Mittwoch, 9. September 2026

Was gibt es Neues?


Was gibt es Neues? Ja, ich bin ehrlich, gebe es unumwunden zu. Es gab Krise an der Paarfront. Ich war oft allein. Mein Göttergatte, oder besser, ich sage jetzt realitätshalber, mein Gatte, verließ früh morgens das Haus, kam zum Mittagessen kurz nach Hause, um dann aber schnellstmöglich wieder das Weite zu suchen. Was ja in Bonn tatsächlich immer schwieriger wird – das Weite suchen. Zumindest in einigermaßen akzeptabler Zeit.

Trotz Krise oder gerade deswegen konnte mein Mann sich für eine Fahrradtour in den Sommermonaten loseisen und wir haben wieder viele Fahrradkilometer zurückgelegt – hintereinander. Jetzt nicht nur die Kilometer, sondern auch er und ich. Das muss man ja mal ganz ehrlich sagen. Das hört sich immer so pärchenmäßig an, aber wenn wir so den ganzen lieben, langen Tag auf dem Rädchen sitzen, findet ja keine Kommunikation, kein Gespräch statt. Weil, er weit vor mir, vorzugsweise am Berg, und ich irgendwann dahinter. Da kannst du es als Mann, wenn du gerade Zoff hast mit deiner Tusnelda, schon einige Tage aushalten. Weil, kaum angekommen am Ziel, schläft die quasi schon im Aufzug zum Zimmer im Stehen. Und er kann sich zumindest auf Entfernung mit Hilfe vieler Fotos vergnügen.

Was ich aber sagen will, zum Beispiel haben wir den Isarradweg gemacht und waren dann auch drei Tage in München. Und, ja, natürlich im Augustiner Biergarten, dort, wo’s zünftig zugeht. Und da siehst du jetzt wieder mal, wie es um unsere Gesellschaft steht. Ich mein, man kennt das, wenn man eine Ferienwohnung gebucht hat. Da steht dann im Kleingedruckten, und das schon seit vielen Jahren, dass so was wie Junggesellenabschiede in der Ferienwohnung nicht gestattet ist. Ich mir da schon immer gedacht, was mögen da für Partys abgegangen sein, dass die das mittlerweile reinschreiben. Für solch einen Anlass bietet sich doch bitteschön ein Biergarten an. Da ist es ohnehin recht laut und prollig. Und jetzt schau doch bitte mal genau auf das Foto, das ich für dich gemacht habe. Hallo, und jetzt meine Frage noch einmal: Was muss da abgegangen sein? Wie müssen die sich verhalten haben? Und definitiv muss das oft passiert sein, sonst gäbe es diesen Aufsteller nicht.

Und wo ich gerade bei asozialem Verhalten bin. Es gibt wieder Neues von der Kasse bei einem meiner Lieblingsdiscounter. Aber nicht, wie du denkst, an der SB-Kasse. Nein, an der Kasse mit Mensch. Solange ich denken kann, wenn ich fünf Flaschen vom selben Wein gekauft habe, direkt als erstes eine aufs Band und dazu gesagt „insgesamt fünf“. Und wenn ich aus Versehen alle Produkte einer Sorte aufs Band gelegt habe, sofort der Kassierer „Eine reicht, kommen Sie mit dem Wagen rum“. Neuerdings heißt es „Alles aufs Band legen“. Meinem Mann mehrere Male passiert. Ich habe mich jetzt noch nicht getraut, 40 Packungen Mehl zu kaufen, um zu schauen, ob ich die auch alle einzeln aufs Band legen soll.

Was aber genau sagt mir das wieder? Rhetorische Frage, du verstehst? Denn klar, es bedeutet, dass dermaßen viel geklaut wird. In einem Maße, dass sich die Entscheidungsträger ob ihrer Hilflosigkeit diese unsinnige Anweisung für ihre untergebenen erdnahen Rödelkröten, den Mitarbeitern an der Kasse, haben einfallen lassen. Dass zum Beispiel unter den vielen Mehlpackungen ein teures Kleidungsstück liegt.

Wo ich aber gerade an der Kasse bin. Mal ein ganz anderes Beispiel. Es trug sich zu in einem Supermarkt in Innsbruck. Für eine hoffnungslos veraltete Parkuhr benötigten wir ausschließlich Münzen. Wir keine halbe Münze im Portemonnaie (Wahnsinn, dass du heute auch Portmonee schreiben darfst!). Ich mit einem 10-Euro-Schein an die Kasse, nur um zu wechseln. Denke „Glück gehabt, keiner vor mir“. Denkste, die Kassiererin „Die Kasse muss erst geöffnet sein“. Hieß warten auf den nächsten Kunden. Keiner in Sicht. Das Gespräch bekam die Kundin mit, die zuletzt bezahlt hatte und gerade ihre Waren verstaute. Sie „Ach, dann kaufe ich noch eine Kleinigkeit“. Nahm sich eine Tüte Bonbons mit den Worten „Die wollte ich immer schon mal ausprobieren“, die Kasse wird also geöffnet und ich bekomme eine Hand voll Münzen im Wert von 10 Euro. Nun zwei Fragen dazu. Wie unglaublich nett ist das denn von der älteren Dame? Aber zweitens. Warum bin ich Vollpfosten nicht darauf gekommen? Vermutlich weil ich vorher die Parktarife gelesen hatte und davon ausging, dass ich jeden Cent zum Parken brauche.

Hallo, sag es doch, dass ich vergessen habe, dir zu sagen, wo mein Mann sich wochenlang rumgetrieben hat. Gut, sie ist Baujahr 1967, also 59 Jahre alt, also, ja, jünger als ich. Aber wegen der paar Jahre setzt man doch eine langjährige Ehe nicht aufs Spiel. Sicher, wir hatten unsere Probleme, und es ging auch oftmals laut zu – im Streit, nicht im Bett. Und was ich nie mochte, ich bin da knochenehrlich, und ja, öffne mal kurz auch unsere Schlafzimmertür. Ich mochte und möchte keine Kamera dabei. Das ein oder andere ist möglich, Verhandlungssache, aber ohne die ewige Zeugin. Nun gut, wir werden auch nicht jünger. Auch die Männer nicht, auch mein Mann nicht. Und wenn es nun ein Herzenswunsch ist. Ich habe das dann im Nachhinein verstanden. Auf was will der Mann warten? So eine Gelegenheit bietet sich nicht allzu oft vor der Haustür: So richtig laut, so richtig schmutzig, so viel Equipment. Und vor allem so viel geballte Muskelkraft, so viel Schweiß bei der Hitze, da kommst du schon mal in Wallung! Da weißt du nicht, wann es heißer zugeht. Tagsüber oder nachts? All das gab es beim laufenden Abriss der Vorlandbrücke (Nordbrücke). Und alles durfte er fotografieren!

