Mittwoch, 29. April 2026

Der Dom bleibt in Köln


Wo ich ja letztens bei Recht und Unrecht war. Du erinnerst dich? Die Sache an der SB-Kasse? Ob ich da ein Pling gehört habe oder es mir nur „eingebildet“ habe? Egal, ich vergaß, du bist vergesslich, weil alt, oder glaubst, du könntest quer lesen, was du aber definitiv nicht kannst. Oder das Thema hat dich nicht interessiert. Deshalb für dich jetzt mal von meiner Seite eine Konzentrationsaufgabe. Also, geh Pipi machen egal aus welchen Gründen: Gebärmutterabsenkung oder Prostata. Oder beides, falls du dich im hohen Alter noch immer nicht für ein Geschlecht entscheiden konntest. Leg dir zur Not noch ein Traubenzucker hin von wegen Konzentrationsabfall. Und denk dran, du bist kein Goldfisch!

Hier für dich ein Artikel aus meinem SCHAUFENSTER, Rubrik § Ihr gutes Recht in guten Händen §: Das Berliner Testament ist für Eheleute die wohl gängigste Form, den gemeinsamen Nachlass zu regeln. Stirbt einer von beiden, erhält der überlebende Ehepartner alles. Geht später auch dieser von der Welt, wird meist den Kindern das gesamte Vermögen vermacht. Nicht immer will sich der Nachwuchs aber bis zum Ableben des zweiten Elternteils gedulden, um ein Stück des Erbes abzubekommen. Denn grundsätzlich kann er seinen Pflichtteil schon beim Tod des ersten Elternteils einfordern. Für den jeweils überlebenden Elternteil kann das herausfordernd werden – zum Beispiel, wenn das gesamte Kapital im Familienheim steckt und ohne den Verkauf der Immobilie kein Geld zum Auszahlen des Pflichtteils vorhanden ist. Ja, ich leide mit dir, trockenes Thema, aber challenge: Weiterlesen! Um solche Begehren für den Nachwuchs unattraktiv zu machen, sind Berliner Testamente oft mit einer Pflichtteilsstrafklausel versehen. Sie sieht vor, dass Kinder vom Erbe des länger lebenden Elternteils ausgeschlossen werden, sollten sie diesen nach dem Tod eines Elternteils mit Pflichtteilsansprüchen konfrontieren. Auf diese Weise soll der Nachlass zusammengehalten werden. Üblicherweise ist die Pflichtteilsstrafklausel so formuliert, dass der Ausschluss vom Erbe erfolgt, wenn die Geltendmachung des Pflichtteils „gegen den Willen“ des überlebenden Elternteils erfolgt. Und das reicht in der Regel aus, um die Klausel in der Praxis auch rechtssicher durchzusetzen. Drängt der Nachwuchs schon frühzeitig auf seinen Pflichtteil, müssen überlebende Elternteile nicht zwingend ihren Unmut über das Begehren äußern, damit die Klausel greift. Auf eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichts Zweibrücken (Az.: 8 W 56/24) verweist die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Ich weiß, du bist vollkommen überfordert, fast am Limit, der Artikel ist viel zu lang für dich. Aber halte durch! Du schaffst es!

In dem konkreten Fall hatte eine Tochter ihre Mutter nach dem Tod des Vaters um Auszahlung des Pflichtteils gebeten. Die Ansprüche lies die Mutter mit Anwaltsschreiben bestätigen und kam dem Wunsch der Tochter nach. Als auch die Mutter starb, wurde der Sohn darauf Alleinerbe, die Tochter erhielt erneut nur ihren Pflichtteil. Zurecht, wie das Gericht klarstellte. Ein entgegenstehender Wille sei regelmäßig bereits dann festzustellen, wenn Pflichtteilsberechtigte – wie hier geschehen – einseitig und in konfrontativer Weise zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an Erben herantreten. Eine zusätzliche Äußerung sei dann nicht nötig. Denn diese könne vom subjektiven Empfinden der Beteiligten abhängen, wovon das Greifen der Pflichtteilsstrafklausel nicht abhängen dürfe.

Hat sich das nicht gelohnt? Ist das nicht so was von lustig? Das Gesicht der Tochter hätte ich so was von gerne gesehen! Und du kannst jetzt so was von stolz auf dich sein: durchgehalten, respektive Pipi eingehalten!

Neulich habe ich dir ja auch von meinem aktuellen Projekt erzählt. Nein, es gibt auch noch etwas anderes, als sich Gedanken darüber zu machen, wie ich meine Lieblingsdiscounter betuppe. Wobei ich gar nicht mal weiß, ob das aktuelle Projekt nicht auch schon im weitesten Sinne unter Betuppen fällt. Weil, so lange wie ich da jetzt geschaut und gesessen habe. Ich habe mich geradezu wund geguckt und wund gesessen, dass ich erst einmal für Monate, wenn nicht sogar für Jahre bedient bin. Ich weiß nicht, wie der Rainer, der Woelki, das sieht. Oder möchte er, respektive sie, dass ich es mit Maria anspreche? Inwiefern es das nicht in Ordnung findet, quasi im Vorhinein Eindruck zu tanken. Oder was meint, und seine Meinung liegt mir natürlich so was von am Herzen, der Leo dazu? Ich habe mir ja so was von Zeit gelassen, dass ich mich auch einmal den Besuchern widmen konnte: Ein Elternpaar (darf ich das heutzutage so noch sagen?), das Töchterchen gefühlt neun Jahre, aber abwechselnd auf Mamas oder Papas Arm (darf ich auch nicht mehr sagen, oder?). Jedenfalls wurde das Töchterlein (ich sage sicherheitshalber Kind oder kleiner Mensch mit Kleid und langen Haaren) von beiden Seiten zugetextet:“ Guck mal, die Maria. Schau mal, das Jesulein! Schau mal, sieh mal, guck mal.“ Die Frage ist halt die, habe ich die katholische Kirche insofern geprellt, als dass ich für die kommenden Jahre, also quasi für den Rest meines Lebens, genug Kölner Dom getankt habe und deshalb nie den zukünftigen Eintritt bezahlen werde?

