder runter zur Info und erfahre, ganz am Anfang bei Abschnitt A (nebenbei, mein Bahnsteig zählt erst ab C) hängt der. Und nun frage ich dich, warum hängt der nicht in der Mitte des Bahnsteigs? Nebenbei, ein ganz kleiner orangener Kasten, den du von Weitem nicht siehst, geschweige denn, wenn außer dir noch einige andere Bahnkunden auf dem Bahnsteig zwischen dir und Kasten stehen. So, der Zug fährt ein, der Vollständigkeit halber pünktlich, an einem Samstag, aber mit nur einem Fahrradabteil am Ende des Zuges. Und während mein Göttergatte und ich darauf warten, noch mit ins Fahrradabteil zu kommen, sirent auch schon das Abfahrtsignal und wir in unserer Not packen unsere Rädchen in einen anderen Waggon.

 

Wo ich gerade im Zug stehe (nebenbei, eineinhalb Stunden stehe!), hier mal ein Spruch meiner Tochter auf WhatsAPP: Bin schon im Zug. Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt. Apropos Spruch, apropos Durchsagen, hier mal eine: „Bitte beachten Sie beim Ausstieg die unterschiedlichen Bahnsteighöhen.“ Oder: „Liebe Fahrgäste, wir bitten Sie, beim Verlassen des Zuges an alle Ihre persönlichen Gegenstände zu denken.“ Wenn ich diese Durchsagen höre, denke ich mir immer, ja, und bitte das Einatmen und das Ausatmen nicht vergessen. Leute, Durchsagen, die es nicht braucht! Ich sehe die unterschiedliche Bahnsteighöhe und werde mich dementsprechend verhalten. Weil, ich habe es ja im Vorfeld auch geschafft, mein Fahrrad über diese nach Kotze und Pisse stinkende Treppe auf den Bahnsteig zu hieven, den Entwerter zu finden und es trotz Abfahrtsignal in den Zug geschafft. Da werde ich doch wohl in der Lage sein, mich auf unterschiedliche Bahnsteighöhen einzustellen!

Was ich aber eigentlich sagen will, die vielen Fahrradkilometer rauf und runter mit meinem einfachen Trekkingrädchen waren es nicht, die mich geschlaucht haben, es war ganz einfach die Fahrt mit der Deutschen Bundesbahn von Köln nach Siegen. Ich mach’s kurz: Weil wir nicht mit unseren Rädchen im überfüllten Fahrradwaggon standen, stand der Schaffner nach eigener Aussage mit einem Bein im Knast, weil wir den Notausgang blockierten, und machte uns die Hölle heiß. Egal, scheiß drauf, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Weil, im ganzen Zug gab es keine Toilette. Im ganzen Zug. Menschen irrten von vorne nach hinten und von hinten nach vorne auf der Suche nach einem Klo – ohne Erfolg. Hier wäre eine Durchsage dringend notwendig gewesen: „Sehr geehrte Fahrgäste, es lohnt sich nicht, auf die Suche nach einer Toilette zu gehen. Es gibt für Sie keine Toilette, die Sie benutzen können. Finden Sie sich einfach damit ab. Auch mit der Tatsache, dass Sie nie erfahren werden, warum das so ist. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Türen verschlossen sind, weil die Toiletten mangels Reparaturpersonal defekt sind. Oder verdreckt bzw. verstopft sind, von Ihnen also vollgeschissen und vollgepisst wurden. Oder aber selbst eine ganz normale turnusmäßige Reinigung mangels Putzkolonnen nicht mehr stattfindet.“ Aber Hauptsache, es heißt Go Rheinland – wohin auch immer.

Nur der Vollständigkeit halber: In Siegen mussten wir die Räder erst von unserem Bahnsteig die Treppe runterhieven, um sie am Ausgang wieder hochzuhieven.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Was ich alles nicht wusste


Seitdem ich das weiß, also ich bin so was von verängstigt. Noch vor Kurzem habe ich in den blauen Himmel geschaut … Aber seitdem ich jetzt Klarheit habe und weiß, wie der Hase läuft. Weil, neulich hatten mein Traummann und ich so was von ein interessantes Gespräch. Man muss wohl eher sagen Aufklärungsgespräch, was uns beiden Dummis da widerfahren ist. Wir saßen draußen auf der Sonnenterrasse einer kleinen Bar bei einem Aperölchen (hoch über dem Gardasee). Traumhaftes Wetter, strahlend blauer Himmel und ab und zu ein weißer Kondensstreifen auf diesem Blau. Einmal sah es sogar so aus, als wolle der Pilot ein Herz in den Himmel malen. Da nahm am Nachbartisch ein Pärchen Platz, sehr nett, unser Alter, auch Deutsche. Und wir kamen so in besagtes Gespräch von wegen Wettervoraussage und die Frau meinte, sie habe ja früher immer den Schweizer Wetterdienst MeteoSwiss benutzt. So was von punktgenau und zuverlässig – früher. Das sei heute natürlich nicht mehr so. Da könne natürlich kein Wetterdienst mehr mithalten.