Zum Schluss noch ein Rätsel für dich. Komm drüber, meine Tochter hat es sofort gelöst. Ich hatte das Fragezeichen  noch nicht ausgesprochen, da kam, wie aus der Pistole geschossen, die Antwort. Frage: Zu welchem Konzert gehe ich mit meiner Freundin im Frühjahr? Kleiner Tipp von mir für dich. Es ist nicht Helene Fischer. 

Donnerstag, 20. August 2026

Beschimpf mich doch!


Ich hatte dir ja schon erzählt, dass ich über jedes zusätzliche finanzielle Standbein dankbar bin, seitdem mein Göttergatte im, wenn auch verdienten, Ruhestand ist. Du weißt, meine Anstrengungen auf der Klappleiter auf meiner Verkehrsinsel an der Josefshöhe. Ja, und ich weiß, ich habe dir versprochen, das Thema Vollsperrung der Nordbrücke absolut außen vor zu lassen. Aber, seitdem sind meine Nebeneinkünfte so was von mau. Weil, aus Richtung Autobahnabfahrt Bonn-Nord kannst du jetzt die PKW an einer Hand abzählen. Aber auch sonst, das Thema Geldverdienen mit Autofahrern, die an einer roten Ampel warten, kannst du knicken. Die sind hier in Bonn so was von angenervt. Da kannst du dir nicht sicher sein, ob die dich nicht einfach überrollen, wenn du ihnen einen Flyer hinter die Scheibenwischer stecken willst. Was ich jetzt eigentlich sagen möchte. Es gilt für mich, mir eine neue Einkunftsquelle zu suchen. Und da hat mich letztens der alte, weiße Mann drauf gebracht. Nicht, dass ich dem im Nachhinein noch so was von dankbar sein muss.

Du erinnerst dich? Die Sache mit dem alten, weißen Mann im Cabriolet, der mich. Damit du jetzt nicht jedes Mal zusammenzuckst, wenn ich es dir hier ausschreibe, spreche ich ab jetzt nicht von dem Wort „Fotze“, sondern von dem F-Wort. So jetzt schau einmal. Ich habe mir nach besagtem Ereignis mal die Mühe gemacht und recherchiert, was ich da verdient hätte, wenn ich das aufgenommen hätte. Genau, ich habe mir im Bußgeldkatalog das Strafmaß für verbale Beleidigungen im Straßenverkehr angeschaut. Da findest du, um mal ein paar Beispiele zu nennen, die „dumme Kuh“ für 300 € und „du blödes Schwein“ für 475 €. Sogar „Bei dir piept’s wohl“ bringt schon – oder kostet, je nach dem von welcher Seite du es betrachtest – 750 €. Von „du Schlampe“ kannst du schon mal einen Monat gut auskommen, bringt 1.900 €. Laut Bußgeldkatalog kommst du am besten über die Runden, wenn du „alte Sau“ genannt wirst: 2.500 €.

Ich jetzt natürlich weiter gesucht nach diesem F-Wort. Und stell dir vor, hab ich dort auf dieser Seite nicht gefunden. Ich hab dann noch mal meine willige Freundin, die KI, gefragt, und die sagt mir Folgendes: Eine solche Äußerung ist eine Straftat nach § 185 des Strafgesetzbuches (StGB) und wird von Gerichten individuell bestraft. Üblich sind Geldstrafen von 20 bis 30 Tagessätzen, die je nach Einkommen des Täters und Härte des Wortes von einigen Hundert bis zu mehreren Tausend Euro reichen können. Rechtliche Einordnung, kein fixer Katalog: Feste Beträge in Tabellen im Internet basieren lediglich auf früheren Einzelfallurteilen einzelner Gerichte und sind nicht verbindlich. Strafmaß: Im Regelfall verhängen Gerichte eine Geldstrafe. Die Höhe bemisst sich an Tagessätzen (Monatseinkommen geteilt durch 30).

Wo ich gerade dabei bin. Erinnerst du dich noch an den Fall Renate Künast? Man hatte sie in den sozialen Medien u. a. „Drecksfotze“, „Schlampe“, „Drecksau“ genannt. Und nach Auffassung des LG Berlin handelte es sich dabei nicht um eine strafbare Beleidigung. Die Entscheidung wurde mittlerweile aufgehoben und das Bundesverfassungsgericht hat glücklicherweise klargestellt, dass es sich sehr wohl um Beleidigungen handelt. Sorry, fiel mir gerade in dem Zusammenhang ein. Der Hammer, oder?

Wo war ich gerade? Genau, nachdem ich mich jetzt so was von im Internet verloren habe. Liebe Ellen, da fällt mir ein, hast du nicht noch anderes zu tun? Ich bin mir nicht sicher, ob du jetzt wirklich weiter lesen solltest. Vielleicht hast du ja noch das ein oder andere an Hausarbeit zu erledigen. Schlüpfer bügeln oder hinter dem Schrank den Staub mit Hilfe eines Betttuchs entfernen. Weil, so ein wenig würde ich mich schon schlecht fühlen, wenn ich wüsste, du liest jetzt die folgenden Zeilen. Irgendwo habe ich ja auch, selbst wenn du es nicht für möglich hältst, ein Gewissen.