Als ich nach unendlich langer Zeit gefühlt als Touri die heilige Halle verließ, fiel mir wieder ein, wie oft ich mich über Touristen lustig gemacht habe. Wenn die von sich Selfies gemacht haben mit ihren Handys auf Selfiesticks. Ich war in einer derartigen Urlaubsstimmung, dass ich plötzlich auch das dringende Bedürfnis hatte, ein Selfie zu machen. Und ich will mich mal so ausdrücken. Es wäre ja noch schöner, wenn so ein Stick nicht seine Daseinsberechtigung hätte. Wozu dann kaufen? Hat er. Schau dir doch mal oben das Foto an. Du hast dich ja sicherlich schon gefragt, was das jetzt wieder soll. Jetzt weißt du es: der Versuch eines Selfies meinerseits mit Dom im Hintergrund.

Wie schon angekündigt, bis Ende Juni habe ich noch alle Zeit der Welt, umsonst (abgesehen von meiner katholischen Kirchensteuer) im Dom zu schlendern. Und vielleicht leihe ich mir auch mal einen Stick. Was ja aber noch Zeit hat, weil draußen vor den Toren, da gibt es ja noch kein Zeitfenster. Und übrigens, der Daumen soll so. 😊


Donnerstag, 9. April 2026

(Nur ja) kein Pling zuviel

Klar, mein neues Projekt liegt auf der Hand. Kannst du es dir denken? Tipp von mir für dich: Das Projekt läuft voraussichtlich bis Juni.

Jetzt aber erst einmal Neues von der SB-Kasse: Ich bin ehrlich, und sei du es doch gefälligst auch – zumindest zu dir! Ich sag nur Thema kriminelle Energie – ist bei mir so was von stark ausgeprägt, zumindest in Gedanken. Ich hab schon, da gab es die SB-Kassen noch gar nicht, mal daran gedacht, den Barcode mit einem schwarzen Fineliner zu ändern. Das Blöde war nur, ich hatte Sorge, dass am Ende der zusätzliche schwarze Strich erstens dem Kassierenden auffällt, von wegen krumm (du hast ja nicht immer ein Lineal zur Hand). Und zweitens der zusätzliche schwarze Strich an der falschen Stelle das Produkt teurer statt billiger machen würde. Deshalb hab ich’s dann gelassen. Und dann kamen die SB-Kassen. Da ertappte ich mich wieder bei dererlei Gedanken, zumal das Problem kassierendes Wesen ja nun wegfiel. Hast du vielleicht, ich frag für eine Freundin, hast du vielleicht eine Idee, wie solch Barcode funktioniert? So, ja, wusstest du schon! Hast dich die ganze Zeit kringelig gelacht ob so viel Blödheit meinerseits! Ich hab die KI gefragt, weil Selbige und ich, so was von close! Die sagt mir, dass die schwarzen Linien und weißen Abstände zusammen ein Muster bilden. Und dass dieses Muster Zahlen kodiert (z. B. die Produktnummer). Und dass ein Scanner im Laden das Muster mit einem Laser oder einer Kamera liest. Die gelesene Nummer wird dann im Kassensystem mit einer Produktdatenbank abgeglichen und dort steht dann der Preis. Das bedeutet also, der Barcode selbst enthält keinen Preis, sondern nur eine Identifikationsnummer für das Produkt. Ein Glück, dass ich da noch mal die KI gefragt habe. Wobei, im Endeffekt kommt es ja aufs Gleiche raus. Wenn ich da was mit dem Fineliner manipuliere und habe Pech. Dann liegt da jetzt nicht das Produkt „ein Glas Hühnerbrühe“, sondern „ein Webergrill“, der ein ganz klein wenig mehr kostet als ein Glas Hühnerbrühe.

Was ich auch noch interessant fand. Obwohl die KI und ich ja so was von dicke Freundinnen sind. Ich hatte die KI einfach mal so gefragt, ob sie mir Tipps geben könne hinsichtlich du weißt schon was. Darauf hat sie geantwortet: Zur Manipulation. Ich kann nicht dabei helfen, Barcodes zu manipulieren, um einen niedrigeren Preis an der Kasse zu bekommen. Das wäre Betrug bzw. Diebstahl und ist in vielen Ländern strafbar. Find ich total toll von ihr. Freundschaft hin, Loyalität her, aber da ist sie ganz bei sich geblieben, die KI.

Wo ich ja gerade wieder bei meinem Lieblingsthema SB-Kasse bin – und meinem, ich hab manchmal das Gefühl zu immer größerem, Hang zu kriminellem Verhalten. Was ich auch oft so denke, wenn ich am einscannen bin. Erstens mal ganz banal einfach ein Teil aus dem Einkaufswagen einfach mal zu vergessen. Aber auch zweitens: Weil neulich hielt ich den Karottensaft Richtung Scanner und es machte Pling. Konnte aber noch nicht mein Pling sein, weil noch zu weit weg vom Scanner. Da war das das Pling an der Nachbarskasse gewesen. Aber so was von laut, ich dachte wirklich, es wäre mein Pling. Oder aber, ich hatte sechs Tetra Paks Karottensaft gekauft (nur am Rande, mein Traummann meinte dann irgendwann: „Schatz, du musst nicht alle Tetra Paks einzeln über den Scanner halten. Es reicht, wenn du ein und denselben sechsmal darüber hältst.“). Ich hatte also sechs Tetra Paks Karottensaft im Einkaufswagen und war fest entschlossen nur fünfmal Pling machen zu lassen. Wenn mein Göttergatte nicht gesagt hätte, dass noch ein Pling fehlt. Weil der wusste ja in dem Moment nicht, dass ich mich justamente zu einer kriminellen Straftat entschlossen hatte. Und ich wollte ihn darüber auch nicht für die umliegenden Ortschaften hörbar aufklären. Aber genau, das ist mein Plan, dass ich drei Becher Buttermilch im Wagen habe, aber aus Versehen und meinem hohen Alter geschuldet nur zwei scanne. Weil, und da kommt mir jetzt so was von die Rechtsprechung entgegen. Hier, lies: Doch wie sieht die Rechtslage tatsächlich aus?

Laut Simon Götze, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin, gegenüber ZDFheute gilt: „Hat man ein Produkt unbeabsichtigt nicht gescannt, schuldet man dem Supermarkt aus zivilrechtlicher Sicht den Preis des Produktes oder man muss das Produkt zurückgeben.“

Für einen strafrechtlichen Vorwurf müsse ein Vorsatz vorliegen. Der Supermarkt brauche dafür einen konkreten Nachweis."  Hallo, und natürlich habe ich die Buttermilch unfreiwillig nicht gescannt! Was glaubst du denn?