Auf meine Nachfrage, was sie denn mit früher meinte, wurden wir aufgeklärt. Nun ja, sie seien ja überall präsent, diese Chemtrails. Die ganz gezielt eingesetzt würden. Die über ganz bestimmten Gebieten  ausgestoßen würden. Ich wusste beim besten Willen nicht, worum es ging, und wurde belehrt: Diese weißen Streifen, die die Flugzeuge nach sich zögen, seien chemische Substanzen (Barium, Strontium, ...), die gezielt abgelassen würden, um das Klima zu beeinflussen. Die Piloten würden dazu gezwungen, einen Schalter umzulegen. Und Piloten, die sich weigerten, würden entlassen. Ah ja.

Daraufhin entspann sich eine rege Diskussion zwischen meinem Traummann und dem Paar (er übrigens Ingenieur! Also durchaus gebildete Menschen!). Wir erfuhren auch von einem Erdbeben auf Hawaii. Dort wollten Einwohner ihre Grundstücke nicht an einen Multikonzern verkaufen. Daraufhin – und die konnte man auch sehen – seien dort Blitze eingeschlagen, erzeugt von Satelliten mit Spiegeln. Und überhaupt tauchen ja mittlerweile überall lange, in den Boden gerammte Stäbe in der Landschaft auf, die Hochfrequenzstrahlen senden und Erdbeben verursachen können. Ja, was soll ich sagen. Du kannst dir vorstellen, wie mir seitdem zumute ist. Vor allem, wenn ich jetzt in den Himmel schaue.    

Wo ich gerade bei den Menschen bin. Da bin ich ja so was von froh, dass die Ellen mich auf den richtigen Weg gebracht hat. Ich hatte ja neulich einmal geäußert, dass ich mir an der SB-Kasse meiner Lieblingsdiscounter schon mal den ein oder anderen nenn es abwegigen, nenn es kriminellen Gedanken erlaube. Und da schreibt die Ellen mir daraufhin, dass sie den Inhalt dieses Beitrags unmöglich und unpassend findet, weil er indirekt eine Anleitung zu einer Straftat sei. Und da bin ich jetzt so was von froh, dass die Ellen mir die Augen geöffnet hat. Dass die Ellen so was von sensibel ist, und vor allem mich so was von sensibilisiert hat. Weil, da hat sie ja so was von Recht. Vor mir hat ja noch kein Mensch auch nur im Traum an so was gedacht. Geschweige denn gemacht.

Was ich jetzt wohl gemacht habe. Weil, das finde ich jetzt, nachdem ich mir das mal durch den Kopf habe gehen lassen, das finde ich jetzt, gelinde gesagt, so was von perfide von dem Simon Götze. Ich hatte ja den Herrn Götze, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin, zitiert: „Hat man ein Produkt unbeabsichtigt nicht gescannt, schuldet man dem Supermarkt aus zivilrechtlicher Sicht den Preis des Produktes oder man muss das Produkt zurückgeben. Für einen strafrechtlichen Vorwurf müsse ein Vorsatz vorliegen. Der Supermarkt brauche dafür einen konkreten Nachweis.“ Wenn ich es mir recht überlege, hat der mich ja erst darauf gebracht, mal den ein oder anderen Gedanken in Richtung Abgründe zu verschwenden. Den Simon habe ich jetzt mal angezeigt, dass der quasi die Menschen zu einer Straftat ermutigt. Um sie dann vermutlich später für teuer Geld verteidigen zu können. Hallo, wie infam ist das denn!

Und wo ich schon mal dabei war, habe ich mir natürlich ernsthafte Gedanken über den Sebastian Fitzek gemacht. Und nicht nur über den, sondern auch über seine Leser. Ich weiß nicht, ob du ihn kennst. Aber selbst, wenn du ihn kennst oder ein Fan seiner Romane bist, tu einfach so, als ob du noch nie etwas von ihm gehört hast.

Weil, der Sebastian ist der erfolgreichste Autor der Gegenwart Deutschlands und hat bis Anfang 2026 über 21 Millionen Bücher verkauft. Seine Werke wurden in 36 Sprachen übersetzt. Er gilt als Deutschlands meistgelesener Thriller-Autor. Liebe Ellen, liest du? Thriller-Autor! Hörst du?! Oder besser Horror-Autor! Übrigens, eines seiner erfolgreichsten Bücher, liebe Ellen, ist „Der Augensammler“. Handelt über den psychopathisch-sadistischen Augensammler, gehört zu Fitzeks gruseligsten Thrillern. Und da habe ich jetzt eine Petition ins Leben gerufen, solche Bücher verbieten zu lassen. Romane, die ja eine indirekte Anregung zu solch gruseligen Taten sind. Und, wie gesagt, seine Bücher wurden und werden doch tatsächlich in 36 Sprachen übersetzt! Jetzt wissen wir zwei Frauen auch, wer für die vielen, vielen brutalen Morde und sadistischen Verbrechen verantwortlich zu machen ist.

