Donnerstag, 19. Februar 2026

Nicht Pulitzer, sondern Baumann!

 

Und, weißt du jetzt, was „Shelfies“ sind und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr bergeweise zugeschickt werden? Vergiss es, du hast dir natürlich nicht die Mühe gemacht und den Link in meinem letzten Artikel durchgelesen. Hast du dir wenigstens die beiden Bezeichnungen gemerkt? Okay, nein, also deshalb noch mal exklusiv für dich: SuB und Tsundoku. Ich komm deshalb drauf, weil ich gerade einen Roman tapfer bis zum Ende gelesen habe. Und wenn ich jetzt die Christine Westermann wäre und die Menschen auf mein fachfräuliches Urteil hören würden. Ich sag nur Bücherstapel. Das würde mich so was von interessieren, wie viele Menschen dieses Buch zu Ende gelesen haben und es durchgängig gut fanden. Und wie viele Menschen dieses Buch auf ihrem Tsundoku liegen haben. Diese 619 Seiten (!) mit dem Titel „Die Unbehausten“, hartkartoniert von der Barbara Kingsolver. Ich sag nur mutig, mutig, so viele Seiten.

Aber, wie gesagt, ich bin ja keine Fachfrau in Sachen Buchkritik. Aber gut, Spiegel- Bestsellerautorin und Pulitzer-Preis und hast du nicht gesehen. Ich habe übrigens noch ein Buch von der Barbara bekommen. Und da bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sich da die BookTokerinnen mit ihren Followerinnen einen Schabernack erlaubt haben – von wegen Buchempfehlung. Von wegen einfach mal einen Scheiß empfehlen und schauen, wer so blöde ist und drauf reinfällt.

Was aber ja im Hinblick auf die Barbara nicht sein kann, weil immerhin ist die ja Pulitzer- Preisträgerin. Was aber das Praktische ist, das zweite Buch hat sogar 858 Seiten und ist auch hartkartoniert. Praktisch deshalb, weil, schau: Irgendwann ragt der SuB ja so was von in die Höhe, dass du ohne Leiter nicht mehr oben dran kommst. Wie du aber ja weißt, ist meine Stehleiter meistens auf meiner Verkehrsinsel in Gebrauch. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich die einfach mit einem Schloss an der Ampel ankette, damit ich die nicht immer hin und her schleppen muss. Die Leiter ist jedenfalls keine Option für meinen Bücherstapel. Auch optisch wäre ich damit nicht wirklich zufrieden. Da dachte ich mir, gestalte ich doch einfach eine Leiter aus hartkartonierten Büchern, die im günstigsten Fall recht dick sind. Und da bin jetzt wieder der Barbara so was von dankbar, dass die mir schon mal zwei tolle Exemplare zur Verfügung stellt.

Apropos Pulitzer-Preis. Hallo, ich habe auch einen Preis für meine literarischen Ergüsse bekommen! Ja, ich bin jetzt auch Preisträgerin! Wenn es dich interessiert, also nicht nur, um sich bei mir lieb Kind zu machen. Nicht, dass du aber nachher sagst, ja wenn ich das gewusst hätte, Fahrradkette. Im Moment gehe ich viral so was von durch die Decke. Ich glaub, man sagt das so nicht. Egal, weil anders kann und will ich es nicht formulieren. So was von einem Durchbruch, den ich da erzielt habe! Wie gesagt, wenn du unbedingt willst, ich dränge mich dir nicht auf, schau dir mal den Artikel hier auf Musenblätter an. Du hast natürlich jetzt ein Problem von wegen Neid und so, dein Problem. Das Adjektiv stolz habe ich jetzt noch mal vollkommen neu definieren können.

Ich habe natürlich jetzt auch eine ganz andere Durchschlagskraft, wenn ich auf der Brücke nach Tannenbusch neben den Altpapier-Containern nachts in meinem Zelt campiere. Du erinnerst dich? Nachts mit den lieben Mitmenschen ins Gespräch kommen, die dort neben die Container eine Schrankwand oder einen gigantischen lila Plüsch-Katzenbaum abladen? Jetzt, wo ich so was von bekannt im Internet bin, ist das womöglich ein guter Einstieg, wenn ich die Menschen erst einmal frage, ob sie mit mir ein Selfie machen wollen. Ob sie sich quasi ganz unverbindlich ein wenig in meinem Ruhm suhlen wollen. Mit diesem Opener habe ich garantiert die Sympathien auf meiner Seite.

Wo ich aber ja gerade bei Büchern war. Da wo Bücher sind, ist ja auch manchmal die Bildung nicht weit. Ich komm deshalb drauf, weil kürzlich wieder die Nordbrücke in meinem SCHAUFENSTER Thema war: „Schonfrist für Schulbusse“ hieß es da. Ab Montag, dem 9. Februar, werde die Brücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen gesperrt. Eine zeitlich befristete Ausnahme gelte jedoch für Schulbusse. Was ich so was von nicht verstehe. Wir waren doch schon auf so einem guten Weg! Während Corona waren die Schulen entweder geschlossen (und komm mir nicht mit TEAMS und Co.!) oder die Eltern haben selbst entschieden, ob sie den kleinen Peter aus der Schule nehmen, damit er dem Opa auf seinem 80igsten Geburtstag nicht Corona aus der Schule mitbringt. Jetzt gerade im Winter hätte es sich doch so was von angeboten. Entweder Wetter oder Streik der Lehrer oder die Heizung ist im Schulgebäude kaputt. Und überhaupt ist es morgens so dunkel. Ich hab schon damals gesagt, wenn die Schulen für immer geschlossen geblieben wären, es wäre fast keinem aufgefallen. Und jetzt, hallo, die ultimative Chance, endlich ganz auszusteigen aus dem Thema Bildung: Es fahren keine Schulbusse mehr über die Nordbrücke. Super! Die Ursulinenschule in Hersel und das Collegium Josephinum Bonn hätten da federführend sein können. Erst sind die Schulen von der anderen Rheinseite nicht mehr zu erreichen. Dann kommen nur noch die linksrheinischen Schüler. Lohnt sich dafür aber bitteschön Heizung? Natürlich nicht! Und irgendwann kapiert es auch der letzte Streber, wenn er vor der geschlossenen Schule steht.