Wo ich gerade beim Einkaufen bin. Da ist ja das Thema Bummeln auch nicht mehr weit. Aber doch jetzt nicht gerade bei deinem Lieblingsdiscounter, sagst du jetzt. Und ob, ich kann dort so was von gut bummeln. Wo es ja mittlerweile bei jedem Produkt zig Varianten gibt. Diese unermessliche Vielfalt und dann ich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz. Früher gab es gekochten und geräucherten Schinken. Heute, ich weiß nicht, wie viele verschiedene Schinkensorten. Früher hast du flüssigen oder streichzarten Honig gekauft. Heute kaufst du Manuka, wenn du nicht weißt, wohin mit deinem Geld. Wusste bis vor Kurzem noch nicht mal, was das ist. Ich weiß aber, was du mit Bummeln verbindest. Ich erzählte dir ja anfangs von meinem neuen Projekt. Und rate mal, wo das stattfindet. Richtig, in Köln. Und rate mal, was ich da mache? Genau, du ahnst es schon: Bummeln. Aber tatsächlich nicht zum Zwecke des Kaufens, des Geldausgebens, sondern zum Zwecke des genauen Gegenteils. Jetzt hast du es und kennst mich ja nun auch schon ein wenig. Ich werde mich da dermaßen was von verlustieren. Ich werde bummeln was das Zeug hält. Ich werde schlendern und flanieren. Mich zwischendurch immer mal wieder setzen. Die Blicke nach oben schweifen lassen, nach links und nach rechts. Ich werde Zeit vertrödeln und Zeit vergeuden – und das in verschwenderischer Manier. Ich werde mit der Zeit, den Minuten und Stunden nur so prassen. Und damit es auch jeder in seiner Sprache versteht. Ich werde dort herumhängen und gammeln.

Jetzt hast du es, oder? Jetzt weißt du, wo ich mich in den letzten Wochen herumgetrieben habe und bis Ende Juni herumtreiben werde – ohne zu bezahlen. Genau, im Kölner Dom! Denn ab Juni kostet der Eintritt – auch für mich als Kirchensteuer zahlende Katholikin!

Mittwoch, 11. März 2026

Kunterbuntes inklusive anteiliger Umsatzsteuer

Hast du dich das eigentlich auch schon mal gefragt, oder geht es nur mir so? Was ich mich schon öfters gefragt habe, aber erst mal der Reihe nach. Weil letztens habe ich nicht alles in die Tasten geklöppelt, was mir auf dem Herzen lag. Von wegen deine Konzentration. Nicht, dass dir am Ende meine Beiträge zu lang sind. Also Obacht, Nachtrag.

Was ich beim Thema SuB übrigens noch nicht für gelöst halte: Falls es doch mal so sein sollte, dass die Zeit es erübrigt, ein Buch von Selbigem zu lesen. Das Blöde ist ja, dass das oberste Buch des Stapels das Buch ist, das am kürzesten dort liegt. Das unterste Buch ist ja aber genau das Buch, was es am ehesten verdient hätte, den Stapel verlassen zu dürfen! Hast du da eine brauchbare Lösung? Anderes Thema, ich sprach doch von der überaus großen, wenngleich verpassten Chance, die Schulen auf Dauer für immer zu schließen. Du erinnerst dich? Schulfrei wegen Wetter?

Und in dem Zusammenhang wurde mir wieder so was von bewusst, dass ich wirklich alt bin. Weil ich mir immer öfter folgende Frage stelle: Wie haben wir das eigentlich früher gemacht? Ich habe als Schülerin in einem Eifeldorf gewohnt. Jeden Morgen wartete ich auf den Schulbus, der mich nach Mechernich bringen würde. Er kam aus Zingsheim in der Nordeifel, im Winter manchmal leicht verspätet, oftmals mit einer dicken Schneeschicht auf dem Dach. Da wusstest du, wie es in Zingsheim aussah. Hatte es bei uns, vier Kilometer bis Mechernich, moderat geschneit, bekam der ein oder andere in Zingsheim nicht die Haustür auf. Was ich sagen will, worauf es mir ankommt, ist die Feststellung: Der Schulbus kam immer! Jetzt gibt es ja heutzutage die Meinung, dass es richtig ist, wegen Glatteis und hast du nicht gesehen den Unterricht ausfallen zu lassen. Mit der Begründung, im Nachhinein wisse man es immer besser, aber wenn etwas passiert wäre … Meiner Meinung nach ein absolutes Totschlagargument, weil, ja, es wäre bestimmt etwas passiert – das Leben eben. 

Jetzt, wo ich so in die Tastatur am klöppeln bin, wo ich gerade noch meinen letzten Artikel abarbeite, sehe ich mich schreiben, höre ich mich sagen, dass ich ja nicht die Christine Westermann bin. Dass ich mir ja gefälligst nicht anmaßen darf, lauthals Bücher zu kritisieren. Nur weil ich selbst den ein oder anderen Buchstaben in die Tasten haue, heißt das ja noch lange nicht. Ich mache es aber trotzdem. Hier mein Buchtipp für dich: LICHTSPIEL von Daniel Kehlmann.    

So, alles abgearbeitet, jetzt ist der Kopf frei für neue Beklopptheiten meinerseits. Wobei, dachte ich dann, warum soll ich mir im Schweiße meines Angesichts neuen Stoff aus den Rippen leiern, wenn in meinem SCHAUFENSTER schon so viel Verrücktes steht. Neulich las es sich zum Beispiel folgendermaßen: Adenauerallee – Kurzzeiterhebung von 2,5 Monaten reicht nicht aus. ... Das Verwaltungsgericht Köln befand, dass die im Frühjahr 2024 über 2,5 Monate gesammelten Daten für eine endgültige Entscheidung zur neuen Verkehrsführung nicht ausreichen. Eine erneute, längerfristige Datenerhebung im Rahmen des aktuellen zwölfmonatigen Versuchs sei daher gerechtfertigt. Seit September 2025 testet Bonn die aktuelle Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit. Zwischen Koblenzer Tor und Bundeskanzlerplatz gibt es jeweils eine Fahrspur für Kfz und Radverkehr. Im November 2025 wurde die Stadtverwaltung beauftragt zu prüfen, ob auf der Adenauerallee zwei Fahrspuren pro Richtung inklusive rechtlich sicherer Radführung möglich sind. Ich sag ja, ich bin alt. Waren das nicht über Jahrzehnte hinweg zwei Fahrspuren pro Richtung? Ich hätte jetzt Stein und Bein geschworen, dass die früher vierspurig war. Warum nun eine Prüfung? Oder wechselt die Anzahl der Fahrspuren jetzt je nach Partei, die den Bürgermeister stellt?