So, jetzt. Gedankenspiel. Du hast aufmerksam gelesen? Das Strafmaß bemisst sich nach dem Monatseinkommen des Täters, des Mannes, der das F-Wort sagt. Jetzt Problem, gehst du nach seinem Auto, dann kann es dir passieren, dass ein armer Schlucker seine letzten Kröten zusammengekratzt hat, nur um einmal mit so einer Angeberkarre zu fahren. Ich würde auf seine Beifahrerin achten. Also das Beste, was mir passieren könnte, wäre ein alter, weißer, vor allem hässlicher Mann mit einer blutjungen, bildhübschen Mitfahrerin. Davon ausgehend, dass die nicht strunzblöde ist. Dann kann ich davon ausgehen, dass der tatsächlich Knete hat. So, gleiche Situation wie letztens, aber ich gebe zu verstehen, dass ich trotz Rot über die Ampel fahre und – jetzt der Knüller – strecke die Zunge raus; kostet laut Bußgeldkatalog nicht viel. Anders der Stinkefinger! Nicht, dass ich da am Ende noch mit einem Minus rausgehe! Und  jetzt die Strategie: Tonaufnahme am Fahrrad. Was es da alles an technischen Möglichkeiten gäbe, liebe Ellen! Aber, wie gesagt, reg dich nicht künstlich auf, ist ja nur ein Gedankenspiel. Es scheitert ja schon daran, dass seine Beifahrerin ja auch mein Zunge-raus-Strecken sehen würde. Es sei denn, ich bekomme so viel Geld, dass ich ihr anbiete zu teilen. Du siehst, Ellen, noch alles in nassen Tüchern.

Übrigens, es gibt noch ein schlimmeres Wort als das F-Wort. Sag ich aber nicht. (Vollkommen zusammenhangslos, ich weiß auch nicht, wie ich gerade drauf komme. 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht.) Nicht, dass es nachher von der Ellen heißt, ich hätte dieses Wort quasi erfunden. Mein Göttergatte und ich schauen mit Begeisterung die Serie „Doppelhaushälfte“ und da wurde dieses Wort in den Mund genommen. Nebenbei, wenn du so was von abgespannt bist, einfach mal runterkommen möchtest, von welcher Höhe auch immer: „Doppelhaushälfte“ oder „Modern Family“!!

Apropos, Tipp von mir für dich: Tituliere keinen Mann mit „Wichser“, kostet dich 1000 €, wenn du Pech hast. Ich habe mir angewöhnt, einfach „ alter, weißer Mann“ zu sagen.


Donnerstag, 30. Juli 2026

Darf sie das?

 


Damit ich es nicht vergesse, vorab einmal zwei Serien-Tipps von mir für dich. Einmal ist es die vierteilige Miniserie „Unschuldig – Mr. Bates gegen die Post“. Ich mach dir mal Zusammenfassung: Nach der Einführung eines neuen Computersystems klaffen in den Kassen kleiner Postämter plötzlich finanzielle Löcher. Die Post behaupt
et, alles Einzelfälle. Doch Alan Bates glaubt seinem Arbeitgeber nicht. Toby Jones spielt die Hauptrolle in dieser schockierenden und WAHREN David-gegen-Goliath-Miniserie, die über eins der größten Justizirrtümer in der britischen Rechtsgeschichte erzählt. Ich sag dir, der Hammer in Dosen!! Beeil dich, ich weiß nicht, wie lange das noch in der ARTE-Mediathek ist. Zweiter Tipp für dich bei Netflix „Anne with an E“. Da brauchst du allerdings einen etwas längeren Atem. Worüber du dich freuen wirst. Alleine schon das Intro!

So, was steht an? Genau, noch eine Begebenheit auf einer unserer mehrtägigen Radtouren. Ich plötzlich ein Pfffffft – also nicht ich, sondern ein Reifen. Mittags, heiß wie Sau. Es kam alles zusammen: Anderes Rädchen, deshalb keine Luftpumpe dabei. Wir erst einmal bis zu einem Campingplatz am See geschoben. Viele Menschen, viele Helfer. Ein Loch im Schlauch, der Mantel lässt sich nicht abziehen, zig Mantelheber zerbersten, mein Schatz so was von durch. Und dann noch jemand, der seine Hilfe anbietet: Ein Radfahrerpaar kommt neben uns zu stehen und er fragt, ob er helfen könne. Und weil schon so viel vergeblich geholfen wurde, winkt mein Traummann mit „Nein, danke“ ab. „Kein Problem, wir wollen sowieso hier am See Rast machen. Wenn es doch etwas zu helfen gibt, wir sitzen da vorne“ die Antwort. Und, es war mit Ansage, schon nach ein paar Minuten mein Mann „Ich glaube, ich benötige doch Ihre Hilfe“. Und ab dann ging es nur noch bergauf: helfend, unterstützend, ohne dir das Gefühl zu geben, dass du nichts weißt und er alles. Er habe als Rennradfahrer schon viele Male vor dieser Aufgabe gestanden, er freue sich, helfen zu können.

Was für ein Glück, was für eine Hilfe. Danach hatten wir noch das große Glück, uns mit einem Kaltgetränk im Restaurant des Campingplatzes bedanken zu dürfen. So ein netter alter, weißer Mann – wie mein Schatz ja übrigens auch! Es wurde über die letzten Fahrradurlaube geplaudert, über Pannen und interessante Erlebnisse. Und da sagt jetzt mein Göttergatte, das Folgende dürfe ich so nicht schreiben. Was ich nicht verstehe und es deshalb tue.

Unsere Hilfsbekanntschaft erzählte von dem Ort Zell am See und einem höherpreisigen Hotel, in dem offensichtlich viele arabische Gäste absteigen. Dort habe man, also die arabischen Touristen, auf den Hotelgängen gegrillt, so dass mehrere Male die Feuerwehr anrücken musste. Und die arabischen Männer hätten, auf dem Boden sitzend, den vorbeigehenden europäischen Frauen ostentativ unter den Rock geguckt. Und nebenbei, neulich erzählte mir die Mutter einer Tochter, die in Zell am See wohnt, dass dort auf einem öffentlichen Parkplatz arabische Touristen in einer Parklücke ein Tier geschächtet hätten. Was ich mich da jetzt frage: Wissen die nicht, dass so etwas hier verboten ist oder interessiert die das nicht? Mein Göttergatte sagt auch hier, das könne und dürfe ich so nicht schreiben, weil ich das ja nicht selbst erlebt hätte. Kann und darf man drüber streiten. Weil, wenn jeder nur darüber schreiben dürfte, was er selbst mit eigenen Augen gesehen hat, gäbe es nicht sehr viel zu berichten. Ich habe mir das aber zu Herzen genommen, und deshalb jetzt eine Begebenheit, die ich erlebt habe. Wo mein Mann jetzt aber auch wieder sagt, dass dürfe ich so auch nicht schreiben. Aber aus einem anderen Grund.    