Natürlich muss man das Thema Bildung für die paar wenigen Schüler, die gerne gelernt haben, langsam ausschleichen. In der Vergangenheit wurde Bildung aber einfach überschätzt. Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gewesen, Stellung zu beziehen. Dass Schüler Schulen erreichen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. 

Donnerstag, 22. Januar 2026

Ein Konvolut an Vorsätzen


Mit den Menschen ins Gespräch kommen – auf der Brücke. Nicht auf der Kennedy-Brücke, die ja gerade selbst so was von im Gespräch ist. Letztens ertappte ich mich doch tatsächlich dabei, dass ich den Artikel in meinem SCHAUFENSTER über die Zukunft, sprich das Chaos, das mit der Erneuerung der Brücke einhergehen wird, nicht gelesen habe. Schon seit Jahren höre ich ja von vielen lieben Mitmenschen, dass sie gar keine Nachrichten mehr hören. Da sagt ja aber die mündige Bürgerin, hallo, so geht das nicht, du musst dich informieren, du musst dich gerade den negativen Nachrichten, der aktuellen Weltpolitik stellen. Und, ja, jetzt kriegen sie mich mit den ständigen Nachrichten zum Thema Nordbrücke.

Was ich aber eigentlich sagen will, ich will natürlich mit den Menschen auf der Brücke vom Auerberg nach Tannenbusch ins Gespräch kommen. Mit den Menschen, die neulich wieder für folgenden Anblick verantwortlich waren: Du siehst neue, moderne Altpapier-Container und daneben und davor Lacke und Ölfarben in Dosen, Styropor, einen Stuhl und einen Fernseher. Kurz der Gedanke, es handelt sich um eine Kunstinstallation. Du weißt schon, Kunst als Gesellschaftskritik. War es natürlich nicht. Und da jetzt mein Vorsatz, mir die Zeit zu nehmen und auf der Brücke zu campieren. Ich vermute natürlich, dass die lieben Mitmenschen das mitten in der Nacht dort abstellen. Sodass ich mir da ernsthaft Gedanken werde machen müssen von wegen Zelt und so.

Natürlich, du kennst mich ja, werde ich die Wartezeit bzw. die Zeit zwischen zwei Aufklärungsgesprächen so sinnvoll wie möglich zu nutzen versuchen. Zunächst einmal werde ich mir einige Folgen von „Bares für Rares“ zu Gemüte führen. Was ich da den Experten an den Lippen hänge! Ich sauge förmlich jedes ihrer Worte auf. Abgesehen von den Fachbegriffen wie Voluten, Plinten oder Punzen. Nein, diese Vielzahl von für mich neuen Wörtern, die sie zur Beschreibung eines Gegenstandes verwenden – ein Genuss! Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich ein potthässliches Stück am Ende der Expertise von Colmar Schulte-Goltz oder Wendela Horz nur wegen ihrer blumigen Worte so was von zauberhaft fand!

Und so komme ich zu einem weiteren Vorsatz. Mit meinem nun vergrößerten und vor allem feineren  Wortschatz werde ich dann nachts in meinem Zelt anfangen, wieder Briefe zu schreiben. Ja, du liest richtig. Briefe schreiben so wie früher. Und zwar nicht nur an Familie und Freunde. Nein, ich werde an beliebige Adressaten schreiben. Vor allem aber auch an Lieblingsfeinde. Weil, soll mir nachher keiner sagen: hätte, hätte Fahrradklingel. Das ist ja auch selbiger Grund, warum ich die Menschkasse meiner Lieblingsdiscounter immer wieder ansteuere. Damit die da oben, also die Entscheidungsträger, mitbekommen, dass es ohne die Kasse, an der ein Mensch steht bzw. sitzt, nicht geht.

Wo war ich? Ach ja, auf der Brücke, im Zelt, im Dunkeln, hoffentlich warm genug eingepuckelt. Das muss ich total generalstabsmäßig aufziehen. Dass ich, wenn ich jemanden höre, sofort aus dem Zelt rausspringen kann und auch für ein längeres Gespräch warm genug angezogen bin. Wobei, das habe ich heute noch gesehen, falls ich zu wenig zum Anziehen dabei habe, kein Problem. Auf der Brücke gibt es ja auch einen Container für Altkleider. Was da heute wieder für Kleiderhaufen daneben lagen. Da wird sich notfalls bestimmt für mich etwas finden. Viel wichtiger, dass ich beim Briefeschreiben immer mindestens ein Ohr nach draußen gerichtet habe. Um genügend Adressaten für meine Briefe zu haben, weil es geht ja auch schon um eine gewisse Menge an Briefen, werde ich die Menschen, denen ich nachts beim Entsorgen ihres Mülls begegne, nach ihrer Adresse fragen. Dann schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens wieder ein Brief mehr und zweitens, vielleicht prägt sich ja meine Moralpredigt besser ein, wenn mein Gegenüber sie einmal hört und einmal liest. Ach, was sag ich, ich schreibe auch den Menschen einen Dankesbrief, die ihren Müll akkurat entsorgen.

Ja, und drittens, darum geht es ja bei dieser ganzen Aktion. Ich bin dann raus. Mich trifft keine Schuld. Auch ihr hättet es kommen sehen können. Ihr wart vorgewarnt. Zumindest du, der sich noch für Nachrichten interessiert. Genau, in Dänemark gibt es seit dem neuen Jahr keine öffentlichen Briefkästen mehr. Dänemark ist so was von digitalisiert, keiner hat dort mehr Briefe geschrieben. Also sag später nicht, du hättest es nicht gewusst. Jetzt weißt du es!