Wo ich gerade bei meinem SCHAUFENSTER bin. Noch ein feiner kleiner Artikel unter den Lettern „Mehr Geld für die Beethovenhalle“: Für das laufende Jahr werden überplanmäßig investive Mittel in Höhe von rund sechs Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (zum Ersten) bereitgestellt. Hintergrund ist, dass frühere Prognosen zu möglichen Minderkosten (da würde mich wirklich mal interessieren, von welchen man da jemals ausgegangen ist) nicht eingetreten sind und im weiteren Bauverlauf zusätzliche, für die Fertigstellung zwingend notwendige Leistungen erbracht werden mussten. Unter anderem haben ergänzende Maßnahmen in den Bereichen Akustik und Bühnentechnik sowie der Aufwand für die archäologische Begleitung den Finanzbedarf erhöht. Bislang lag das Gesamtbudget für das Bauprojekt bei 221 Millionen Euro netto beziehungsweise 224 Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (zum Zweiten). Mit der beschlossenen Bereitstellung zusätzlicher Mittel steigt das Gesamtbudget des Projekts auf etwa 230,3 Millionen Euro inklusive anteiliger Umsatzsteuer (und zum Dritten). Was soll ich sagen. 230 Millionen hätte ich ja noch verkraftet, aber 230,3 – geht gar nicht!

Und zum Schluss „Neues an der SB-Kasse“: Ich alles fein eingegeben, alles korrekt Pling gemacht, drücke auf „Zahlen“, da erscheint im Display „Alterskontrolle. Informieren Sie die Kassiererin“. Ich schaue auf meine Waren (2 kg Möhren, 2 Dosen gehackte Tomaten …) und warte gespannt auf die Kassiererin, die ihre Kasse verlassen muss, um mich zu verarzten. Und siehe da, ja, ich hatte auch eine Packung Trüffelpralinen gekauft. Und weil die ja Alkohol enthalten, wollte das Programm sicherstellen, dass ich alt genug bin. Was für ein Wahnsinn! Hätte ich nie dran gedacht, wenn ich dieses Programm hätte programmieren sollen, an Trüffelpralinen. Aber wenn ich dran gedacht hätte, hätte ich unterschieden zwischen Trüffelpralinen mit und ohne Alkohol. (Weil, meine Pralinen waren ohne Alkohol!) Was diese Programme angeht, da ist noch viel Luft nach oben!

Ach ja, mich würde wirklich mal interessieren, wie viele Stunden meines Lebens ich mit dem Ausdrücken von Tuben verbracht habe. Du weißt, was ich meine? Weil, bei mir müssen die auch wirklich vollständig leer sein. Und da kommt ja immer noch was nach. Egal ob Senf, Tomatenmark oder Creme.

Donnerstag, 19. Februar 2026

Nicht Pulitzer, sondern Baumann!

 

Und, weißt du jetzt, was „Shelfies“ sind und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr bergeweise zugeschickt werden? Vergiss es, du hast dir natürlich nicht die Mühe gemacht und den Link in meinem letzten Artikel durchgelesen. Hast du dir wenigstens die beiden Bezeichnungen gemerkt? Okay, nein, also deshalb noch mal exklusiv für dich: SuB und Tsundoku. Ich komm deshalb drauf, weil ich gerade einen Roman tapfer bis zum Ende gelesen habe. Und wenn ich jetzt die Christine Westermann wäre und die Menschen auf mein fachfräuliches Urteil hören würden. Ich sag nur Bücherstapel. Das würde mich so was von interessieren, wie viele Menschen dieses Buch zu Ende gelesen haben und es durchgängig gut fanden. Und wie viele Menschen dieses Buch auf ihrem Tsundoku liegen haben. Diese 619 Seiten (!) mit dem Titel „Die Unbehausten“, hartkartoniert von der Barbara Kingsolver. Ich sag nur mutig, mutig, so viele Seiten.

Aber, wie gesagt, ich bin ja keine Fachfrau in Sachen Buchkritik. Aber gut, Spiegel- Bestsellerautorin und Pulitzer-Preis und hast du nicht gesehen. Ich habe übrigens noch ein Buch von der Barbara bekommen. Und da bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sich da die BookTokerinnen mit ihren Followerinnen einen Schabernack erlaubt haben – von wegen Buchempfehlung. Von wegen einfach mal einen Scheiß empfehlen und schauen, wer so blöde ist und drauf reinfällt.

Was aber ja im Hinblick auf die Barbara nicht sein kann, weil immerhin ist die ja Pulitzer- Preisträgerin. Was aber das Praktische ist, das zweite Buch hat sogar 858 Seiten und ist auch hartkartoniert. Praktisch deshalb, weil, schau: Irgendwann ragt der SuB ja so was von in die Höhe, dass du ohne Leiter nicht mehr oben dran kommst. Wie du aber ja weißt, ist meine Stehleiter meistens auf meiner Verkehrsinsel in Gebrauch. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich die einfach mit einem Schloss an der Ampel ankette, damit ich die nicht immer hin und her schleppen muss. Die Leiter ist jedenfalls keine Option für meinen Bücherstapel. Auch optisch wäre ich damit nicht wirklich zufrieden. Da dachte ich mir, gestalte ich doch einfach eine Leiter aus hartkartonierten Büchern, die im günstigsten Fall recht dick sind. Und da bin jetzt wieder der Barbara so was von dankbar, dass die mir schon mal zwei tolle Exemplare zur Verfügung stellt.