Neulich, ein Sonntag gegen Mittag, ich radele auf der Adenauerallee von der Bundeskunsthalle kommend Richtung Zentrum. Es ist heiß, kaum, eigentlich kein Verkehr, grüne Welle. Aber irgendwann wird vor mir eine Ampel dann doch rot und ich halte – widerwillig, weil so was von heiß. Aber ich halte! Von rechts aus einer Sackgasse kommend will ein PKW links auf die Adenauerallee abbiegen. Der PKW, offenes Verdeck, am Steuer ein alter, weißer Mann, neben ihm eine Frau, wartet auf Grün, um nach links abzubiegen. Es ist heiß, ich schwitze und warte. Hatte ich erwähnt, dass ich warte? Der Fahrer bekommt grün, fährt an, fährt die Kurve aber nicht im rechten Winkel aus, sondern in einem  extrem spitzen Winkel. Sodass ich quasi ihm hätte ausweichen müssen, hätte ich ohne Rücksicht auf meine immer noch rote Ampel sofort losfahren wollen. Hast du das verstanden, oder mach ich dir Zeichnung? Ich vergaß, dir zu sagen, dass ich immer noch an meiner roten Ampel stehe. Während ich also immer noch an der Ampel warte, brüllt der alte, weiße Mann: “Es ist rot, auch für dich, du Fotze!“ Hatte ich erwähnt, dass ich wartete und neben dem Mann eine Frau saß? Was selbstredend nicht heißen soll, dass der alte, weiße Mann mich hätte Fotze nennen dürfen, wenn ich bei Rot über die Ampel gefahren wäre. Gibt es ein schlimmeres beleidigendes Wort für eine Frau als Fotze, habe ich die KI gefragt. Hier ihre Antwort: Das Wort „Fotze“ gilt im deutschen Sprachgebrauch als eine der extremsten und verletzendsten Beleidigungen für eine Frau. Es ist eine starke sexualisierte Abwertung, die eine Frau auf ihr Geschlecht reduziert. Ob ein Wort als „schlimmer“ empfunden wird, ist subjektiv und hängt vom Kontext ab. Auf einer ähnlich drastischen Stufe der Herabwürdigung stehen in der Regel Kombinationen und Steigerungen wie zum Beispiel „Drecksfotze“.

Ja, genau dieses Wort ist es, das der alte, weiße Mann gewählt hat. Und das mit einer großen Selbstverständlichkeit. Meine Gedanken dazu: Was für eine Frau saß da neben ihm? Soll ich sie bemitleiden, dass sie ihm ausgeliefert ist? Oder ist das für sie in Ordnung, ganz normaler Alltag? Was meinen Traummann angeht, er war nach der Lektüre dieses Beitrags über Araber in Zell am See und einem alten, weißen Mann, der seine Frau Fotze nennt, vollkommen derangiert. Nebenbei, nach diesem Ereignis bin ich über sämtliche rote Ampeln nach Hause gefahren. Und es gab derer viele! Worüber ich mich am meisten ärgere? Über mich!! Hat es doch die Drecksau geschafft, wie von ihm wissend beabsichtigt, mich genau mit diesem Wort zu verletzen.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Nett hier, aber nicht im Mehrzweckabteil

 

Ich weiß, ich mach mir jetzt so was von viele Feinde. Muss ich halt durch. Aber in Zeiten, wo jedes Individuum, jeder Tuppes sich äußert, in übelster Weise äußert und äußern darf, trau ich mich jetzt auch mal. Ich war ja neulich beim Thema Deutsche Bahn und da musst du jetzt mal durch. Also hier: Ein gelöstes Fahrradticket garantiert Ihnen leider keine Beförderung, sondern erlaubt lediglich die Mitnahme, sofern es die Kapazitäten erlauben. Die Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn und der Verkehrsverbünde regeln die Prioritäten im sogenannten Mehrzweckabteil sehr eindeutig. Die klare Rangordnung im Zug: Wenn der Platz im Wagen eng wird, gilt immer folgende feste Reihenfolge: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Mobilitätshilfen (Rollatoren) haben oberste Priorität. Dann kommen Reisende mit Kinderwagen oder schweren Lasten. Fahrradfahrende stehen am Ende dieser Kette. Konkret bedeutet das für Sie: Keine Mitnahmegarantie. Selbst wenn Sie also ein gültiges Fahrradticket besitzen, begründet dies laut der Beförderungsbedingungen der DB keinen Rechtsanspruch auf die Beförderung des Rads. Aufforderung zum Aussteigen: Kommt ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen in den Zug und es ist kein Platz mehr frei, müssen Sie den Stellplatz räumen. Ist der Zug so voll, dass das Fahrrad nirgendwo anders sicher stehen kann, müssen Sie den Zug an der nächsten Station mit Ihrem Fahrrad verlassen und auf den nächsten Zug warten. Das Zugpersonal hat das letzte Wort: Die Zugbegleiter beziehungsweise das Betriebspersonal besitzen das Hausrecht und entscheiden im Einzelfall vor Ort über die Mitnahme. Deren Anweisungen müssen Sie Folge leisten.

Ja, ich mach mich jetzt mal ganz unbeliebt! Und ja, ich mach jetzt mal eine eigene Befindlichkeitsgruppe auf: die der alten, weißen Frauen. Die Gruppe derer, die in unserer Gesellschaft so was von überflüssig sind, es sei denn, sie hüten Enkelkinder. Was erwartet man von mir als alter Frau, wenn ich schon nicht bereit bin, frühzeitig abzutreten? Ich soll mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen, ich soll mich sowieso bewegen, damit ich meiner Krankenkasse nicht zur Last falle. Das Ticket kostet 6,30 Euro pro Fahrrad, das ich in meinem Alter auf den Bahnsteig wuchten muss – oftmals ohne Schieberinne! Nebenbei – mein Traummann hat zwar gesagt, ich soll es jetzt mal gut sein lassen –, du erinnerst dich? Alle Toilettentüren im Zug waren verschlossen? Was machst du denn jetzt bitte, wenn du deine Periode hast? Einen einzigen Vorteil hat es, wenn du eine alte Frau bist! So, ich habe jetzt einfach mal meine Befindlichkeit in die Tasten geklöppelt. Das muss ich ja auch erst einmal lernen, dass ich meine Befindlichkeit in die Tasten dübele, und viele mir unbekannte Menschen meine Befindlichkeit (zum dritten Mal) mitbekommen. Und dass die mir dann sagen, wie scheiße ich drauf bin. Und ob ich sie noch alle habe.