Und wo ich schon mal dabei bin. Erinnert sich jemand an den Erfolg von „Fifty Shades of Grey“? Ach, ich vergaß, kann ja nicht sein. Weil, keiner in meinem Umfeld hat die erotische Roman-Trilogie ja gelesen. Komisch schon, weil, in Deutschland verkaufte sich die Trilogie über 10,3 Millionen Mal, weltweit wurden sogar über 100 Mio. Exemplare verkauft. Ich kann mich nur daran erinnern, dass du zu der Zeit viele Frauen gesehen hast, die im Römerbad oder auf der Hofgartenwiese Bücher lasen, die einen selbst gestalteten Schutzumschlag, kannst auch Tarncover dazu sagen, hatten. Du also nicht den Titel des Buches lesen konntest. Ellen, ich möchte gar nicht wissen, was daraufhin in deutschen, ach was sag ich, weltweit in Schlafzimmern abgegangen ist.

Mittwoch, 29. April 2026

Der Dom bleibt in Köln


Wo ich ja letztens bei Recht und Unrecht war. Du erinnerst dich? Die Sache an der SB-Kasse? Ob ich da ein Pling gehört habe oder es mir nur „eingebildet“ habe? Egal, ich vergaß, du bist vergesslich, weil alt, oder glaubst, du könntest quer lesen, was du aber definitiv nicht kannst. Oder das Thema hat dich nicht interessiert. Deshalb für dich jetzt mal von meiner Seite eine Konzentrationsaufgabe. Also, geh Pipi machen egal aus welchen Gründen: Gebärmutterabsenkung oder Prostata. Oder beides, falls du dich im hohen Alter noch immer nicht für ein Geschlecht entscheiden konntest. Leg dir zur Not noch ein Traubenzucker hin von wegen Konzentrationsabfall. Und denk dran, du bist kein Goldfisch!

Hier für dich ein Artikel aus meinem SCHAUFENSTER, Rubrik § Ihr gutes Recht in guten Händen §: Das Berliner Testament ist für Eheleute die wohl gängigste Form, den gemeinsamen Nachlass zu regeln. Stirbt einer von beiden, erhält der überlebende Ehepartner alles. Geht später auch dieser von der Welt, wird meist den Kindern das gesamte Vermögen vermacht. Nicht immer will sich der Nachwuchs aber bis zum Ableben des zweiten Elternteils gedulden, um ein Stück des Erbes abzubekommen. Denn grundsätzlich kann er seinen Pflichtteil schon beim Tod des ersten Elternteils einfordern. Für den jeweils überlebenden Elternteil kann das herausfordernd werden – zum Beispiel, wenn das gesamte Kapital im Familienheim steckt und ohne den Verkauf der Immobilie kein Geld zum Auszahlen des Pflichtteils vorhanden ist. Ja, ich leide mit dir, trockenes Thema, aber challenge: Weiterlesen! Um solche Begehren für den Nachwuchs unattraktiv zu machen, sind Berliner Testamente oft mit einer Pflichtteilsstrafklausel versehen. Sie sieht vor, dass Kinder vom Erbe des länger lebenden Elternteils ausgeschlossen werden, sollten sie diesen nach dem Tod eines Elternteils mit Pflichtteilsansprüchen konfrontieren. Auf diese Weise soll der Nachlass zusammengehalten werden. Üblicherweise ist die Pflichtteilsstrafklausel so formuliert, dass der Ausschluss vom Erbe erfolgt, wenn die Geltendmachung des Pflichtteils „gegen den Willen“ des überlebenden Elternteils erfolgt. Und das reicht in der Regel aus, um die Klausel in der Praxis auch rechtssicher durchzusetzen. Drängt der Nachwuchs schon frühzeitig auf seinen Pflichtteil, müssen überlebende Elternteile nicht zwingend ihren Unmut über das Begehren äußern, damit die Klausel greift. Auf eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichts Zweibrücken (Az.: 8 W 56/24) verweist die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Ich weiß, du bist vollkommen überfordert, fast am Limit, der Artikel ist viel zu lang für dich. Aber halte durch! Du schaffst es!

In dem konkreten Fall hatte eine Tochter ihre Mutter nach dem Tod des Vaters um Auszahlung des Pflichtteils gebeten. Die Ansprüche lies die Mutter mit Anwaltsschreiben bestätigen und kam dem Wunsch der Tochter nach. Als auch die Mutter starb, wurde der Sohn darauf Alleinerbe, die Tochter erhielt erneut nur ihren Pflichtteil. Zurecht, wie das Gericht klarstellte. Ein entgegenstehender Wille sei regelmäßig bereits dann festzustellen, wenn Pflichtteilsberechtigte – wie hier geschehen – einseitig und in konfrontativer Weise zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an Erben herantreten. Eine zusätzliche Äußerung sei dann nicht nötig. Denn diese könne vom subjektiven Empfinden der Beteiligten abhängen, wovon das Greifen der Pflichtteilsstrafklausel nicht abhängen dürfe.