Apropos Pulitzer-Preis. Hallo, ich habe auch einen Preis für meine literarischen Ergüsse bekommen! Ja, ich bin jetzt auch Preisträgerin! Wenn es dich interessiert, also nicht nur, um sich bei mir lieb Kind zu machen. Nicht, dass du aber nachher sagst, ja wenn ich das gewusst hätte, Fahrradkette. Im Moment gehe ich viral so was von durch die Decke. Ich glaub, man sagt das so nicht. Egal, weil anders kann und will ich es nicht formulieren. So was von einem Durchbruch, den ich da erzielt habe! Wie gesagt, wenn du unbedingt willst, ich dränge mich dir nicht auf, schau dir mal den Artikel hier auf Musenblätter an. Du hast natürlich jetzt ein Problem von wegen Neid und so, dein Problem. Das Adjektiv stolz habe ich jetzt noch mal vollkommen neu definieren können.

Ich habe natürlich jetzt auch eine ganz andere Durchschlagskraft, wenn ich auf der Brücke nach Tannenbusch neben den Altpapier-Containern nachts in meinem Zelt campiere. Du erinnerst dich? Nachts mit den lieben Mitmenschen ins Gespräch kommen, die dort neben die Container eine Schrankwand oder einen gigantischen lila Plüsch-Katzenbaum abladen? Jetzt, wo ich so was von bekannt im Internet bin, ist das womöglich ein guter Einstieg, wenn ich die Menschen erst einmal frage, ob sie mit mir ein Selfie machen wollen. Ob sie sich quasi ganz unverbindlich ein wenig in meinem Ruhm suhlen wollen. Mit diesem Opener habe ich garantiert die Sympathien auf meiner Seite.

Wo ich aber ja gerade bei Büchern war. Da wo Bücher sind, ist ja auch manchmal die Bildung nicht weit. Ich komm deshalb drauf, weil kürzlich wieder die Nordbrücke in meinem SCHAUFENSTER Thema war: „Schonfrist für Schulbusse“ hieß es da. Ab Montag, dem 9. Februar, werde die Brücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen gesperrt. Eine zeitlich befristete Ausnahme gelte jedoch für Schulbusse. Was ich so was von nicht verstehe. Wir waren doch schon auf so einem guten Weg! Während Corona waren die Schulen entweder geschlossen (und komm mir nicht mit TEAMS und Co.!) oder die Eltern haben selbst entschieden, ob sie den kleinen Peter aus der Schule nehmen, damit er dem Opa auf seinem 80igsten Geburtstag nicht Corona aus der Schule mitbringt. Jetzt gerade im Winter hätte es sich doch so was von angeboten. Entweder Wetter oder Streik der Lehrer oder die Heizung ist im Schulgebäude kaputt. Und überhaupt ist es morgens so dunkel. Ich hab schon damals gesagt, wenn die Schulen für immer geschlossen geblieben wären, es wäre fast keinem aufgefallen. Und jetzt, hallo, die ultimative Chance, endlich ganz auszusteigen aus dem Thema Bildung: Es fahren keine Schulbusse mehr über die Nordbrücke. Super! Die Ursulinenschule in Hersel und das Collegium Josephinum Bonn hätten da federführend sein können. Erst sind die Schulen von der anderen Rheinseite nicht mehr zu erreichen. Dann kommen nur noch die linksrheinischen Schüler. Lohnt sich dafür aber bitteschön Heizung? Natürlich nicht! Und irgendwann kapiert es auch der letzte Streber, wenn er vor der geschlossenen Schule steht.

Natürlich muss man das Thema Bildung für die paar wenigen Schüler, die gerne gelernt haben, langsam ausschleichen. In der Vergangenheit wurde Bildung aber einfach überschätzt. Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gewesen, Stellung zu beziehen. Dass Schüler Schulen erreichen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. 

Donnerstag, 22. Januar 2026

Ein Konvolut an Vorsätzen


Mit den Menschen ins Gespräch kommen – auf der Brücke. Nicht auf der Kennedy-Brücke, die ja gerade selbst so was von im Gespräch ist. Letztens ertappte ich mich doch tatsächlich dabei, dass ich den Artikel in meinem SCHAUFENSTER über die Zukunft, sprich das Chaos, das mit der Erneuerung der Brücke einhergehen wird, nicht gelesen habe. Schon seit Jahren höre ich ja von vielen lieben Mitmenschen, dass sie gar keine Nachrichten mehr hören. Da sagt ja aber die mündige Bürgerin, hallo, so geht das nicht, du musst dich informieren, du musst dich gerade den negativen Nachrichten, der aktuellen Weltpolitik stellen. Und, ja, jetzt kriegen sie mich mit den ständigen Nachrichten zum Thema Nordbrücke.

Was ich aber eigentlich sagen will, ich will natürlich mit den Menschen auf der Brücke vom Auerberg nach Tannenbusch ins Gespräch kommen. Mit den Menschen, die neulich wieder für folgenden Anblick verantwortlich waren: Du siehst neue, moderne Altpapier-Container und daneben und davor Lacke und Ölfarben in Dosen, Styropor, einen Stuhl und einen Fernseher. Kurz der Gedanke, es handelt sich um eine Kunstinstallation. Du weißt schon, Kunst als Gesellschaftskritik. War es natürlich nicht. Und da jetzt mein Vorsatz, mir die Zeit zu nehmen und auf der Brücke zu campieren. Ich vermute natürlich, dass die lieben Mitmenschen das mitten in der Nacht dort abstellen. Sodass ich mir da ernsthaft Gedanken werde machen müssen von wegen Zelt und so.

Natürlich, du kennst mich ja, werde ich die Wartezeit bzw. die Zeit zwischen zwei Aufklärungsgesprächen so sinnvoll wie möglich zu nutzen versuchen. Zunächst einmal werde ich mir einige Folgen von „Bares für Rares“ zu Gemüte führen. Was ich da den Experten an den Lippen hänge! Ich sauge förmlich jedes ihrer Worte auf. Abgesehen von den Fachbegriffen wie Voluten, Plinten oder Punzen. Nein, diese Vielzahl von für mich neuen Wörtern, die sie zur Beschreibung eines Gegenstandes verwenden – ein Genuss! Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich ein potthässliches Stück am Ende der Expertise von Colmar Schulte-Goltz oder Wendela Horz nur wegen ihrer blumigen Worte so was von zauberhaft fand!