Wo ich aber gerade unter anderem beim Thema Geld war. Du weißt, eins meiner Lieblingsthemen! Weil, neulich sind wir am Rhein entlang gefahren mit unseren Rädchen, halten beim Rheinpavillon an und ich zu meinem Göttergatten: „Schau doch mal, was der Aperol-Spritz kostet.“ Ja, ich weiß, du kennst das auch. Frage: Kann er nicht mehr richtig gucken. Ist ein Augenarzttermin für den Geliebten dringend notwendig? Haben die sich eventuell verschrieben, weil sie ein Tütchen zu viel genossen haben? Oder aber, hat es mit meinem Hörvermögen zu tun. Ich mein, das gehört ja auch zum Altwerden dazu, zu akzeptieren, dass es an mir liegt. Nebenbei, es gibt aber auch jüngere Menschen, die sich fragen sollten, ob es an ihnen liegt. Stichwort Befindlichkeit (und zum vierten Mal!). Ich war aber ja bei meinem Hörvermögen. Und da zitiere ich jetzt einfach mal meine Schüler. Die sitzen in der hintersten Reihe und flüstern und trotzdem höre ich jedes Wort: „Ihr müsst flüstern, weil ich hier vorne jedes Wort verstehe.“ „Frau Bennemann, das ist aber auch eine echte Herausforderung, dass Sie so ein gutes Gehör haben“.  

Was ich dir damit sagen will, nein, an meinem Hörvermögen hat es nicht gelegen. Ich denk jetzt kurz an dich, liebes Lesendes, wir stehen immer noch vor dem Rheinpavillon und mein Göttergatte recherchiert, was der Aperol kostet. Nachdem er mir nun den Preis gesagt hatte, ich jetzt überlegt, warum so teuer. Okay, ich hatte mir zwar vorgenommen, nichts, aber auch gar nichts über die Sperrung der Nordbrücke zu schreiben. Aber wegen des Preises ich jetzt kurz überlegt, ob es damit zu tun haben könnte, dass man vom Rheinpavillon aus die Nordbrücke sehen kann. Also tagsüber eine leere Autobahnbrücke. Kann man nicht! Ich komm deshalb drauf, Stichwort „Instagrammable places“ (ist das nicht ein tolles Wort?). Schon letztes Jahr fand ich den Aperol-Preis, wie soll ich sagen, sportiv. Aber, okay, Blick aufs Siebengebirge. Wobei ich mich jetzt schon gefragt habe, für welche Personengruppe dieser Blick instagrammable ist. Doch sicher nicht für den Inder, der sich auf dem Titlis rumtreibt. Oder den Araber, der das Städtchen Interlaken für sich entdeckt hat, von wegen Jungfrau und Co. Interessant wäre der Blick auf das Siebengebirge natürlich allemal für die Schweizer. Ja, weiß ich selber, dass die den ein oder anderen Berg haben, der ein klein wenig höher ist als das Siebengebirge. Aber wenn die in ihrem Land an irgendeinem Ort sitzen, ein Gläschen Aperol schlürfen und auf ihre Berge schauen. Da ist der Preis aber so was von teurer als beim Rheinpavillon in Bonn. Einen Tod muss der Schweizer halt sterben.

Apropos Tod oder zumindest Nahtod. Was ist mein Göttergatte so was von froh, dass mein Projekt „Besuch des Kölner Doms, ohne 12 Euro Eintritt zu zahlen“ beendet ist. Ich gebe zu, auch ich. Weil, jeden Tag knapp 60 Kilometer hin und zurück, da hast du bei Gegenwind schon das ein oder andere Mal den Gedanken: Tote fahren kein Fahrrad. Wobei man es ja nicht wirklich weiß.

Ich vergaß übrigens zu sagen, wie viel der Aperol im Rheinpavillon kostet, also vor zwei Wochen, vielleicht ist der jetzt schon wieder teurer: 9,80 Euro.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt


Was bin ich froh, dass es mein SCHAUFENSTER gibt. Ich mein, auf den ersten Blick meinst du ja, das ist nur die Schutzhülle für die vielen Prospekte einschließlich der Werbeblättchen meiner Lieblingsdiscounter. Aber wenn du erst einmal das Lesen anfängst – der Wahnsinn, was für ein Bildungscocktail! Neulich gleich auf der ersten Seite, ich denk, da muss doch noch jemand abschließend mal drüber gucken, bevor das gedruckt wird. Direkt in riesigen Lettern ein Druckfehler: Nagelprobe an der Zapfsäule. Denkst du, liebe Adelheid, dem ist aber so was von nicht so! Von wegen Druckfehler. Ich hatte schon das Schreiben an mein SCHAUFENSTER aufgesetzt, als mein Traummann mich mal so was von aufgeklärt hat. Ich mach dir der Einfachheit halber mal das Internet: Die Redewendung Nagelprobe bezeichnet heute eine entscheidende Prüfung, einen kritischen Härtetest oder den Beweis der Bewährung. Synonyme sind Feuerprobe, Lackmustest oder die Probe aufs Exempel. Der Begriff stammt aus einer alten Trinksitte des 17. Jahrhunderts. Um sicherzustellen, dass ein Trinkgefäß bis auf den letzten Tropfen geleert wurde, stülpte der Trinker das Glas über seinen Daumennagel. Blieb kein Tropfen auf dem Nagel zurück, war die „Nagelprobe“ bestanden. - Okay, ihr Lieben, ihr wusstet es natürlich. Damit aber nicht genug. Eine andere Überschrift lautete „Augmented Karneval“. Ich kurz davor, wieder zu googeln, aber erst mal weitergelesen. Und, ja, da hieß es, digitaler Rundgang führt durch 200 Jahre Bonner Karneval. Es ging sich um eine kostenfreie App, die in 16 Stationen durch die Bonner Innenstadt führt und Geschichte und Entwicklung des organisierten Karnevals in Bonn vermittelt. Find ich total super, aber wenn du Pech hast, liest das keine Sau, von wegen „augmented“.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was ist sie so nölig, die da in die Tasten haut. Und vor allem, warum hat da jemand so was von viel Zeit, sich durch jeden Artikel ihres SCHAUFENSTERS zu fräsen? Hat nichts mit zu viel Zeit zu tun. Ich bin einfach nur kaputt, platt. Muss mich so was von regenerieren. Da reicht es gerade mal zum Lesen meines SCHAUFENSTERS. Mein Traummann und ich haben nämlich über einige Tage eine Radtour durch das Bergische-Sauerländische-Oberbergische gemacht. Die ein oder andere Steigung, so was von anstrengend. Aber kein Vergleich zur Bahnfahrt dorthin.