Und wenn ich vom Schreiben Lähmungserscheinungen in der Hand habe, noch ein Vorsatz. Licht brauche ich ja eh zum Schreiben. Ich mein, wenn solch ein Turm sich im Rahmen hält, mag es ja noch ganz intellektuell wirken. Und, klar, bedeutet er auch ein stückweit Vorfreude auf viele spannende, bereichernde Stunden. Aber wann und wie schnell kann die Vorfreude in Vorwurf umschlagen. Wichtig auf jeden Fall, dass sich das Leid nicht neben deinem Bett abspielt. Weil, du bist auch nicht mehr die Jüngste und irgendwann zerrst du dir noch was, wenn du versuchst, drüber zu klettern. Was wiederum den Vorteil hätte, dass du, monatelang ans Bett gefesselt, jetzt alle Zeit der Welt hättest. Hatte ich überhaupt schon erwähnt, wozu? Ich sag nur „SuB“ oder meinetwegen auch „Tsundoku“. Wer hätte das gedacht, dass wir Alten mal so was von froh sein müssen, dass es TikTok gibt! Ich mach dir mal Internet: 70,8 Millionen Einträge hat der Hashtag #BookTok auf der Plattform TikTok. 2024 sind laut Branchenverband etwa 25 Millionen Bücher aufgrund von BookTok-Empfehlungen gekauft worden. Weil sogenannte BookTokerinnen anders auf Bücher blicken als das Feuilleton, machen sie sie vor allem bei jungen Leserinnen populär. Ach ja, ich vergaß, „SuB“ steht für „Stapel ungelesener Bücher“. Im Japanischen gibt es für dieses Phänomen sogar ein eigenes Wort. Ich mach dir noch mal Internet: „Tsundoku“ bezeichnet die Situation, dass man Bücher kauft, die man lesen möchte, und sie auf einen Stapel legt. Irgendwie hat man dann aber doch keine Lust oder keine Zeit, die Bücher zu lesen.

Hier der Link zu dem Artikel. Lies ihn dir doch einfach durch – so was von witzig. Da erfährst du auch, was "Shelfies" sind, und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr nicht nur stapelweise, sondern bergeweise zugeschickt werden.

Montag, 29. Dezember 2025

Überall nur Freude


Jetzt so zum Jahresende gab und gibt es ja doch mal den ein oder anderen Anlass, wo ich mich ein wenig chic machen könnte. Was mir allerdings, ich gebe es unumwunden zu, recht schwer fällt. Was ja aber auch kein Wunder ist zu dieser Jahreszeit: Da weißt du um 15:00 Uhr nicht, ob du deinen Schlafanzug noch oder schon wieder anhast. Also eigentlich vom Wohlfühlgefühl her könnte ich praktischerweise in meiner snuseligen, labbeligen Jogginghose bleiben. Weil, hallo, wenn du im Restaurant am Tisch sitzt, sieht eh keiner, was du untenrum trägst. Deshalb einfach ein Protzkette angelegt, und schon passt’s. Steht natürlich nicht zur Diskussion. Du weißt, der Karl, der Lagerfeld und ich, so was von close: „Wer mit Jogginghose aus dem Haus geht, hat sein Leben nicht im Griff.“ Und ich gebe ihm da so was von Recht: Du hast ein Bild vor Augen? Genau, ein junger Mann, der vor dir geht und eine Jogginghose trägt, bei deren Anblick dir folgende Fragen durch den Kopf schießen: Wird diese Hose 24/7 getragen? Wann wurde sie zuletzt gewaschen? Wurde sie überhaupt schon mal gewaschen? Okay, und was ist das krasseste Gegenteil zur labbeligen Jogginghose? Genau, die junge Frau, die eine knatschenge Leggings trägt. Diese Leggings, die den Po besonders betonen. Ich mach dir mal Internet: Man nennt sie „Butt Scrunch Leggings“. Ihr Merkmal: Hinten mittig verläuft eine geraffte Naht („scrunch“), die den Stoff zwischen die Gesäßhälften zieht und so einen push-up-artigen Effekt erzeugt. Ich versuche natürlich, mich irgendwo zwischen Jogginghose und Leggings zu bewegen.

Heiligabend zum Beispiel, immer wieder dasselbe Thema. Natürlich ziehe ich mich zum Nachmittag hin chic an. Auch zur Bescherung geht es bei uns noch feierlich zu. Klar, es wird ja auch das ein oder andere Foto gemacht, und da will ich ja nicht unbedingt in Jogginghose abgelichtet werden. Aber, Leute, muss ich mir dann beim Raclette-Essen das festliche Kleid einstinken? Ein Kleid, das man nicht eben mal bei 30 Grad waschen kann, sondern per Hand oder Reinigung oder. Ganz davon abgesehen, dass ich beim Raclette-Essen im Verlauf des Abends dermaßen das Schwitzen anfange!

Worüber ich mich erstmalig so was von gefreut habe, obwohl alles so war wie immer. Kennst du doch aber auch. Da kommt dir viele, viele Jahre alles ganz selbstverständlich vor. Da denkst du, na ja, auch schon tausendmal gesehen und vergisst dabei, dich zu freuen, dass eben alles wieder genau so stattfindet wie gehabt. Ich sag nur Corona. Was ich jetzt aber meine, worüber ich mich so was von gefreut habe. Weil, du erinnerst dich, ich muss ja nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Dieses Jahr hat mich ja das Projekt „Die SB-Kasse und ich“ so was von gefordert, so was von in Atem gehalten. Ich habe dir schon vieles darüber erzählt. Was aber noch dazu kommt. Seitdem es diese SB-Kassen bei meinen beiden Lieblingsdiscountern gibt, überlege ich nun jedes Mal, ob ich an die Menschenkasse gehe, damit ich als Kundin für den Erhalt einer solchen Kasse demonstriere. Und, ja, auch gleichzeitig mal wieder Augenkontakt zur netten Kassiererin habe. Auf der anderen Seite aber immer unterschwellig die Angst, aus meiner sehr, sehr fragilen Routine herauszukommen, wenn ich eine Übungssequenz an der SB-Kasse nicht wahrnehme. Du siehst diesen Zwiespalt? Du ahnst meine Zerrissenheit?

Und deswegen meine eben erwähnte Freude. Da gibt es kein Entweder-oder. Alles oldschool. Du ahnst es schon! Genau, ich spreche vom Weihnachtsmarkt. Wie oft ich dieses Jahr auf Selbigem war! Da muss ich mich nicht entscheiden! Klar muss ich mich entscheiden, ob ich etwas Gefilztes erwerben möchte. Oder vielleicht im hohen Alter doch ein Frühstücksbrettchen mit meinem eingravierten Vornamen. Ich habe sogar ernsthaft darüber nachgedacht, ein Bäumchen zu erwerben. Ich war so was von in Euphorie, dass ich doch tatsächlich fast ein Edelsteinbäumchen käuflich erworben hätte! Du kennst diese Bäumchen und magst sie? Dann sag ich jetzt lieber nichts dazu. Gott sei Dank hatten die am Stand so viel Auswahl, dass ich mich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz nicht zwischen einem Feng-Shui-Bäumchen, einem Rosenquarz-Bäumchen und einem Amethyst-Bäumchen entscheiden konnte. Erschwerend kam auch noch dazu, dass ich eine wage Vorstellung davon hatte, dass mein Göttergatte mir mit solch einem Mitbringsel den Eintritt in unsere gemeinsame Behausung verwehren würde. Was ich aber eben auf dem Weihnachtsmarkt nicht entscheiden musste, ich musste mir gar keinen Kopf machen, ob ich mich mental in der Lage sehe, ob ich Lust habe, das Projekt „SB-Kasse“ zu wuppen oder nicht. Da gibt es nämlich keine SB-Kassen! Die freuen sich sogar über Bargeld!