Und so komme ich zu einem weiteren Vorsatz. Mit meinem nun vergrößerten und vor allem feineren  Wortschatz werde ich dann nachts in meinem Zelt anfangen, wieder Briefe zu schreiben. Ja, du liest richtig. Briefe schreiben so wie früher. Und zwar nicht nur an Familie und Freunde. Nein, ich werde an beliebige Adressaten schreiben. Vor allem aber auch an Lieblingsfeinde. Weil, soll mir nachher keiner sagen: hätte, hätte Fahrradklingel. Das ist ja auch selbiger Grund, warum ich die Menschkasse meiner Lieblingsdiscounter immer wieder ansteuere. Damit die da oben, also die Entscheidungsträger, mitbekommen, dass es ohne die Kasse, an der ein Mensch steht bzw. sitzt, nicht geht.

Wo war ich? Ach ja, auf der Brücke, im Zelt, im Dunkeln, hoffentlich warm genug eingepuckelt. Das muss ich total generalstabsmäßig aufziehen. Dass ich, wenn ich jemanden höre, sofort aus dem Zelt rausspringen kann und auch für ein längeres Gespräch warm genug angezogen bin. Wobei, das habe ich heute noch gesehen, falls ich zu wenig zum Anziehen dabei habe, kein Problem. Auf der Brücke gibt es ja auch einen Container für Altkleider. Was da heute wieder für Kleiderhaufen daneben lagen. Da wird sich notfalls bestimmt für mich etwas finden. Viel wichtiger, dass ich beim Briefeschreiben immer mindestens ein Ohr nach draußen gerichtet habe. Um genügend Adressaten für meine Briefe zu haben, weil es geht ja auch schon um eine gewisse Menge an Briefen, werde ich die Menschen, denen ich nachts beim Entsorgen ihres Mülls begegne, nach ihrer Adresse fragen. Dann schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens wieder ein Brief mehr und zweitens, vielleicht prägt sich ja meine Moralpredigt besser ein, wenn mein Gegenüber sie einmal hört und einmal liest. Ach, was sag ich, ich schreibe auch den Menschen einen Dankesbrief, die ihren Müll akkurat entsorgen.

Ja, und drittens, darum geht es ja bei dieser ganzen Aktion. Ich bin dann raus. Mich trifft keine Schuld. Auch ihr hättet es kommen sehen können. Ihr wart vorgewarnt. Zumindest du, der sich noch für Nachrichten interessiert. Genau, in Dänemark gibt es seit dem neuen Jahr keine öffentlichen Briefkästen mehr. Dänemark ist so was von digitalisiert, keiner hat dort mehr Briefe geschrieben. Also sag später nicht, du hättest es nicht gewusst. Jetzt weißt du es!

Und wenn ich vom Schreiben Lähmungserscheinungen in der Hand habe, noch ein Vorsatz. Licht brauche ich ja eh zum Schreiben. Ich mein, wenn solch ein Turm sich im Rahmen hält, mag es ja noch ganz intellektuell wirken. Und, klar, bedeutet er auch ein stückweit Vorfreude auf viele spannende, bereichernde Stunden. Aber wann und wie schnell kann die Vorfreude in Vorwurf umschlagen. Wichtig auf jeden Fall, dass sich das Leid nicht neben deinem Bett abspielt. Weil, du bist auch nicht mehr die Jüngste und irgendwann zerrst du dir noch was, wenn du versuchst, drüber zu klettern. Was wiederum den Vorteil hätte, dass du, monatelang ans Bett gefesselt, jetzt alle Zeit der Welt hättest. Hatte ich überhaupt schon erwähnt, wozu? Ich sag nur „SuB“ oder meinetwegen auch „Tsundoku“. Wer hätte das gedacht, dass wir Alten mal so was von froh sein müssen, dass es TikTok gibt! Ich mach dir mal Internet: 70,8 Millionen Einträge hat der Hashtag #BookTok auf der Plattform TikTok. 2024 sind laut Branchenverband etwa 25 Millionen Bücher aufgrund von BookTok-Empfehlungen gekauft worden. Weil sogenannte BookTokerinnen anders auf Bücher blicken als das Feuilleton, machen sie sie vor allem bei jungen Leserinnen populär. Ach ja, ich vergaß, „SuB“ steht für „Stapel ungelesener Bücher“. Im Japanischen gibt es für dieses Phänomen sogar ein eigenes Wort. Ich mach dir noch mal Internet: „Tsundoku“ bezeichnet die Situation, dass man Bücher kauft, die man lesen möchte, und sie auf einen Stapel legt. Irgendwie hat man dann aber doch keine Lust oder keine Zeit, die Bücher zu lesen.

Hier der Link zu dem Artikel. Lies ihn dir doch einfach durch – so was von witzig. Da erfährst du auch, was "Shelfies" sind, und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr nicht nur stapelweise, sondern bergeweise zugeschickt werden.

Montag, 29. Dezember 2025

Überall nur Freude


Jetzt so zum Jahresende gab und gibt es ja doch mal den ein oder anderen Anlass, wo ich mich ein wenig chic machen könnte. Was mir allerdings, ich gebe es unumwunden zu, recht schwer fällt. Was ja aber auch kein Wunder ist zu dieser Jahreszeit: Da weißt du um 15:00 Uhr nicht, ob du deinen Schlafanzug noch oder schon wieder anhast. Also eigentlich vom Wohlfühlgefühl her könnte ich praktischerweise in meiner snuseligen, labbeligen Jogginghose bleiben. Weil, hallo, wenn du im Restaurant am Tisch sitzt, sieht eh keiner, was du untenrum trägst. Deshalb einfach ein Protzkette angelegt, und schon passt’s. Steht natürlich nicht zur Diskussion. Du weißt, der Karl, der Lagerfeld und ich, so was von close: „Wer mit Jogginghose aus dem Haus geht, hat sein Leben nicht im Griff.“ Und ich gebe ihm da so was von Recht: Du hast ein Bild vor Augen? Genau, ein junger Mann, der vor dir geht und eine Jogginghose trägt, bei deren Anblick dir folgende Fragen durch den Kopf schießen: Wird diese Hose 24/7 getragen? Wann wurde sie zuletzt gewaschen? Wurde sie überhaupt schon mal gewaschen? Okay, und was ist das krasseste Gegenteil zur labbeligen Jogginghose? Genau, die junge Frau, die eine knatschenge Leggings trägt. Diese Leggings, die den Po besonders betonen. Ich mach dir mal Internet: Man nennt sie „Butt Scrunch Leggings“. Ihr Merkmal: Hinten mittig verläuft eine geraffte Naht („scrunch“), die den Stoff zwischen die Gesäßhälften zieht und so einen push-up-artigen Effekt erzeugt. Ich versuche natürlich, mich irgendwo zwischen Jogginghose und Leggings zu bewegen.