Hat sich das nicht gelohnt? Ist das nicht so was von lustig? Das Gesicht der Tochter hätte ich so was von gerne gesehen! Und du kannst jetzt so was von stolz auf dich sein: durchgehalten, respektive Pipi eingehalten!

Neulich habe ich dir ja auch von meinem aktuellen Projekt erzählt. Nein, es gibt auch noch etwas anderes, als sich Gedanken darüber zu machen, wie ich meine Lieblingsdiscounter betuppe. Wobei ich gar nicht mal weiß, ob das aktuelle Projekt nicht auch schon im weitesten Sinne unter Betuppen fällt. Weil, so lange wie ich da jetzt geschaut und gesessen habe. Ich habe mich geradezu wund geguckt und wund gesessen, dass ich erst einmal für Monate, wenn nicht sogar für Jahre bedient bin. Ich weiß nicht, wie der Rainer, der Woelki, das sieht. Oder möchte er, respektive sie, dass ich es mit Maria anspreche? Inwiefern es das nicht in Ordnung findet, quasi im Vorhinein Eindruck zu tanken. Oder was meint, und seine Meinung liegt mir natürlich so was von am Herzen, der Leo dazu? Ich habe mir ja so was von Zeit gelassen, dass ich mich auch einmal den Besuchern widmen konnte: Ein Elternpaar (darf ich das heutzutage so noch sagen?), das Töchterchen gefühlt neun Jahre, aber abwechselnd auf Mamas oder Papas Arm (darf ich auch nicht mehr sagen, oder?). Jedenfalls wurde das Töchterlein (ich sage sicherheitshalber Kind oder kleiner Mensch mit Kleid und langen Haaren) von beiden Seiten zugetextet:“ Guck mal, die Maria. Schau mal, das Jesulein! Schau mal, sieh mal, guck mal.“ Die Frage ist halt die, habe ich die katholische Kirche insofern geprellt, als dass ich für die kommenden Jahre, also quasi für den Rest meines Lebens, genug Kölner Dom getankt habe und deshalb nie den zukünftigen Eintritt bezahlen werde?

Als ich nach unendlich langer Zeit gefühlt als Touri die heilige Halle verließ, fiel mir wieder ein, wie oft ich mich über Touristen lustig gemacht habe. Wenn die von sich Selfies gemacht haben mit ihren Handys auf Selfiesticks. Ich war in einer derartigen Urlaubsstimmung, dass ich plötzlich auch das dringende Bedürfnis hatte, ein Selfie zu machen. Und ich will mich mal so ausdrücken. Es wäre ja noch schöner, wenn so ein Stick nicht seine Daseinsberechtigung hätte. Wozu dann kaufen? Hat er. Schau dir doch mal oben das Foto an. Du hast dich ja sicherlich schon gefragt, was das jetzt wieder soll. Jetzt weißt du es: der Versuch eines Selfies meinerseits mit Dom im Hintergrund.

Wie schon angekündigt, bis Ende Juni habe ich noch alle Zeit der Welt, umsonst (abgesehen von meiner katholischen Kirchensteuer) im Dom zu schlendern. Und vielleicht leihe ich mir auch mal einen Stick. Was ja aber noch Zeit hat, weil draußen vor den Toren, da gibt es ja noch kein Zeitfenster. Und übrigens, der Daumen soll so. 😊


Donnerstag, 9. April 2026

(Nur ja) kein Pling zuviel

Klar, mein neues Projekt liegt auf der Hand. Kannst du es dir denken? Tipp von mir für dich: Das Projekt läuft voraussichtlich bis Juni.

Jetzt aber erst einmal Neues von der SB-Kasse: Ich bin ehrlich, und sei du es doch gefälligst auch – zumindest zu dir! Ich sag nur Thema kriminelle Energie – ist bei mir so was von stark ausgeprägt, zumindest in Gedanken. Ich hab schon, da gab es die SB-Kassen noch gar nicht, mal daran gedacht, den Barcode mit einem schwarzen Fineliner zu ändern. Das Blöde war nur, ich hatte Sorge, dass am Ende der zusätzliche schwarze Strich erstens dem Kassierenden auffällt, von wegen krumm (du hast ja nicht immer ein Lineal zur Hand). Und zweitens der zusätzliche schwarze Strich an der falschen Stelle das Produkt teurer statt billiger machen würde. Deshalb hab ich’s dann gelassen. Und dann kamen die SB-Kassen. Da ertappte ich mich wieder bei dererlei Gedanken, zumal das Problem kassierendes Wesen ja nun wegfiel. Hast du vielleicht, ich frag für eine Freundin, hast du vielleicht eine Idee, wie solch Barcode funktioniert? So, ja, wusstest du schon! Hast dich die ganze Zeit kringelig gelacht ob so viel Blödheit meinerseits! Ich hab die KI gefragt, weil Selbige und ich, so was von close! Die sagt mir, dass die schwarzen Linien und weißen Abstände zusammen ein Muster bilden. Und dass dieses Muster Zahlen kodiert (z. B. die Produktnummer). Und dass ein Scanner im Laden das Muster mit einem Laser oder einer Kamera liest. Die gelesene Nummer wird dann im Kassensystem mit einer Produktdatenbank abgeglichen und dort steht dann der Preis. Das bedeutet also, der Barcode selbst enthält keinen Preis, sondern nur eine Identifikationsnummer für das Produkt. Ein Glück, dass ich da noch mal die KI gefragt habe. Wobei, im Endeffekt kommt es ja aufs Gleiche raus. Wenn ich da was mit dem Fineliner manipuliere und habe Pech. Dann liegt da jetzt nicht das Produkt „ein Glas Hühnerbrühe“, sondern „ein Webergrill“, der ein ganz klein wenig mehr kostet als ein Glas Hühnerbrühe.