Los ging’s am Deutzer Bahnhof. Heißt dort erst einmal die Räder nach oben auf den Bahnsteig tragen. Unten übrigens schon alles abgeguckt von wegen Entwerter. Während ich die Treppe rauf und runtergehe, Leute, wie dreckig, wie ekelig, wie dermaßen stinkt es von den Stufen hoch. Als ob jemand gegen gutes Entgelt seit Jahrzehnten mit einer Verve auf die Stufen kotzt und pisst. Oben geht die Suche weiter nach dem Entwerter. Weil wir ihn nicht finden, ich wieder runter zur Info und erfahre, ganz am Anfang bei Abschnitt A (nebenbei, mein Bahnsteig zählt erst ab C) hängt der. Und nun frage ich dich, warum hängt der nicht in der Mitte des Bahnsteigs? Nebenbei, ein ganz kleiner orangener Kasten, den du von Weitem nicht siehst, geschweige denn, wenn außer dir noch einige andere Bahnkunden auf dem Bahnsteig zwischen dir und Kasten stehen. So, der Zug fährt ein, der Vollständigkeit halber pünktlich, an einem Samstag, aber mit nur einem Fahrradabteil am Ende des Zuges. Und während mein Göttergatte und ich darauf warten, noch mit ins Fahrradabteil zu kommen, sirent auch schon das Abfahrtsignal und wir in unserer Not packen unsere Rädchen in einen anderen Waggon.

 

Wo ich gerade im Zug stehe (nebenbei, eineinhalb Stunden stehe!), hier mal ein Spruch meiner Tochter auf WhatsAPP: Bin schon im Zug. Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt. Apropos Spruch, apropos Durchsagen, hier mal eine: „Bitte beachten Sie beim Ausstieg die unterschiedlichen Bahnsteighöhen.“ Oder: „Liebe Fahrgäste, wir bitten Sie, beim Verlassen des Zuges an alle Ihre persönlichen Gegenstände zu denken.“ Wenn ich diese Durchsagen höre, denke ich mir immer, ja, und bitte das Einatmen und das Ausatmen nicht vergessen. Leute, Durchsagen, die es nicht braucht! Ich sehe die unterschiedliche Bahnsteighöhe und werde mich dementsprechend verhalten. Weil, ich habe es ja im Vorfeld auch geschafft, mein Fahrrad über diese nach Kotze und Pisse stinkende Treppe auf den Bahnsteig zu hieven, den Entwerter zu finden und es trotz Abfahrtsignal in den Zug geschafft. Da werde ich doch wohl in der Lage sein, mich auf unterschiedliche Bahnsteighöhen einzustellen!

Was ich aber eigentlich sagen will, die vielen Fahrradkilometer rauf und runter mit meinem einfachen Trekkingrädchen waren es nicht, die mich geschlaucht haben, es war ganz einfach die Fahrt mit der Deutschen Bundesbahn von Köln nach Siegen. Ich mach’s kurz: Weil wir nicht mit unseren Rädchen im überfüllten Fahrradwaggon standen, stand der Schaffner nach eigener Aussage mit einem Bein im Knast, weil wir den Notausgang blockierten, und machte uns die Hölle heiß. Egal, scheiß drauf, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Weil, im ganzen Zug gab es keine Toilette. Im ganzen Zug. Menschen irrten von vorne nach hinten und von hinten nach vorne auf der Suche nach einem Klo – ohne Erfolg. Hier wäre eine Durchsage dringend notwendig gewesen: „Sehr geehrte Fahrgäste, es lohnt sich nicht, auf die Suche nach einer Toilette zu gehen. Es gibt für Sie keine Toilette, die Sie benutzen können. Finden Sie sich einfach damit ab. Auch mit der Tatsache, dass Sie nie erfahren werden, warum das so ist. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Türen verschlossen sind, weil die Toiletten mangels Reparaturpersonal defekt sind. Oder verdreckt bzw. verstopft sind, von Ihnen also vollgeschissen und vollgepisst wurden. Oder aber selbst eine ganz normale turnusmäßige Reinigung mangels Putzkolonnen nicht mehr stattfindet.“ Aber Hauptsache, es heißt Go Rheinland – wohin auch immer.

Nur der Vollständigkeit halber: In Siegen mussten wir die Räder erst von unserem Bahnsteig die Treppe runterhieven, um sie am Ausgang wieder hochzuhieven.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Was ich alles nicht wusste


Seitdem ich das weiß, also ich bin so was von verängstigt. Noch vor Kurzem habe ich in den blauen Himmel geschaut … Aber seitdem ich jetzt Klarheit habe und weiß, wie der Hase läuft. Weil, neulich hatten mein Traummann und ich so was von ein interessantes Gespräch. Man muss wohl eher sagen Aufklärungsgespräch, was uns beiden Dummis da widerfahren ist. Wir saßen draußen auf der Sonnenterrasse einer kleinen Bar bei einem Aperölchen (hoch über dem Gardasee). Traumhaftes Wetter, strahlend blauer Himmel und ab und zu ein weißer Kondensstreifen auf diesem Blau. Einmal sah es sogar so aus, als wolle der Pilot ein Herz in den Himmel malen. Da nahm am Nachbartisch ein Pärchen Platz, sehr nett, unser Alter, auch Deutsche. Und wir kamen so in besagtes Gespräch von wegen Wettervoraussage und die Frau meinte, sie habe ja früher immer den Schweizer Wetterdienst MeteoSwiss benutzt. So was von punktgenau und zuverlässig – früher. Das sei heute natürlich nicht mehr so. Da könne natürlich kein Wetterdienst mehr mithalten.

Auf meine Nachfrage, was sie denn mit früher meinte, wurden wir aufgeklärt. Nun ja, sie seien ja überall präsent, diese Chemtrails. Die ganz gezielt eingesetzt würden. Die über ganz bestimmten Gebieten  ausgestoßen würden. Ich wusste beim besten Willen nicht, worum es ging, und wurde belehrt: Diese weißen Streifen, die die Flugzeuge nach sich zögen, seien chemische Substanzen (Barium, Strontium, ...), die gezielt abgelassen würden, um das Klima zu beeinflussen. Die Piloten würden dazu gezwungen, einen Schalter umzulegen. Und Piloten, die sich weigerten, würden entlassen. Ah ja.