Heiligabend zum Beispiel, immer wieder dasselbe Thema. Natürlich ziehe ich mich zum Nachmittag hin chic an. Auch zur Bescherung geht es bei uns noch feierlich zu. Klar, es wird ja auch das ein oder andere Foto gemacht, und da will ich ja nicht unbedingt in Jogginghose abgelichtet werden. Aber, Leute, muss ich mir dann beim Raclette-Essen das festliche Kleid einstinken? Ein Kleid, das man nicht eben mal bei 30 Grad waschen kann, sondern per Hand oder Reinigung oder. Ganz davon abgesehen, dass ich beim Raclette-Essen im Verlauf des Abends dermaßen das Schwitzen anfange!

Worüber ich mich erstmalig so was von gefreut habe, obwohl alles so war wie immer. Kennst du doch aber auch. Da kommt dir viele, viele Jahre alles ganz selbstverständlich vor. Da denkst du, na ja, auch schon tausendmal gesehen und vergisst dabei, dich zu freuen, dass eben alles wieder genau so stattfindet wie gehabt. Ich sag nur Corona. Was ich jetzt aber meine, worüber ich mich so was von gefreut habe. Weil, du erinnerst dich, ich muss ja nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Dieses Jahr hat mich ja das Projekt „Die SB-Kasse und ich“ so was von gefordert, so was von in Atem gehalten. Ich habe dir schon vieles darüber erzählt. Was aber noch dazu kommt. Seitdem es diese SB-Kassen bei meinen beiden Lieblingsdiscountern gibt, überlege ich nun jedes Mal, ob ich an die Menschenkasse gehe, damit ich als Kundin für den Erhalt einer solchen Kasse demonstriere. Und, ja, auch gleichzeitig mal wieder Augenkontakt zur netten Kassiererin habe. Auf der anderen Seite aber immer unterschwellig die Angst, aus meiner sehr, sehr fragilen Routine herauszukommen, wenn ich eine Übungssequenz an der SB-Kasse nicht wahrnehme. Du siehst diesen Zwiespalt? Du ahnst meine Zerrissenheit?

Und deswegen meine eben erwähnte Freude. Da gibt es kein Entweder-oder. Alles oldschool. Du ahnst es schon! Genau, ich spreche vom Weihnachtsmarkt. Wie oft ich dieses Jahr auf Selbigem war! Da muss ich mich nicht entscheiden! Klar muss ich mich entscheiden, ob ich etwas Gefilztes erwerben möchte. Oder vielleicht im hohen Alter doch ein Frühstücksbrettchen mit meinem eingravierten Vornamen. Ich habe sogar ernsthaft darüber nachgedacht, ein Bäumchen zu erwerben. Ich war so was von in Euphorie, dass ich doch tatsächlich fast ein Edelsteinbäumchen käuflich erworben hätte! Du kennst diese Bäumchen und magst sie? Dann sag ich jetzt lieber nichts dazu. Gott sei Dank hatten die am Stand so viel Auswahl, dass ich mich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz nicht zwischen einem Feng-Shui-Bäumchen, einem Rosenquarz-Bäumchen und einem Amethyst-Bäumchen entscheiden konnte. Erschwerend kam auch noch dazu, dass ich eine wage Vorstellung davon hatte, dass mein Göttergatte mir mit solch einem Mitbringsel den Eintritt in unsere gemeinsame Behausung verwehren würde. Was ich aber eben auf dem Weihnachtsmarkt nicht entscheiden musste, ich musste mir gar keinen Kopf machen, ob ich mich mental in der Lage sehe, ob ich Lust habe, das Projekt „SB-Kasse“ zu wuppen oder nicht. Da gibt es nämlich keine SB-Kassen! Die freuen sich sogar über Bargeld!

Worüber ich mich auch so was von gefreut habe und immer noch freue. Eigentlich muss es heißen, für wen ich mich so gefreut habe. Das sind die Kessler- Zwillinge. Dass die beiden Schwestern doch tatsächlich gleichzeitig gestorben sind. So schöne Zufälle gibt es!

Und wenn du dich auch mal freuen möchtest, musst du dir unbedingt die Serie Frierundfünfzig anschauen. Was war das damals schmerzlich für mich, als die Serie „Dani Lowinski“ mit Annette Frier als Anwältin, die ihre Sprechstunde im Untergeschoss einer Einkaufsmall abhielt, eingestampft wurde.

So, und zum Schluss für uns alle ein Grund für geballte Hochfreude. Wir müssen wirklich keine Angst haben, dass Putin uns angreift bzw. dass wir nicht verteidigungsfähig sind. Denn so stand es in meinem SCHAUFENSTER zu lesen: Ein schlecht gesicherter Baum kann bei einer Vollbremsung zum gefährlichen Geschoss werden. Ein 30-Kilo-Baum wird bei einer Vollbremsung von 50 km/h schnell zu einem 750-Kilo-Geschoss. Ich bin bereit!

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bar oder gar nicht?


Was soll ich sagen? Soll ich jetzt den Job der Kassiererin übernehmen? Ich glaube, es war in Maastricht, da musste ich zum ersten Mal in meinem Leben an eine SB-Kasse, weil es nur die gab! Als ich dann ganz weltfraulich mit Karte bezahlen wollte, stellte ich fest, dass meine SB-Kasse nur Bargeld annahm. Die Nachbarskasse hätte hingegen nur die Karte akzeptiert. Hallo, jetzt stelle ich mich schon notgedrungen den Herausforderungen unserer Zeit, gehe selbstredend davon aus, dass nur Karte – und dann darf ich nur mit Bargeld zahlen! Witzig! Und dann rauscht auch noch das 2-Euro-Stück durch! Da hatte ich eben besagtes Déjà-vu mit dem Reiben der Münze am öffentlichen Fernsprecher.