Was ich auch noch interessant fand. Obwohl die KI und ich ja so was von dicke Freundinnen sind. Ich hatte die KI einfach mal so gefragt, ob sie mir Tipps geben könne hinsichtlich du weißt schon was. Darauf hat sie geantwortet: Zur Manipulation. Ich kann nicht dabei helfen, Barcodes zu manipulieren, um einen niedrigeren Preis an der Kasse zu bekommen. Das wäre Betrug bzw. Diebstahl und ist in vielen Ländern strafbar. Find ich total toll von ihr. Freundschaft hin, Loyalität her, aber da ist sie ganz bei sich geblieben, die KI.

Wo ich ja gerade wieder bei meinem Lieblingsthema SB-Kasse bin – und meinem, ich hab manchmal das Gefühl zu immer größerem, Hang zu kriminellem Verhalten. Was ich auch oft so denke, wenn ich am einscannen bin. Erstens mal ganz banal einfach ein Teil aus dem Einkaufswagen einfach mal zu vergessen. Aber auch zweitens: Weil neulich hielt ich den Karottensaft Richtung Scanner und es machte Pling. Konnte aber noch nicht mein Pling sein, weil noch zu weit weg vom Scanner. Da war das das Pling an der Nachbarskasse gewesen. Aber so was von laut, ich dachte wirklich, es wäre mein Pling. Oder aber, ich hatte sechs Tetra Paks Karottensaft gekauft (nur am Rande, mein Traummann meinte dann irgendwann: „Schatz, du musst nicht alle Tetra Paks einzeln über den Scanner halten. Es reicht, wenn du ein und denselben sechsmal darüber hältst.“). Ich hatte also sechs Tetra Paks Karottensaft im Einkaufswagen und war fest entschlossen nur fünfmal Pling machen zu lassen. Wenn mein Göttergatte nicht gesagt hätte, dass noch ein Pling fehlt. Weil der wusste ja in dem Moment nicht, dass ich mich justamente zu einer kriminellen Straftat entschlossen hatte. Und ich wollte ihn darüber auch nicht für die umliegenden Ortschaften hörbar aufklären. Aber genau, das ist mein Plan, dass ich drei Becher Buttermilch im Wagen habe, aber aus Versehen und meinem hohen Alter geschuldet nur zwei scanne. Weil, und da kommt mir jetzt so was von die Rechtsprechung entgegen. Hier, lies: Doch wie sieht die Rechtslage tatsächlich aus?

Laut Simon Götze, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin, gegenüber ZDFheute gilt: „Hat man ein Produkt unbeabsichtigt nicht gescannt, schuldet man dem Supermarkt aus zivilrechtlicher Sicht den Preis des Produktes oder man muss das Produkt zurückgeben.“

Für einen strafrechtlichen Vorwurf müsse ein Vorsatz vorliegen. Der Supermarkt brauche dafür einen konkreten Nachweis."  Hallo, und natürlich habe ich die Buttermilch unfreiwillig nicht gescannt! Was glaubst du denn?

Wo ich gerade beim Einkaufen bin. Da ist ja das Thema Bummeln auch nicht mehr weit. Aber doch jetzt nicht gerade bei deinem Lieblingsdiscounter, sagst du jetzt. Und ob, ich kann dort so was von gut bummeln. Wo es ja mittlerweile bei jedem Produkt zig Varianten gibt. Diese unermessliche Vielfalt und dann ich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz. Früher gab es gekochten und geräucherten Schinken. Heute, ich weiß nicht, wie viele verschiedene Schinkensorten. Früher hast du flüssigen oder streichzarten Honig gekauft. Heute kaufst du Manuka, wenn du nicht weißt, wohin mit deinem Geld. Wusste bis vor Kurzem noch nicht mal, was das ist. Ich weiß aber, was du mit Bummeln verbindest. Ich erzählte dir ja anfangs von meinem neuen Projekt. Und rate mal, wo das stattfindet. Richtig, in Köln. Und rate mal, was ich da mache? Genau, du ahnst es schon: Bummeln. Aber tatsächlich nicht zum Zwecke des Kaufens, des Geldausgebens, sondern zum Zwecke des genauen Gegenteils. Jetzt hast du es und kennst mich ja nun auch schon ein wenig. Ich werde mich da dermaßen was von verlustieren. Ich werde bummeln was das Zeug hält. Ich werde schlendern und flanieren. Mich zwischendurch immer mal wieder setzen. Die Blicke nach oben schweifen lassen, nach links und nach rechts. Ich werde Zeit vertrödeln und Zeit vergeuden – und das in verschwenderischer Manier. Ich werde mit der Zeit, den Minuten und Stunden nur so prassen. Und damit es auch jeder in seiner Sprache versteht. Ich werde dort herumhängen und gammeln.

