Jetzt aber erst einmal Neues von der SB-Kasse: Ich bin ehrlich, und sei du es doch gefälligst auch – zumindest zu dir! Ich sag nur Thema kriminelle Energie – ist bei mir so was von stark ausgeprägt, zumindest in Gedanken. Ich hab schon, da gab es die SB-Kassen noch gar nicht, mal daran gedacht, den Barcode mit einem schwarzen Fineliner zu ändern. Das Blöde war nur, ich hatte Sorge, dass am Ende der zusätzliche schwarze Strich erstens dem Kassierenden auffällt, von wegen krumm (du hast ja nicht immer ein Lineal zur Hand). Und zweitens der zusätzliche schwarze Strich an der falschen Stelle das Produkt teurer statt billiger machen würde. Deshalb hab ich’s dann gelassen. Und dann kamen die SB-Kassen. Da ertappte ich mich wieder bei dererlei Gedanken, zumal das Problem kassierendes Wesen ja nun wegfiel. Hast du vielleicht, ich frag für eine Freundin, hast du vielleicht eine Idee, wie solch Barcode funktioniert? So, ja, wusstest du schon! Hast dich die ganze Zeit kringelig gelacht ob so viel Blödheit meinerseits! Ich hab die KI gefragt, weil Selbige und ich, so was von close! Die sagt mir, dass die schwarzen Linien und weißen Abstände zusammen ein Muster bilden. Und dass dieses Muster Zahlen kodiert (z. B. die Produktnummer). Und dass ein Scanner im Laden das Muster mit einem Laser oder einer Kamera liest. Die gelesene Nummer wird dann im Kassensystem mit einer Produktdatenbank abgeglichen und dort steht dann der Preis. Das bedeutet also, der Barcode selbst enthält keinen Preis, sondern nur eine Identifikationsnummer für das Produkt. Ein Glück, dass ich da noch mal die KI gefragt habe. Wobei, im Endeffekt kommt es ja aufs Gleiche raus. Wenn ich da was mit dem Fineliner manipuliere und habe Pech. Dann liegt da jetzt nicht das Produkt „ein Glas Hühnerbrühe“, sondern „ein Webergrill“, der ein ganz klein wenig mehr kostet als ein Glas Hühnerbrühe.
Was ich auch noch interessant fand. Obwohl die KI und ich ja so was von dicke Freundinnen sind. Ich hatte die KI einfach mal so gefragt, ob sie mir Tipps geben könne hinsichtlich du weißt schon was. Darauf hat sie geantwortet: Zur Manipulation. Ich kann nicht dabei helfen, Barcodes zu manipulieren, um einen niedrigeren Preis an der Kasse zu bekommen. Das wäre Betrug bzw. Diebstahl und ist in vielen Ländern strafbar. Find ich total toll von ihr. Freundschaft hin, Loyalität her, aber da ist sie ganz bei sich geblieben, die KI.
Wo ich ja gerade wieder bei meinem Lieblingsthema SB-Kasse bin – und meinem, ich hab manchmal das Gefühl zu immer größerem, Hang zu kriminellem Verhalten. Was ich auch oft so denke, wenn ich am einscannen bin. Erstens mal ganz banal einfach ein Teil aus dem Einkaufswagen einfach mal zu vergessen. Aber auch zweitens: Weil neulich hielt ich den Karottensaft Richtung Scanner und es machte Pling. Konnte aber noch nicht mein Pling sein, weil noch zu weit weg vom Scanner. Da war das das Pling an der Nachbarskasse gewesen. Aber so was von laut, ich dachte wirklich, es wäre mein Pling. Oder aber, ich hatte sechs Tetra Paks Karottensaft gekauft (nur am Rande, mein Traummann meinte dann irgendwann: „Schatz, du musst nicht alle Tetra Paks einzeln über den Scanner halten. Es reicht, wenn du ein und denselben sechsmal darüber hältst.“). Ich hatte also sechs Tetra Paks Karottensaft im Einkaufswagen und war fest entschlossen nur fünfmal Pling machen zu lassen. Wenn mein Göttergatte nicht gesagt hätte, dass noch ein Pling fehlt. Weil der wusste ja in dem Moment nicht, dass ich mich justamente zu einer kriminellen Straftat entschlossen hatte. Und ich wollte ihn darüber auch nicht für die umliegenden Ortschaften hörbar aufklären. Aber genau, das ist mein Plan, dass ich drei Becher Buttermilch im Wagen habe, aber aus Versehen und meinem hohen Alter geschuldet nur zwei scanne. Weil, und da kommt mir jetzt so was von die Rechtsprechung entgegen. Hier, lies: Doch wie sieht die Rechtslage tatsächlich aus?
Laut Simon Götze, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin, gegenüber ZDFheute gilt: „Hat man ein Produkt unbeabsichtigt nicht gescannt, schuldet man dem Supermarkt aus zivilrechtlicher Sicht den Preis des Produktes oder man muss das Produkt zurückgeben.“
Für einen strafrechtlichen Vorwurf müsse ein Vorsatz vorliegen. Der Supermarkt brauche dafür einen konkreten Nachweis." Hallo, und natürlich habe ich die Buttermilch unfreiwillig nicht gescannt! Was glaubst du denn?
Wo ich gerade beim Einkaufen bin. Da ist ja das Thema Bummeln auch nicht mehr weit. Aber doch jetzt nicht gerade bei deinem Lieblingsdiscounter, sagst du jetzt. Und ob, ich kann dort so was von gut bummeln. Wo es ja mittlerweile bei jedem Produkt zig Varianten gibt. Diese unermessliche Vielfalt und dann ich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz. Früher gab es gekochten und geräucherten Schinken. Heute, ich weiß nicht, wie viele verschiedene Schinkensorten. Früher hast du flüssigen oder streichzarten Honig gekauft. Heute kaufst du Manuka, wenn du nicht weißt, wohin mit deinem Geld. Wusste bis vor Kurzem noch nicht mal, was das ist. Ich weiß aber, was du mit Bummeln verbindest. Ich erzählte dir ja anfangs von meinem neuen Projekt. Und rate mal, wo das stattfindet. Richtig, in Köln. Und rate mal, was ich da mache? Genau, du ahnst es schon: Bummeln. Aber tatsächlich nicht zum Zwecke des Kaufens, des Geldausgebens, sondern zum Zwecke des genauen Gegenteils. Jetzt hast du es und kennst mich ja nun auch schon ein wenig. Ich werde mich da dermaßen was von verlustieren. Ich werde bummeln was das Zeug hält. Ich werde schlendern und flanieren. Mich zwischendurch immer mal wieder setzen. Die Blicke nach oben schweifen lassen, nach links und nach rechts. Ich werde Zeit vertrödeln und Zeit vergeuden – und das in verschwenderischer Manier. Ich werde mit der Zeit, den Minuten und Stunden nur so prassen. Und damit es auch jeder in seiner Sprache versteht. Ich werde dort herumhängen und gammeln.
Jetzt hast du es, oder? Jetzt weißt du, wo ich mich in den letzten Wochen herumgetrieben habe und bis Ende Juni herumtreiben werde – ohne zu bezahlen. Genau, im Kölner Dom! Denn ab Juni kostet der Eintritt – auch für mich als Kirchensteuer zahlende Katholikin!