Worüber ich mich auch so was von gefreut habe und immer noch freue. Eigentlich muss es heißen, für wen ich mich so gefreut habe. Das sind die Kessler- Zwillinge. Dass die beiden Schwestern doch tatsächlich gleichzeitig gestorben sind. So schöne Zufälle gibt es!

Und wenn du dich auch mal freuen möchtest, musst du dir unbedingt die Serie Frierundfünfzig anschauen. Was war das damals schmerzlich für mich, als die Serie „Dani Lowinski“ mit Annette Frier als Anwältin, die ihre Sprechstunde im Untergeschoss einer Einkaufsmall abhielt, eingestampft wurde.

So, und zum Schluss für uns alle ein Grund für geballte Hochfreude. Wir müssen wirklich keine Angst haben, dass Putin uns angreift bzw. dass wir nicht verteidigungsfähig sind. Denn so stand es in meinem SCHAUFENSTER zu lesen: Ein schlecht gesicherter Baum kann bei einer Vollbremsung zum gefährlichen Geschoss werden. Ein 30-Kilo-Baum wird bei einer Vollbremsung von 50 km/h schnell zu einem 750-Kilo-Geschoss. Ich bin bereit!

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bar oder gar nicht?


Was soll ich sagen? Soll ich jetzt den Job der Kassiererin übernehmen? Ich glaube, es war in Maastricht, da musste ich zum ersten Mal in meinem Leben an eine SB-Kasse, weil es nur die gab! Als ich dann ganz weltfraulich mit Karte bezahlen wollte, stellte ich fest, dass meine SB-Kasse nur Bargeld annahm. Die Nachbarskasse hätte hingegen nur die Karte akzeptiert. Hallo, jetzt stelle ich mich schon notgedrungen den Herausforderungen unserer Zeit, gehe selbstredend davon aus, dass nur Karte – und dann darf ich nur mit Bargeld zahlen! Witzig! Und dann rauscht auch noch das 2-Euro-Stück durch! Da hatte ich eben besagtes Déjà-vu mit dem Reiben der Münze am öffentlichen Fernsprecher.

So, nun aber mein Projekt: Vor Wochen habe ich damit gestartet und mit Sicherheit wird es sich noch Wochen und Monate hinziehen. Weil, schau dir doch mal die Kommandobrücke an! Da krieg ich schon Schnappatmung beim bloßen Hinschauen! Irgendwie sieht es aus, wie ein moderner Operationstisch für minimalinvasive Eingriffe oder wie das Schaltpult einer Müllverbrennungsanlage. Was ich selbstredend nach meinem Erlebnis in Maastricht zu Beginn in Erfahrung gebracht habe: Welche SB-Kasse akzeptiert was? Und, rate mal, ich nenn es jetzt einfach „Da, wo ich mittlerweile meistens hingehe“ gibt es nur SB-Kassen, an denen ich mit Karte bezahlen kann. Ein Stressfaktor weniger. Was aber so was von ohne Bedeutung ist, weil es hundertfünfundneunzig andere Hürden für mich zu überwinden gilt.

Das erste Mal, gut, ich war es auch selbst schuld. Eigentlich war es ein guter Plan: Ich gehe zuerst ohne Einkaufswagen rein und nehme nur ein Produkt. Ein Liter Vollmilch zum Beispiel. Mit diesem Produkt gehe ich dann an die SB-Kasse, trainiere, was zu machen ist, verlasse mit dem durch Kassenzettel bewiesenen bezahlten Produkt den Laden, nehme mir nun einen Einkaufswagen und starte mit dem eigentlichen Einkauf. So genau gehe ich vor, immer natürlich mit ein wenig größerer Herausforderung – Ausnahme das erste Mal! Da habe ich mich komplett überschätzt bzw. wusste nicht, was da an Komplikation auf mich zukommen würde: Ich sage nur Strauchtomaten. Ich weiß jetzt nicht, wo ich dich mental abholen muss, meine Strauchtomaten sind nicht abgepackt, sondern lose. Will heißen, ich stecke sie in einen Plastikbeutel. Für diese Fälle führe ich immer in meinem Rucksack Plastikbeutel vom Bäcker meines Vertrauens mit. Der packt mein Brot nämlich immer in einen Plastikbeutel und ich, von wegen Nachhaltigkeit, schmeiß den nicht weg, sondern eben Strauchtomaten, lose. Und jetzt kommt’s. Woher hätte ich das vorher wissen können? Steh ich mit meinen drei Strauchtomaten in Plastikbeutel an der Kommandobrücke, lege sie auf die Waage, drücke tatsächlich die richtige Produkttaste, warte auf den Preis. Da fragt mich die Maschine, ob ich einen Knotenbeutel benutzt habe, ob die Tomaten in einem Beutel sind. Und da gab es jetzt trotz intensiven Suchens keinen Buzzer, wo ich Folgendes hätte eingeben können: Ja, ich habe einen Plastikbeutel benutzt, aber der ist nicht von hier. Ich habe dann in meiner Not auf „Abbrechen“ gedrückt und, indem ich mich an der Menschkassenschlange vorbeigedrängelt habe, das Geschäft verlassen – in der Hand besagte Stauchtomaten. Auf dem Weg zu den Einkaufswagen sah ich mich plötzlich aus der Sicht einer Kamera: Eine Frau verlässt schnellen Schrittes das Geschäft, ohne die Strauchtomaten bezahlt zu haben.