Jetzt hast du es, oder? Jetzt weißt du, wo ich mich in den letzten Wochen herumgetrieben habe und bis Ende Juni herumtreiben werde – ohne zu bezahlen. Genau, im Kölner Dom! Denn ab Juni kostet der Eintritt – auch für mich als Kirchensteuer zahlende Katholikin!

Mittwoch, 11. März 2026

Kunterbuntes inklusive anteiliger Umsatzsteuer

Hast du dich das eigentlich auch schon mal gefragt, oder geht es nur mir so? Was ich mich schon öfters gefragt habe, aber erst mal der Reihe nach. Weil letztens habe ich nicht alles in die Tasten geklöppelt, was mir auf dem Herzen lag. Von wegen deine Konzentration. Nicht, dass dir am Ende meine Beiträge zu lang sind. Also Obacht, Nachtrag.

Was ich beim Thema SuB übrigens noch nicht für gelöst halte: Falls es doch mal so sein sollte, dass die Zeit es erübrigt, ein Buch von Selbigem zu lesen. Das Blöde ist ja, dass das oberste Buch des Stapels das Buch ist, das am kürzesten dort liegt. Das unterste Buch ist ja aber genau das Buch, was es am ehesten verdient hätte, den Stapel verlassen zu dürfen! Hast du da eine brauchbare Lösung? Anderes Thema, ich sprach doch von der überaus großen, wenngleich verpassten Chance, die Schulen auf Dauer für immer zu schließen. Du erinnerst dich? Schulfrei wegen Wetter?

Und in dem Zusammenhang wurde mir wieder so was von bewusst, dass ich wirklich alt bin. Weil ich mir immer öfter folgende Frage stelle: Wie haben wir das eigentlich früher gemacht? Ich habe als Schülerin in einem Eifeldorf gewohnt. Jeden Morgen wartete ich auf den Schulbus, der mich nach Mechernich bringen würde. Er kam aus Zingsheim in der Nordeifel, im Winter manchmal leicht verspätet, oftmals mit einer dicken Schneeschicht auf dem Dach. Da wusstest du, wie es in Zingsheim aussah. Hatte es bei uns, vier Kilometer bis Mechernich, moderat geschneit, bekam der ein oder andere in Zingsheim nicht die Haustür auf. Was ich sagen will, worauf es mir ankommt, ist die Feststellung: Der Schulbus kam immer! Jetzt gibt es ja heutzutage die Meinung, dass es richtig ist, wegen Glatteis und hast du nicht gesehen den Unterricht ausfallen zu lassen. Mit der Begründung, im Nachhinein wisse man es immer besser, aber wenn etwas passiert wäre … Meiner Meinung nach ein absolutes Totschlagargument, weil, ja, es wäre bestimmt etwas passiert – das Leben eben. 

Jetzt, wo ich so in die Tastatur am klöppeln bin, wo ich gerade noch meinen letzten Artikel abarbeite, sehe ich mich schreiben, höre ich mich sagen, dass ich ja nicht die Christine Westermann bin. Dass ich mir ja gefälligst nicht anmaßen darf, lauthals Bücher zu kritisieren. Nur weil ich selbst den ein oder anderen Buchstaben in die Tasten haue, heißt das ja noch lange nicht. Ich mache es aber trotzdem. Hier mein Buchtipp für dich: LICHTSPIEL von Daniel Kehlmann.    

So, alles abgearbeitet, jetzt ist der Kopf frei für neue Beklopptheiten meinerseits. Wobei, dachte ich dann, warum soll ich mir im Schweiße meines Angesichts neuen Stoff aus den Rippen leiern, wenn in meinem SCHAUFENSTER schon so viel Verrücktes steht. Neulich las es sich zum Beispiel folgendermaßen: Adenauerallee – Kurzzeiterhebung von 2,5 Monaten reicht nicht aus. ... Das Verwaltungsgericht Köln befand, dass die im Frühjahr 2024 über 2,5 Monate gesammelten Daten für eine endgültige Entscheidung zur neuen Verkehrsführung nicht ausreichen. Eine erneute, längerfristige Datenerhebung im Rahmen des aktuellen zwölfmonatigen Versuchs sei daher gerechtfertigt. Seit September 2025 testet Bonn die aktuelle Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit. Zwischen Koblenzer Tor und Bundeskanzlerplatz gibt es jeweils eine Fahrspur für Kfz und Radverkehr. Im November 2025 wurde die Stadtverwaltung beauftragt zu prüfen, ob auf der Adenauerallee zwei Fahrspuren pro Richtung inklusive rechtlich sicherer Radführung möglich sind. Ich sag ja, ich bin alt. Waren das nicht über Jahrzehnte hinweg zwei Fahrspuren pro Richtung? Ich hätte jetzt Stein und Bein geschworen, dass die früher vierspurig war. Warum nun eine Prüfung? Oder wechselt die Anzahl der Fahrspuren jetzt je nach Partei, die den Bürgermeister stellt?