So, nun aber mein Projekt: Vor Wochen habe ich damit gestartet und mit Sicherheit wird es sich noch Wochen und Monate hinziehen. Weil, schau dir doch mal die Kommandobrücke an! Da krieg ich schon Schnappatmung beim bloßen Hinschauen! Irgendwie sieht es aus, wie ein moderner Operationstisch für minimalinvasive Eingriffe oder wie das Schaltpult einer Müllverbrennungsanlage. Was ich selbstredend nach meinem Erlebnis in Maastricht zu Beginn in Erfahrung gebracht habe: Welche SB-Kasse akzeptiert was? Und, rate mal, ich nenn es jetzt einfach „Da, wo ich mittlerweile meistens hingehe“ gibt es nur SB-Kassen, an denen ich mit Karte bezahlen kann. Ein Stressfaktor weniger. Was aber so was von ohne Bedeutung ist, weil es hundertfünfundneunzig andere Hürden für mich zu überwinden gilt.

Das erste Mal, gut, ich war es auch selbst schuld. Eigentlich war es ein guter Plan: Ich gehe zuerst ohne Einkaufswagen rein und nehme nur ein Produkt. Ein Liter Vollmilch zum Beispiel. Mit diesem Produkt gehe ich dann an die SB-Kasse, trainiere, was zu machen ist, verlasse mit dem durch Kassenzettel bewiesenen bezahlten Produkt den Laden, nehme mir nun einen Einkaufswagen und starte mit dem eigentlichen Einkauf. So genau gehe ich vor, immer natürlich mit ein wenig größerer Herausforderung – Ausnahme das erste Mal! Da habe ich mich komplett überschätzt bzw. wusste nicht, was da an Komplikation auf mich zukommen würde: Ich sage nur Strauchtomaten. Ich weiß jetzt nicht, wo ich dich mental abholen muss, meine Strauchtomaten sind nicht abgepackt, sondern lose. Will heißen, ich stecke sie in einen Plastikbeutel. Für diese Fälle führe ich immer in meinem Rucksack Plastikbeutel vom Bäcker meines Vertrauens mit. Der packt mein Brot nämlich immer in einen Plastikbeutel und ich, von wegen Nachhaltigkeit, schmeiß den nicht weg, sondern eben Strauchtomaten, lose. Und jetzt kommt’s. Woher hätte ich das vorher wissen können? Steh ich mit meinen drei Strauchtomaten in Plastikbeutel an der Kommandobrücke, lege sie auf die Waage, drücke tatsächlich die richtige Produkttaste, warte auf den Preis. Da fragt mich die Maschine, ob ich einen Knotenbeutel benutzt habe, ob die Tomaten in einem Beutel sind. Und da gab es jetzt trotz intensiven Suchens keinen Buzzer, wo ich Folgendes hätte eingeben können: Ja, ich habe einen Plastikbeutel benutzt, aber der ist nicht von hier. Ich habe dann in meiner Not auf „Abbrechen“ gedrückt und, indem ich mich an der Menschkassenschlange vorbeigedrängelt habe, das Geschäft verlassen – in der Hand besagte Stauchtomaten. Auf dem Weg zu den Einkaufswagen sah ich mich plötzlich aus der Sicht einer Kamera: Eine Frau verlässt schnellen Schrittes das Geschäft, ohne die Strauchtomaten bezahlt zu haben.

Aus diesem Vorfall habe ich selbstredend gelernt. Und habe dann, wie ich dir eben schon sagte, mit ganz einfachen Dingen angefangen, wie der Liter Milch. Oder 500 g Magerquark. Übrigens, während ich da so stehe und die Codes eingebe (ich bin ja jetzt so was von codefixiert. So oft wie ich jetzt auf diesen Barcode schaue, habe ich das noch nie, weil es bis jetzt beim Einkauf nicht zu meiner Kernkompetenz gehören musste!). Während ich also mich jedes Mal so was von freue, wenn die Maschine "Pling!" macht, weil sie den Code erfolgreich gescannt hat, die Frage in meinem Köpfchen, warum das eigentlich Barcode heißt, obwohl ich ja gerade nicht mit Bargeld bezahle. Du denkst jetzt, ich verscheißere dich. Tu ich nicht, ich wusste es wirklich nicht. Warum soll ich dir das nicht ehrlich sagen. Es war mir offensichtlich vorher nicht wichtig genug, das einmal herauszubekommen. Deshalb habe ich du weißt schon was. Und hier die Antwort: Mit Barcode (engl. bar = Balken) oder Strichcode werden maschinenlesbare Schriften bezeichnet. Diese können mit speziellen Strichcode Lesegeräten (auch Barcode Scanner) erfasst werden, um die Daten weiterzuverarbeiten. Der Begriff Barcode entstand aus den ursprünglich nur eindimensional dargestellten Codes (1D-Code).

Nachdem ich ganz, ganz oft bei ein und demselben Lieblingsdiscounter geübt hatte (mal mit nur einer Banane oder einer Flasche Rotwein), dachte ich mir, jetzt kannst du ohne Stress auch mal zu deinem anderen Lieblingsdiscounter gehen. Ich lud also in meinen Einkaufswagen 100 g abgepackten Feldsalat, auf dem folgendes rote Schild klebte: Ich bin noch gut! -30%. Und, du weißt, was nicht fehlen darf, die Flasche Rotwein. Und ja, ich dachte im Vorfeld, bei der Rotweinflasche wird ein Mensch draufschauen wie bei meinem anderen Lieblingsdiscounter, ob ich schon 18 bin. So witzig, es war genau anders herum: Keine Sau interessierte sich dafür, ob ich schon Rotwein kaufen darf. Aber beim Thema Rabatt, holla die Waldfee. Während ich bis jetzt gewohnt war, dass der Rabatt-Aufkleber einen eigenen Barcode hat, war das hier jetzt anders. Du musstest am Ende explizit für den Artikel eine Rabatt-Taste drücken. Und während ich registrierte, dass die Maschine das Bezahlen verwehrte, rief mich auch schon die Kassiererin, und ich musste ihr den Feldsalat mit dem Aufkleber zeigen.

Hallo, was für ein Wahnsinn! Ich als Kundin habe es offensichtlich mit zwei verschiedenen Softwareprogrammen zu tun. Nicht nur, dass ich selbst alles scanne, nein, ich muss mir auch merken, welches Softwareprogramm was kann.