Aus diesem Vorfall habe ich selbstredend gelernt. Und habe dann, wie ich dir eben schon sagte, mit ganz einfachen Dingen angefangen, wie der Liter Milch. Oder 500 g Magerquark. Übrigens, während ich da so stehe und die Codes eingebe (ich bin ja jetzt so was von codefixiert. So oft wie ich jetzt auf diesen Barcode schaue, habe ich das noch nie, weil es bis jetzt beim Einkauf nicht zu meiner Kernkompetenz gehören musste!). Während ich also mich jedes Mal so was von freue, wenn die Maschine "Pling!" macht, weil sie den Code erfolgreich gescannt hat, die Frage in meinem Köpfchen, warum das eigentlich Barcode heißt, obwohl ich ja gerade nicht mit Bargeld bezahle. Du denkst jetzt, ich verscheißere dich. Tu ich nicht, ich wusste es wirklich nicht. Warum soll ich dir das nicht ehrlich sagen. Es war mir offensichtlich vorher nicht wichtig genug, das einmal herauszubekommen. Deshalb habe ich du weißt schon was. Und hier die Antwort: Mit Barcode (engl. bar = Balken) oder Strichcode werden maschinenlesbare Schriften bezeichnet. Diese können mit speziellen Strichcode Lesegeräten (auch Barcode Scanner) erfasst werden, um die Daten weiterzuverarbeiten. Der Begriff Barcode entstand aus den ursprünglich nur eindimensional dargestellten Codes (1D-Code).

Nachdem ich ganz, ganz oft bei ein und demselben Lieblingsdiscounter geübt hatte (mal mit nur einer Banane oder einer Flasche Rotwein), dachte ich mir, jetzt kannst du ohne Stress auch mal zu deinem anderen Lieblingsdiscounter gehen. Ich lud also in meinen Einkaufswagen 100 g abgepackten Feldsalat, auf dem folgendes rote Schild klebte: Ich bin noch gut! -30%. Und, du weißt, was nicht fehlen darf, die Flasche Rotwein. Und ja, ich dachte im Vorfeld, bei der Rotweinflasche wird ein Mensch draufschauen wie bei meinem anderen Lieblingsdiscounter, ob ich schon 18 bin. So witzig, es war genau anders herum: Keine Sau interessierte sich dafür, ob ich schon Rotwein kaufen darf. Aber beim Thema Rabatt, holla die Waldfee. Während ich bis jetzt gewohnt war, dass der Rabatt-Aufkleber einen eigenen Barcode hat, war das hier jetzt anders. Du musstest am Ende explizit für den Artikel eine Rabatt-Taste drücken. Und während ich registrierte, dass die Maschine das Bezahlen verwehrte, rief mich auch schon die Kassiererin, und ich musste ihr den Feldsalat mit dem Aufkleber zeigen.

Hallo, was für ein Wahnsinn! Ich als Kundin habe es offensichtlich mit zwei verschiedenen Softwareprogrammen zu tun. Nicht nur, dass ich selbst alles scanne, nein, ich muss mir auch merken, welches Softwareprogramm was kann.

Mittwoch, 12. November 2025

Die Hunsrück-Story


Jetzt aber: die Herausforderung 2025 für mich schlechthin. Lange genug musstest du ja warten. Ich kam ja deshalb auf das Thema, weil ich eine Münze am Metall reiben musste, damit die nicht einfach so durchrauscht.

Stichwort Lieblingsdiscounter – mal schauen, wer am Ende des Tages noch mein Lieblingsdiscounter ist. Weil, da hat sich ja so was von viel getan. Gut, es ist jetzt nicht so, dass ich Angst habe zu verhungern. Nicht, weil mir das Geld fehlt. Das ist zurzeit noch nicht das Problem. Aber ich merke, dass ich in letzter Zeit zunehmend Puls habe, je näher es ans Bezahlen geht. Wobei ich näher im wahrsten Sinne des Wortes meine, physikalisch. Oftmals ertappe ich mich dabei, dass ich mich extra an die längere Schlange anstelle, weil ich mental einfach noch nicht bereit bin. Weil ich die längere Wartezeit, die Ruhephase, die Meditation unbedingt brauche. Ich bin einfach nicht so schnell. So langsam kann ich gar nicht alt werden, wie die Veränderungen schnell vonstattengehen. Kaum hatte ich die Sache mit der APP auf dem Handy, das ich an der Kasse zücken muss, im Griff. Weil, das ist ja schon einiges, was du da sparen kannst. Kaum hatte ich, also du konntest jetzt nicht von einer gewissen Routine sprechen. Also gerade hatte ich das Gefühl, den Anschluss nicht verpasst zu haben. Da tauchen plötzlich neben den Kassen mit Mensch so Selbstbedienungskassen auf. Ich weiß, was du jetzt denkst: Hab dich nicht so, dann geh doch einfach an die Kasse mit Mensch. Mach ich ja. Aber die Angst, die jedes Mal mitschwingt, dass ich es doch bitteschön dringend lernen sollte, weil es bald nur noch menschlose Kassen gibt. Und, was soll ich sagen, ehrlich, ich habe auch Stress an den neuen Menschkassen meines Lieblingsdiscounters. Ich mach dir mal Internet, damit du weißt, was ich meine: Kassen mit doppeltem Warenschacht werden auch als Doppelkassen bezeichnet. Sie sind ein Konzept, bei dem zwei Kunden gleichzeitig an einer Kasse abgefertigt werden können, weil sie einen verlängerten Aufbau mit zwei separaten Schächten und Auslagen haben. Während ein Kunde bezahlt, kann der Mitarbeiter bereits die Ware des nächsten Kunden scannen, was den Prozess beschleunigen soll. Ja, du hast Recht, kenn ich ja auch schon von Rossmann, dass die dann ein zweites Fach aufmacht, damit die Kundin vor mir ihre Zahnpasta und Wimperntusche in RUHE einpacken kann. Hier bei meinem Discounter (hast du gemerkt, Lieblingsdiscounter ist nicht mehr.) geht es um ganz was anderes. Kaum hat das Kassierende die letzte Ware des Kunden vor mir abgewickelt, schiebt es meine Waren in den zweiten Warenschacht. Kein Problem, wenn ich den Schacht bekomme, der mir am nächsten ist. Wenn anders, muss ich mich erst um den noch einpackenden Kunden mit meinem Einkaufswagen winden, selbigen in die richtige Position bringen, höre währenddessen schon von Weitem eine Zahl, die vermutlich den Betrag darstellt, den ich zu zahlen habe – und habe noch nicht ein einziges Teil in meinen Wagen geworfen. Und während ich anfange, meine Geheimzahl einzugeben, schiebt das Kassenmensch bereits die Waren meines Hintermannes in den Nebenschacht (du merkst, der Schacht hat es mir angetan.). Was ich sagen will: Es gibt für die Kassiererin nicht mehr die paar wenigen Sekunden zwischen zwei Kassenkunden, in denen der erste seinen Bezahlvorgang abwickelt, seine Karte einsteckt, ja, einen Kassenbon haben möchte und einen schönen Tag wünscht.