Wo ich gerade bei meinem SCHAUFENSTER bin. Noch ein feiner kleiner Artikel unter den Lettern „Mehr Geld für die Beethovenhalle“: Für das laufende Jahr werden überplanmäßig investive Mittel in Höhe von rund sechs Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (zum Ersten) bereitgestellt. Hintergrund ist, dass frühere Prognosen zu möglichen Minderkosten (da würde mich wirklich mal interessieren, von welchen man da jemals ausgegangen ist) nicht eingetreten sind und im weiteren Bauverlauf zusätzliche, für die Fertigstellung zwingend notwendige Leistungen erbracht werden mussten. Unter anderem haben ergänzende Maßnahmen in den Bereichen Akustik und Bühnentechnik sowie der Aufwand für die archäologische Begleitung den Finanzbedarf erhöht. Bislang lag das Gesamtbudget für das Bauprojekt bei 221 Millionen Euro netto beziehungsweise 224 Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (zum Zweiten). Mit der beschlossenen Bereitstellung zusätzlicher Mittel steigt das Gesamtbudget des Projekts auf etwa 230,3 Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (und zum Dritten). Was soll ich sagen. 230 Millionen hätte ich ja noch verkraftet, aber 230,3 – geht gar nicht!

Und zum Schluss „Neues an der SB-Kasse“: Ich alles fein eingegeben, alles korrekt Pling gemacht, drücke auf „Zahlen“, da erscheint im Display „Alterskontrolle. Informieren Sie die Kassiererin“. Ich schaue auf meine Waren (2 kg Möhren, 2 Dosen gehackte Tomaten …) und warte gespannt auf die Kassiererin, die ihre Kasse verlassen muss, um mich zu verarzten. Und siehe da, ja, ich hatte auch eine Packung Trüffelpralinen gekauft. Und weil die ja Alkohol enthalten, wollte das Programm sicherstellen, dass ich alt genug bin. Was für ein Wahnsinn! Hätte ich nie dran gedacht, wenn ich dieses Programm hätte programmieren sollen, an Trüffelpralinen. Aber wenn ich dran gedacht hätte, hätte ich unterschieden zwischen Trüffelpralinen mit und ohne Alkohol. (Weil, meine Pralinen waren ohne Alkohol!) Was diese Programme angeht, da ist noch viel Luft nach oben!

Ach ja, mich würde wirklich mal interessieren, wie viele Stunden meines Lebens ich mit dem Ausdrücken von Tuben verbracht habe. Du weißt, was ich meine? Weil, bei mir müssen die auch wirklich vollständig leer sein. Und da kommt ja immer noch was nach. Egal ob Senf, Tomatenmark oder Creme.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Nicht Pulitzer, sondern Baumann!

 

Und, weißt du jetzt, was „Shelfies“ sind und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr bergeweise zugeschickt werden? Vergiss es, du hast dir natürlich nicht die Mühe gemacht und den Link in meinem letzten Artikel durchgelesen. Hast du dir wenigstens die beiden Bezeichnungen gemerkt? Okay, nein, also deshalb noch mal exklusiv für dich: SuB und Tsundoku. Ich komm deshalb drauf, weil ich gerade einen Roman tapfer bis zum Ende gelesen habe. Und wenn ich jetzt die Christine Westermann wäre und die Menschen auf mein fachfräuliches Urteil hören würden. Ich sag nur Bücherstapel. Das würde mich so was von interessieren, wie viele Menschen dieses Buch zu Ende gelesen haben und es durchgängig gut fanden. Und wie viele Menschen dieses Buch auf ihrem Tsundoku liegen haben. Diese 619 Seiten (!) mit dem Titel „Die Unbehausten“, hartkartoniert von der Barbara Kingsolver. Ich sag nur mutig, mutig, so viele Seiten.

Aber, wie gesagt, ich bin ja keine Fachfrau in Sachen Buchkritik. Aber gut, Spiegel- Bestsellerautorin und Pulitzer-Preis und hast du nicht gesehen. Ich habe übrigens noch ein Buch von der Barbara bekommen. Und da bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sich da die BookTokerinnen mit ihren Followerinnen einen Schabernack erlaubt haben – von wegen Buchempfehlung. Von wegen einfach mal einen Scheiß empfehlen und schauen, wer so blöde ist und drauf reinfällt.