Daraufhin entspann sich eine rege Diskussion zwischen meinem Traummann und dem Paar (er übrigens Ingenieur! Also durchaus gebildete Menschen!). Wir erfuhren auch von einem Erdbeben auf Hawaii. Dort wollten Einwohner ihre Grundstücke nicht an einen Multikonzern verkaufen. Daraufhin – und die konnte man auch sehen – seien dort Blitze eingeschlagen, erzeugt von Satelliten mit Spiegeln. Und überhaupt tauchen ja mittlerweile überall lange, in den Boden gerammte Stäbe in der Landschaft auf, die Hochfrequenzstrahlen senden und Erdbeben verursachen können. Ja, was soll ich sagen. Du kannst dir vorstellen, wie mir seitdem zumute ist. Vor allem, wenn ich jetzt in den Himmel schaue.    

Wo ich gerade bei den Menschen bin. Da bin ich ja so was von froh, dass die Ellen mich auf den richtigen Weg gebracht hat. Ich hatte ja neulich einmal geäußert, dass ich mir an der SB-Kasse meiner Lieblingsdiscounter schon mal den ein oder anderen nenn es abwegigen, nenn es kriminellen Gedanken erlaube. Und da schreibt die Ellen mir daraufhin, dass sie den Inhalt dieses Beitrags unmöglich und unpassend findet, weil er indirekt eine Anleitung zu einer Straftat sei. Und da bin ich jetzt so was von froh, dass die Ellen mir die Augen geöffnet hat. Dass die Ellen so was von sensibel ist, und vor allem mich so was von sensibilisiert hat. Weil, da hat sie ja so was von Recht. Vor mir hat ja noch kein Mensch auch nur im Traum an so was gedacht. Geschweige denn gemacht.

Was ich jetzt wohl gemacht habe. Weil, das finde ich jetzt, nachdem ich mir das mal durch den Kopf habe gehen lassen, das finde ich jetzt, gelinde gesagt, so was von perfide von dem Simon Götze. Ich hatte ja den Herrn Götze, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin, zitiert: „Hat man ein Produkt unbeabsichtigt nicht gescannt, schuldet man dem Supermarkt aus zivilrechtlicher Sicht den Preis des Produktes oder man muss das Produkt zurückgeben. Für einen strafrechtlichen Vorwurf müsse ein Vorsatz vorliegen. Der Supermarkt brauche dafür einen konkreten Nachweis.“ Wenn ich es mir recht überlege, hat der mich ja erst darauf gebracht, mal den ein oder anderen Gedanken in Richtung Abgründe zu verschwenden. Den Simon habe ich jetzt mal angezeigt, dass der quasi die Menschen zu einer Straftat ermutigt. Um sie dann vermutlich später für teuer Geld verteidigen zu können. Hallo, wie infam ist das denn!

Und wo ich schon mal dabei war, habe ich mir natürlich ernsthafte Gedanken über den Sebastian Fitzek gemacht. Und nicht nur über den, sondern auch über seine Leser. Ich weiß nicht, ob du ihn kennst. Aber selbst, wenn du ihn kennst oder ein Fan seiner Romane bist, tu einfach so, als ob du noch nie etwas von ihm gehört hast.

Weil, der Sebastian ist der erfolgreichste Autor der Gegenwart Deutschlands und hat bis Anfang 2026 über 21 Millionen Bücher verkauft. Seine Werke wurden in 36 Sprachen übersetzt. Er gilt als Deutschlands meistgelesener Thriller-Autor. Liebe Ellen, liest du? Thriller-Autor! Hörst du?! Oder besser Horror-Autor! Übrigens, eines seiner erfolgreichsten Bücher, liebe Ellen, ist „Der Augensammler“. Handelt über den psychopathisch-sadistischen Augensammler, gehört zu Fitzeks gruseligsten Thrillern. Und da habe ich jetzt eine Petition ins Leben gerufen, solche Bücher verbieten zu lassen. Romane, die ja eine indirekte Anregung zu solch gruseligen Taten sind. Und, wie gesagt, seine Bücher wurden und werden doch tatsächlich in 36 Sprachen übersetzt! Jetzt wissen wir zwei Frauen auch, wer für die vielen, vielen brutalen Morde und sadistischen Verbrechen verantwortlich zu machen ist.

Und wo ich schon mal dabei bin. Erinnert sich jemand an den Erfolg von „Fifty Shades of Grey“? Ach, ich vergaß, kann ja nicht sein. Weil, keiner in meinem Umfeld hat die erotische Roman-Trilogie ja gelesen. Komisch schon, weil, in Deutschland verkaufte sich die Trilogie über 10,3 Millionen Mal, weltweit wurden sogar über 100 Mio. Exemplare verkauft. Ich kann mich nur daran erinnern, dass du zu der Zeit viele Frauen gesehen hast, die im Römerbad oder auf der Hofgartenwiese Bücher lasen, die einen selbst gestalteten Schutzumschlag, kannst auch Tarncover dazu sagen, hatten. Du also nicht den Titel des Buches lesen konntest. Ellen, ich möchte gar nicht wissen, was daraufhin in deutschen, ach was sag ich, weltweit in Schlafzimmern abgegangen ist.

Mittwoch, 29. April 2026

Der Dom bleibt in Köln


Wo ich ja letztens bei Recht und Unrecht war. Du erinnerst dich? Die Sache an der SB-Kasse? Ob ich da ein Pling gehört habe oder es mir nur „eingebildet“ habe? Egal, ich vergaß, du bist vergesslich, weil alt, oder glaubst, du könntest quer lesen, was du aber definitiv nicht kannst. Oder das Thema hat dich nicht interessiert. Deshalb für dich jetzt mal von meiner Seite eine Konzentrationsaufgabe. Also, geh Pipi machen egal aus welchen Gründen: Gebärmutterabsenkung oder Prostata. Oder beides, falls du dich im hohen Alter noch immer nicht für ein Geschlecht entscheiden konntest. Leg dir zur Not noch ein Traubenzucker hin von wegen Konzentrationsabfall. Und denk dran, du bist kein Goldfisch!