Wo ich jetzt aber gerade beim Einkaufen bin und an der Kasse stehe: da mal eine süße Geschichte! Im Jahre 2024 haben mein Traummann und ich in Hamburg in der Deichstraße eine Crêpe gegessen. Total lecker mit karamellisierten Äpfeln und Maronencreme. Das Projekt war klar: Das machen wir zuhause - und haben ganz Hamburg nach Maronencreme abgesucht. In Supermärkten, so groß wie eine Kleinstadt – ohne Erfolg. Und komm mir jetzt nicht mit im Internet bestellen. Weiß ich selber. War keine Option, wollte ich analog jagen. 2025 im Herbst machen mein Göttergatte und ich Urlaub im Hunsrück. In dem kleinen Städtchen Kastellaun gibt es jetzt außer einer Burgruine nicht wirklich viel zu erkunden. Und du kennst das selbst, wenn du jetzt einen Tag erwischst, der sich nicht wirklich zum ganztägigen Wandern anbietet, wenn es so richtig üsselig ist, wenn du schon stundenlang gelesen hast oder auch ein wenig altersgerechten Sex hattest. Dann schlendere ich auch mal ohne Einkaufszettel ziellos im Edeka oder Rewe herum. Schaue auch mal rechts und auch mal links in die Regale. Interessiere mich für Produkte, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt – Urlaub eben (nebenbei, drinnen im Laden ist es auch absolut wärmer als draußen und nichts Nasses kommt von oben). Und was glaubst du, was wir da gefunden haben? Richtig, bei den Marmeladen Maronencreme von der Firma Maman. Wir natürlich direkt alle Gläser aufgekauft. Dann Herbst 2025, wieder im Hunsrück, wieder bei Edeka. Weil ich keine Maronencreme finde, frage ich eine Verkäuferin: „Wir haben letzten Herbst einige Gläser Maronencreme gekauft.“ Verkäuferin: „Da waren Sie die einzigen. Die ist bei uns nicht gelaufen. Deshalb ist sie herausgenommen worden.“ Stunden später, ich hatte jetzt wirklich den bestmöglichen Überblick über das Warensortiment gewonnen, läuft besagte Verkäuferin hinter uns her: „Das Glas habe ich noch im Lager gefunden, das will keiner von uns haben, das wird sonst weggeschmissen.“ In ihrer Hand hält sie ein Glas Maronencreme, darauf ihre Signatur, damit die Kassiererin weiß, dass wir es geschenkt bekommen. An der Kasse erzähle ich der Kassiererin die abgekürzte Geschichte. Die sagt: „Ich wurde nicht gefragt, ob ich das Glas haben will.“ Sie schaut auf das Etikett und sagt: „Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt.“ Nebenbei, im Edeka in Kastellaun im Hunsrück gibt es weder die neuen Doppelkassen noch SB-Kassen.  

Wo ich gerade bei der süßen Crêpe war, noch ein süßer Witz aus dem Film „American Fiction“: Zwei Rosinen im Vorratsschrank: Die eine Rosine lacht und fragt die andere: „Warum um alles in der Welt hast du einen Helm auf dem Kopf?“ Antwortet die andere: „Na, weil ich gleich in den Stollen muss.“ Und, das gehört zum eigentlichen Witz dazu, sagt mein Traummann doch tatsächlich zu mir, während ich mir den Witz für dich aufschreibe: „Schatz, vergiss’ es, den wirst du sowieso falsch erzählen“.

Und nächstes Mal Herausforderung Teil II, genau, das Bezahlen an der SB-Kasse. Eigentlich, wenn ich ehrlich bin, komm ich ja erst jetzt zu der Münze. 

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Vielleicht doch zwei Slipeinlagen übereinander?


Ich hatte es dir schon angedroht, also maul nicht rum. Du weißt Bescheid, dass es heute noch einmal in die Schweiz geht – aber dann, versprochen: die Herausforderung 2025 für mich schlechthin!

Dieses Jahr wollte mein Göttergatte unbedingt auf den Titlis. Ein Berg, du verstehst, Aussicht und so. So, was musst du jetzt über den Titlis wissen? Ich fasse mal das Internet zusammen: Auf 3'062 Meter wird nicht nur eine atemberaubende 360° Rundsicht über das weite Engelberger Tal geboten, sondern auch der Blick in die Tiefe, wo zahlreiche Spalten das Gletschereis durchfurchen. So richtig cool wird es dann bei der Bergstation: Quer durch den Titlisgletscher führt eine 150 Meter lange künstliche Gletschergrotte direkt ins Herz des Gletschers. Hier hängt die Decke voller Eiskristalle, geheimnisvoll blau schimmert das Gletschereis und Gletscherspalten öffnen sich in der Decke. Warm anziehen sollte sich, wer ins Eis steigt, denn unter dem 20 Meter dicken Gletscher steigt das Thermometer nicht höher als -1° C! Eine weitere Attraktion ist der «Titlis Cliff Walk» – die höchstgelegene Hängebrücke Europas. Hast du gelesen, Schätzelein? Dass es da oben recht zugig ist, dass du dich da warm anziehen solltest – habe ich. Alles, was ich für den gesamten Sommerurlaub im Köfferchen von Bonn aus mitgenommen hatte, habe ich mir übergezogen. Und trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich im Gletscher jetzt geschwitzt hätte. Was da das absolut Perverse ist, abgesehen von der Tatsache, dass die einen Tunnel durch den Gletscher gebohrt haben: Weil da so viele Touristen am Tag durchlatschen. Menschen, die ihre Körperwärme abgeben, wird die Temperatur jetzt künstlich kühl gehalten, damit der Gletscher nicht deshalb über Gebühr schneller schmilzt, als er es ohnehin in Zukunft tun wird.