Was aber ja im Hinblick auf die Barbara nicht sein kann, weil immerhin ist die ja Pulitzer- Preisträgerin. Was aber das Praktische ist, das zweite Buch hat sogar 858 Seiten und ist auch hartkartoniert. Praktisch deshalb, weil, schau: Irgendwann ragt der SuB ja so was von in die Höhe, dass du ohne Leiter nicht mehr oben dran kommst. Wie du aber ja weißt, ist meine Stehleiter meistens auf meiner Verkehrsinsel in Gebrauch. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich die einfach mit einem Schloss an der Ampel ankette, damit ich die nicht immer hin und her schleppen muss. Die Leiter ist jedenfalls keine Option für meinen Bücherstapel. Auch optisch wäre ich damit nicht wirklich zufrieden. Da dachte ich mir, gestalte ich doch einfach eine Leiter aus hartkartonierten Büchern, die im günstigsten Fall recht dick sind. Und da bin jetzt wieder der Barbara so was von dankbar, dass die mir schon mal zwei tolle Exemplare zur Verfügung stellt.

Apropos Pulitzer-Preis. Hallo, ich habe auch einen Preis für meine literarischen Ergüsse bekommen! Ja, ich bin jetzt auch Preisträgerin! Wenn es dich interessiert, also nicht nur, um sich bei mir lieb Kind zu machen. Nicht, dass du aber nachher sagst, ja wenn ich das gewusst hätte, Fahrradkette. Im Moment gehe ich viral so was von durch die Decke. Ich glaub, man sagt das so nicht. Egal, weil anders kann und will ich es nicht formulieren. So was von einem Durchbruch, den ich da erzielt habe! Wie gesagt, wenn du unbedingt willst, ich dränge mich dir nicht auf, schau dir mal den Artikel hier auf Musenblätter an. Du hast natürlich jetzt ein Problem von wegen Neid und so, dein Problem. Das Adjektiv stolz habe ich jetzt noch mal vollkommen neu definieren können.

Ich habe natürlich jetzt auch eine ganz andere Durchschlagskraft, wenn ich auf der Brücke nach Tannenbusch neben den Altpapier-Containern nachts in meinem Zelt campiere. Du erinnerst dich? Nachts mit den lieben Mitmenschen ins Gespräch kommen, die dort neben die Container eine Schrankwand oder einen gigantischen lila Plüsch-Katzenbaum abladen? Jetzt, wo ich so was von bekannt im Internet bin, ist das womöglich ein guter Einstieg, wenn ich die Menschen erst einmal frage, ob sie mit mir ein Selfie machen wollen. Ob sie sich quasi ganz unverbindlich ein wenig in meinem Ruhm suhlen wollen. Mit diesem Opener habe ich garantiert die Sympathien auf meiner Seite.

Wo ich aber ja gerade bei Büchern war. Da wo Bücher sind, ist ja auch manchmal die Bildung nicht weit. Ich komm deshalb drauf, weil kürzlich wieder die Nordbrücke in meinem SCHAUFENSTER Thema war: „Schonfrist für Schulbusse“ hieß es da. Ab Montag, dem 9. Februar, werde die Brücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen gesperrt. Eine zeitlich befristete Ausnahme gelte jedoch für Schulbusse. Was ich so was von nicht verstehe. Wir waren doch schon auf so einem guten Weg! Während Corona waren die Schulen entweder geschlossen (und komm mir nicht mit TEAMS und Co.!) oder die Eltern haben selbst entschieden, ob sie den kleinen Peter aus der Schule nehmen, damit er dem Opa auf seinem 80igsten Geburtstag nicht Corona aus der Schule mitbringt. Jetzt gerade im Winter hätte es sich doch so was von angeboten. Entweder Wetter oder Streik der Lehrer oder die Heizung ist im Schulgebäude kaputt. Und überhaupt ist es morgens so dunkel. Ich hab schon damals gesagt, wenn die Schulen für immer geschlossen geblieben wären, es wäre fast keinem aufgefallen. Und jetzt, hallo, die ultimative Chance, endlich ganz auszusteigen aus dem Thema Bildung: Es fahren keine Schulbusse mehr über die Nordbrücke. Super! Die Ursulinenschule in Hersel und das Collegium Josephinum Bonn hätten da federführend sein können. Erst sind die Schulen von der anderen Rheinseite nicht mehr zu erreichen. Dann kommen nur noch die linksrheinischen Schüler. Lohnt sich dafür aber bitteschön Heizung? Natürlich nicht! Und irgendwann kapiert es auch der letzte Streber, wenn er vor der geschlossenen Schule steht.

Natürlich muss man das Thema Bildung für die paar wenigen Schüler, die gerne gelernt haben, langsam ausschleichen. In der Vergangenheit wurde Bildung aber einfach überschätzt. Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gewesen, Stellung zu beziehen. Dass Schüler Schulen erreichen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.