Hier für dich ein Artikel aus meinem SCHAUFENSTER, Rubrik § Ihr gutes Recht in guten Händen §: Das Berliner Testament ist für Eheleute die wohl gängigste Form, den gemeinsamen Nachlass zu regeln. Stirbt einer von beiden, erhält der überlebende Ehepartner alles. Geht später auch dieser von der Welt, wird meist den Kindern das gesamte Vermögen vermacht. Nicht immer will sich der Nachwuchs aber bis zum Ableben des zweiten Elternteils gedulden, um ein Stück des Erbes abzubekommen. Denn grundsätzlich kann er seinen Pflichtteil schon beim Tod des ersten Elternteils einfordern. Für den jeweils überlebenden Elternteil kann das herausfordernd werden – zum Beispiel, wenn das gesamte Kapital im Familienheim steckt und ohne den Verkauf der Immobilie kein Geld zum Auszahlen des Pflichtteils vorhanden ist. Ja, ich leide mit dir, trockenes Thema, aber challenge: Weiterlesen! Um solche Begehren für den Nachwuchs unattraktiv zu machen, sind Berliner Testamente oft mit einer Pflichtteilsstrafklausel versehen. Sie sieht vor, dass Kinder vom Erbe des länger lebenden Elternteils ausgeschlossen werden, sollten sie diesen nach dem Tod eines Elternteils mit Pflichtteilsansprüchen konfrontieren. Auf diese Weise soll der Nachlass zusammengehalten werden. Üblicherweise ist die Pflichtteilsstrafklausel so formuliert, dass der Ausschluss vom Erbe erfolgt, wenn die Geltendmachung des Pflichtteils „gegen den Willen“ des überlebenden Elternteils erfolgt. Und das reicht in der Regel aus, um die Klausel in der Praxis auch rechtssicher durchzusetzen. Drängt der Nachwuchs schon frühzeitig auf seinen Pflichtteil, müssen überlebende Elternteile nicht zwingend ihren Unmut über das Begehren äußern, damit die Klausel greift. Auf eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichts Zweibrücken (Az.: 8 W 56/24) verweist die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins.

Ich weiß, du bist vollkommen überfordert, fast am Limit, der Artikel ist viel zu lang für dich. Aber halte durch! Du schaffst es!

In dem konkreten Fall hatte eine Tochter ihre Mutter nach dem Tod des Vaters um Auszahlung des Pflichtteils gebeten. Die Ansprüche lies die Mutter mit Anwaltsschreiben bestätigen und kam dem Wunsch der Tochter nach. Als auch die Mutter starb, wurde der Sohn darauf Alleinerbe, die Tochter erhielt erneut nur ihren Pflichtteil. Zurecht, wie das Gericht klarstellte. Ein entgegenstehender Wille sei regelmäßig bereits dann festzustellen, wenn Pflichtteilsberechtigte – wie hier geschehen – einseitig und in konfrontativer Weise zur Durchsetzung ihrer Ansprüche an Erben herantreten. Eine zusätzliche Äußerung sei dann nicht nötig. Denn diese könne vom subjektiven Empfinden der Beteiligten abhängen, wovon das Greifen der Pflichtteilsstrafklausel nicht abhängen dürfe.

Hat sich das nicht gelohnt? Ist das nicht so was von lustig? Das Gesicht der Tochter hätte ich so was von gerne gesehen! Und du kannst jetzt so was von stolz auf dich sein: durchgehalten, respektive Pipi eingehalten!

Neulich habe ich dir ja auch von meinem aktuellen Projekt erzählt. Nein, es gibt auch noch etwas anderes, als sich Gedanken darüber zu machen, wie ich meine Lieblingsdiscounter betuppe. Wobei ich gar nicht mal weiß, ob das aktuelle Projekt nicht auch schon im weitesten Sinne unter Betuppen fällt. Weil, so lange wie ich da jetzt geschaut und gesessen habe. Ich habe mich geradezu wund geguckt und wund gesessen, dass ich erst einmal für Monate, wenn nicht sogar für Jahre bedient bin. Ich weiß nicht, wie der Rainer, der Woelki, das sieht. Oder möchte er, respektive sie, dass ich es mit Maria anspreche? Inwiefern es das nicht in Ordnung findet, quasi im Vorhinein Eindruck zu tanken. Oder was meint, und seine Meinung liegt mir natürlich so was von am Herzen, der Leo dazu? Ich habe mir ja so was von Zeit gelassen, dass ich mich auch einmal den Besuchern widmen konnte: Ein Elternpaar (darf ich das heutzutage so noch sagen?), das Töchterchen gefühlt neun Jahre, aber abwechselnd auf Mamas oder Papas Arm (darf ich auch nicht mehr sagen, oder?). Jedenfalls wurde das Töchterlein (ich sage sicherheitshalber Kind oder kleiner Mensch mit Kleid und langen Haaren) von beiden Seiten zugetextet:“ Guck mal, die Maria. Schau mal, das Jesulein! Schau mal, sieh mal, guck mal.“ Die Frage ist halt die, habe ich die katholische Kirche insofern geprellt, als dass ich für die kommenden Jahre, also quasi für den Rest meines Lebens, genug Kölner Dom getankt habe und deshalb nie den zukünftigen Eintritt bezahlen werde?

Als ich nach unendlich langer Zeit gefühlt als Touri die heilige Halle verließ, fiel mir wieder ein, wie oft ich mich über Touristen lustig gemacht habe. Wenn die von sich Selfies gemacht haben mit ihren Handys auf Selfiesticks. Ich war in einer derartigen Urlaubsstimmung, dass ich plötzlich auch das dringende Bedürfnis hatte, ein Selfie zu machen. Und ich will mich mal so ausdrücken. Es wäre ja noch schöner, wenn so ein Stick nicht seine Daseinsberechtigung hätte. Wozu dann kaufen? Hat er. Schau dir doch mal oben das Foto an. Du hast dich ja sicherlich schon gefragt, was das jetzt wieder soll. Jetzt weißt du es: der Versuch eines Selfies meinerseits mit Dom im Hintergrund.

Wie schon angekündigt, bis Ende Juni habe ich noch alle Zeit der Welt, umsonst (abgesehen von meiner katholischen Kirchensteuer) im Dom zu schlendern. Und vielleicht leihe ich mir auch mal einen Stick. Was ja aber noch Zeit hat, weil draußen vor den Toren, da gibt es ja noch kein Zeitfenster. Und übrigens, der Daumen soll so. 😊