Das aber nur am Rande. Was ich eigentlich erzählen wollte. Was meinem Göttergatten und mir so was von auffiel - nebenbei, selbstredend waren wir schon wieder so was von früh unterwegs. Was uns so was von auffiel. Ich sollte vielleicht sagen, wer uns so was von auffiel, auch in seiner Massierung: der Inder an sich, respektive die Inder. In unserer Gondel eine indische Touristengruppe und wir hören vom Guide, dass er am selben Tag insgesamt sieben indische Gruppen dort oben hinführen wird. Und was uns noch auffiel. Viele, viele junge Inderinnen trugen, also während meine bestrumpften Füße in geschlossenen Wanderschuhen steckten und meine Finger mangels Handschuhen in Wanderwollsocken, trugen viele Inderinnen nackte Füße in Flipflops und wunderschöne bunte, leichte Saris mit nichts drüber! Ich kam mir so was von fimschig vor – und vor allem so was von unbeweglich. Und wenn du drei Unterhosen, zwei Leggings übereinander, eine Radlerhose, eine Radlerregenhose, gefühlt Minimum fünf Oberteile, Bikinihose- und oberteil als Schal und, wie schon gesagt, Männerwandersocken als Handschuhe umgepüngelt hast, siehst du auch scheiße aus. Da weiß ja noch keiner, dass ich mir aus Sicherheitsgründen zwei Slipeinlagen übereinander in die Unterhose geklebt hatte von wegen Blasenentzündung und so. Worüber ich im Nachhinein so was von froh war. Weil, sieh dir mal das Foto an: ich auf dem Eisthron! Und total tiefenentspannt, während mein Traummann den richtigen Winkel zum Fotografieren suchte.

So, wo war ich? Richtig, ich vollkommen bekloppt verkleidet und unbeweglich. Ich mein, wenn du so scheiße aussiehst, das schlägt dir ja auch so was von aufs Gemüt. Und die Inderinnen leicht bekleidet mit Flipflops und bunten Saris – und singend und tanzend und lachend und posend und … Diese Glückseligkeit, diese unglaubliche Freude – ich konnte sie nicht nachvollziehen. Zumal das meist begehrte Motiv „tanzende Inderinnen vor Großbaustelle mit Kränen, Sendemast im Bauzustand  und Bauequipment“ war. Was wir auch nicht verstanden haben, du lasest Hinweistafeln zum WC, zu Shops und Restaurants - und zum INDIAN GROUPS RESTAURANT. Ist das nicht rassistisch, mein Gedanke. Dass man hier offen und schnörkellos zugibt, die Inder bitteschön gerne zusammen in einem Restaurant zu wissen? Geld sollen sie gerne bringen, sich aber in alle anderen Restaurants zu verteilen, wird eher nicht gerne gesehen? Wegen der Gerüche – nicht der Menschen, sondern deren Essen? Oder deren Essensverhalten? Ich fand das dermaßen so was von rassistisch. Und dachte, schau mal, der Schweizer leistet sich das einfach und der Inder tanzt und singt dazu.

Klar, so offen fremdenfeindlich ist der Schweizer natürlich nicht! Da wäre er ja auch schön blöde, so viel Geld wie da mit den Indern verdient wird! Hintergrund, du ahnst es vielleicht schon, ist sich folgender. Ich weiß nicht, kennst du Bollywood-Filme? Ein eigenes Genre. Liebesschmalz, vor allem viele Stunden lang. Und tu jetzt nicht so überheblich nach dem Motto „So einen Scheiß schau ich mir nicht an“. Weil schau Internet: Bollywood-Filme können Thema im Studium sein, insbesondere in den Bereichen Film- und Medienwissenschaften, da sie ein wichtiges kulturelles Phänomen darstellen, das sich mit globalen Themen, indischer Kultur, dem Bildungssystem und gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzt. Und genau so ist es. Deshalb haben mein Göttergatte und ich zwei solcher Filme zu Studienzwecken angeschaut. Problem für mich die Länge. Unter drei Stunden läuft da gar nichts. So, also steig von deinem hohen Ross herunter und lern was von mir! Ich mach dir mal Internet in Kurzform: Der Film „Dilwale Dulhania Le Jayenge“( dtsch. Wer zuerst kommt, kriegt die Braut) aus dem Jahr 1995 ist einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme. Die Aufnahmen am Titlis sind Teil der romantischen und unvergesslichen Momente des Films und machen den Berg zu einem besonderen Ort für Bollywood-Fans. Aufgrund mehrerer dort gedrehter indischer Filme wird der Ort von vielen indischen Touristen besucht.

Deshalb das Motiv, die Baustelle, vor der gesungen und getanzt wird, man sieht den Schriftzug TITLIS im Bild. Deshalb die Finger zum Herz geformt, der Titlis nennt sich mit Zweitnamen THE MOUNTAIN OF LOVE. Und die Sache mit dem Indian Groups Restaurant, natürlich geht es nur darum, den indischen Gästen ihren Aufenthalt auch in kulinarischer Hinsicht so angenehm wie möglich zu machen.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Wickelfisch im Rhein gesichtet


Ich kam ja neulich drauf wegen der Münze, die ich in der öffentlichen Telefonzelle am Metall gerieben habe, und meiner neuen Herausforderung. Worüber ich jetzt aber in dem Zusammenhang schon mehrmals nachgedacht habe: Wenn ich das damals schon hätte kommen sehen, das mit dem Wohnraum und so. Ich hätte geschaut, dass ich an das ein oder andere ausrangierte Telefonhäuschen gekommen wäre und würde das heute als Ein-Zimmer-Appartement vermieten. Ich mein, das ist doch reine Platzverschwendung, dass die heute als öffentliche Bücherschränke genutzt werden. Du weißt, was ich meine. Da hinein stellen Menschen entweder ihre gelesenen Bücher oder holen sich eins zum Lesen heraus. Aber das ist so wie mit dem Thema Brief. Du erinnerst dich, dass jemand damals vor der Telefonzelle wütend gebrüllt hat, du sollest einen Brief schreiben, wenn dein Telefonat ihm zu lange vorkam.

Tja, Brief und Buch  - zwei Dinge, die nachgerade aus unserem Leben verschwunden sind oder dabei sind zu verschwinden. Wie das Wort nachgerade auch fast verschwunden ist. Hier, schau Internet: nachgerade, Adverb. 1. veraltend nach und nach, mit der Zeit, allmählich - „wir haben uns nachgerade daran gewöhnt". 2. gehoben geradezu - "er wurde nachgerade ausfallend, unverschämt". Aber wenn ich noch einige Jährchen warte, ist das Thema Bücherschrank mangels Büchern ja auch durch. Entweder weil wir in einer Gesellschaft leben, in der das Lesen im Allgemeinen überbewertet wird oder weil es keine Bücher mehr aus Papier gibt. Dann schlage ich aber so was von zu!

Wo ich gerade bei Büchern bin, ich bin ehrlich, in den Sommerferien habe ich auch eher wenig gelesen. War viel mit dem Rädchen unterwegs, viel Natur genossen. Es fing ja hier in NRW schon mal so was von blöde an: Weil so viele Menschen im Rhein ertrunken waren, hatte ja Düsseldorf die Reißleine gezogen und ein Badeverbot im Rhein ausgesprochen. Andere Städte folgten. Und da haben mein Traummann und ich uns kurzerhand entschlossen, in die Schweiz respektive nach Basel zu fahren. Nein, Scherz, war schon lange vorher geplant. Aber horch bzw. lies! Gib einfach mal „Basel Schwimmen im Rhein“ ein: In Basel gehört das Schwimmen im Rhein im Sommer zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten und ist an vielen Stellen erlaubt, erfordert aber Vorsicht und gute Schwimmkenntnisse aufgrund der Strömung und Schifffahrt. Es gibt offizielle Flussbäder wie das Rheinbad St. Johann und Breite sowie ein jährliches offizielles Rheinschwimmen. Die Wasserqualität ist in der Regel gut, aber es gelten strenge Sicherheitsregeln, darunter das Vermeiden von Schifffahrtsrinnen und Hafengebieten. Wenn du willst, kannst du noch weiter lesen.

Mein Traummann und ich sind natürlich auch im Rhein geschwommen – und ich habe folgende Frage recherchiert: Sterben in Basel viele Menschen im Rhein? Und warum ist das Schwimmen im Rhein in Basel erlaubt? Nach meinen Recherchen sterben sehr wenige Schwimmer dort. Aber du bist ja schon groß, also recherchier gefälligst selbst! Ich bin nach langer Recherche zu folgender Meinung gelangt: Der Schweizer – ja, auch die Schweizerin – schwimmt nur dann im Rhein, wenn er ein guter Schwimmer ist. Wirft die Frage auf, ob der Schweizer intelligenter ist als der Deutsche. Oder anders: Gibt es hier in NRW überproportional mehr blöde Menschen als in Basel oder sonst auf der Welt? Menschen, die von sich ein realitätsfernes Eigenbild haben?

Was ich übrigens in dem Zusammenhang total witzig finde: Manche Baseler schwimmen morgens zu ihrem Arbeitsplatz bzw. lassen sich dorthin treiben. Wie sie es schaffen, dass die Kleidung trocken bleibt, erklärt dir das süße Tutorial „How to use a Wickelfisch“. Nebenbei, der Wickelfisch wurde 2002 von Tilo Ahmels als Marketing-Gag für die IWB erfunden, um die Rückkehr der Wasserqualität des Rheins zu feiern. Und, lies: Der Wickelfisch ist eine innovative, wasserdichte Schwimmtasche in Fischform, die in Basel erfunden wurde und Kultstatus erlangt hat, um beim Schwimmen im Rhein die Kleider trocken zu halten. Man kann ihn bei der Touristinformation Basel mieten oder direkt kaufen. Der Wickelfisch wird in verschiedenen Größen und Designs angeboten und ist ein unverzichtbarer Begleiter für das beliebte Rheinschwimmen in Basel und darüber hinaus. Hast du mitbekommen, oder? Der Tilo Ahmels (gib den mal ein) hat den Wickelfisch 2002 in Basel erfunden. Der Durchbruch erfolgte im Hitzesommer 2003, als das Schwimmen im Rhein populär wurde. Produktion - Der Wickelfisch wird in der Schweiz von der Wickelfisch AG konzipiert und designed. Sie ist seit 2017 für das Produkt und die Marke verantwortlich. Den folgenden Satz kriegst du erst zum Schluss – von wegen der Spannung. Marke & Kultur - Seit 2010 ist die Marke Wickelfisch® eine geschützte und eingetragene Marke. Der Wickelfisch ist in der Schweiz ein KULTURGUT geworden. Ich hab dir Kulturgut extra in Großbuchstaben geschrieben. So, jetzt der Satz, halt dich fest: Die Produktion erfolgt in China in sorgfältiger, serieller Handarbeit.

Ich lach mich kaputt! Hallo, die Schweizer, die bei Lidl ihre heimischen Produkte so was von bewerben! Überall die Schweizer Flagge drauf. Und hier, schau dir das Foto an:


15 Import-Eier Bodenhaltung. Da weißt du doch sofort bescheid, Schätzelein, was Sache ist. Da weißt du doch sofort bescheid, dass du da billigen Scheiß kaufst. Und dieselben Schweizer haben ein Schweizer Kulturgut, in der Schweiz in Basel von einem Mann erfunden, der seit 1997 in Basel lebt. Und dieses Kulturgut wird in China gefertigt – selbstredend in sorgfältiger, serieller Handarbeit. Würde ich genau so schreiben. In der Schweiz, wo alles so was von teuer ist. In der Schweiz, wo die so was von stolz auf ihre Identität sind, da wird der Wickelfisch in China produziert. Ich glaub’s ja nicht.

Wo wir gerade bei Badeunfällen sind. Bitte, sei so lieb, und sei ehrlich, so richtig was wirklich anders Wichtiges hast du doch gar nicht zu tun, lies dir mal die Seite https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/badeunfaelle-bademeister-bds-dlrg-100.html

durch. Nur ein paar wenige Stichworte aus dem Beitrag: Steigende Zahl von Badeunfällen, Eltern achten nur auf ihr dämliches Smartphone. Bademeister sind keine Kindergärtner. Zum einen unterschätzen Menschen die Gefahren im Wasser wie Strömung und Temperaturunterschiede. Zum anderen überschätzen sie ihre eigenen Schwimmfähigkeiten. DLRG-Statistik - 15 Menschen an einem Wochenende ertrunken - Stand: 26.06.2025. Schau dir gefälligste den ganzen Beitrag an!

Wie ich mich schon oben zu fragen wagte: Wohnen in NRW überdurchschnittlich viele Menschen, die von sich ein realitätsfernes Eigenbild haben?