Seitdem ich ja jetzt weiß, dass der Kartenkörper meiner BankCard ein Elektrogerät ist und nicht einfach so im Hausmüll entsorgt werden darf, bin ich ja jetzt schon ein wenig sensibilisiert. Neulich habe ich zum Beispiel bei meinem Lieblingsdiscounter ein Paar Gartenhandschuhe erworben. Auf dem daran hängenden Informationszettel, der genau so groß wie die Handschuhe ist, liest es sich folgendermaßen: Schutzumfang EN 388:2016+A1:2018. Für mittlere mechanische Risiken 1. Abriebfestigkeit (auf einer Skala von 0 bis 4) 2, Schnittfestigkeit (vor der 1 ein X und die Skala geht bis 5) 1. Weißt du was, ich mach dir einfach mal ein Foto davon.
So, jetzt denkst du, jetzt aber, voll informiert, los geht’s - denkst du aber auch nur! Das ist gerade mal die Hälfte, die ich dir abgelichtet habe. Jetzt geht’s erst richtig los: Prüfung – Schutzhandschuhe vor jedem Gebrauch auf Risse und Löcher untersuchen (Leute, was da an Zeit drauf geht!). Schadhafte Handschuhe ersetzen. Benutzung – Handschuhe über saubere, trockene Hände ziehen (hast du dir schon mal über schmutzige, nasse Hände Handschuhe gezogen?), möglichst kurz und gezielt tragen und nicht mit anderen Personen gemeinsam nutzen (heißt für mich, ganz wenige Minuten Gartenarbeit, am besten keine. Und wer, bitteschön, steht schon in der Schlange, um mich bei der Gartenarbeit abzulösen?). Beim Ausziehen darauf achten, dass die Außenseite nicht mit bloßen Händen angefasst wird (ich dachte sofort an tödliche Gifte) und nach Benutzung die Handschuhe ggfs. trocknen. Handschuhe nach dem individuellem Einsatzzweck in der passenden Größe auswählen und auf ausreichende Fingerbeweglichkeit achten (fand ich auch einen super Tipp, die passende Größe zu wählen. Jetzt verstehe ich auch, warum ich immer so schreckliche Fußschmerzen habe. Ich habe Schuhgröße 41, kaufe aber immer Schuhgröße 38.)
So, jetzt Reinigung: Je nach Verschmutzungsgrad nach jedem Gebrauch ausklopfen oder ausbürsten. Waschanleitung beachten! Nicht waschbar! Und weiter – Lagerung: Bei normaler Raumtemperatur, trocken und gut belüftet lagern. Sonnenlicht und direkte Wärmeeinstrahlung vermeiden. Haltbarkeit: Die Gebrauchsdauer ist abhängig vom Verschleißgrad und der Verwendungsintensität in den jeweiligen Einsatzbereichen (maximal 3 Jahre). Entsorgung: Über den Hausmüll, örtliche Bestimmungen beachten (mein Thema!).
Was jetzt das Blöde war. Vor lauter Lesen dieser ganzen Bestimmungen bin ich gar nicht dazu gekommen, dem Unkraut in unserem Garten beizukommen. Hieß dann für meinen Traummann umso mehr Arbeit – mit bloßen Händen. Mal ganz davon abgesehen, dass da ja auch stand, man solle mit den Handschuhen Sonnenlicht und direkte Wärmeeinstrahlung vermeiden.
Wo ich gerade bei dem Pflegeetikett für die Gartenhandschuhe bin. Täusch ich mich, oder werden die Zettel in der Kleidung, die über Material und Waschanleitung Auskunft geben, immer länger? Mittlerweile ist das ja ein halbes Buch, was da innen am Kleidungsstück baumelt.
Apropos Kleidungsstück, das nicht mehr passt. Neulich hatte ich für meine Waage eine neue Knopfbatterie käuflich erworben und saß jetzt stundenlang vor der alten leeren, weil ich nicht wusste, wohin damit. Plötzlich mein Handy, die Warn APP, laut wie Sau. Ich nichts wie hin und werde dann über folgenden Sachverhalt informiert: dass in einem Wertstoffhof in Swisttal ein Feuer ausgebrochen ist. Ich werde über starke Rauchentwicklung informiert. Später lese ich, dass es eine Warnung vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gegeben hat. Dort hieß es, man solle in der Region vorsorglich Klima- und Lüftungsanlagen abschalten und Fenster und Türen schließen. Ein Sprecher der freiwilligen Feuerwehr vor Ort sagte, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Messungen zufolge gehe man nicht von einer Gesundheitsgefährdung aus. Da bin ich jetzt ehrlich: Ist das jetzt das Resultat aus den Vorfällen, die damals im Ahrtal nicht gut oder falsch oder katastrophal gelaufen sind? Dass ich jetzt, wenn in China ein Sack Reis umfällt, derart in Panik geraten muss?
Nebenbei, es hieß ja dann auch, dass es schon Ende Mai im gleichen Wertstoffhof gebrannt hatte. Damals war die Feuerwehr vier Tage im Einsatz, bevor das Feuer gelöscht werden konnte. Ursache für den Großbrand seien Lithium-Ionen-Akkus.
Was ich da nicht verstehe. Heute hatte ich an meiner Grünen Tonne einen Zettel in grell Orange mit der Aufschrift „Falsch beladen“. In der Tonne waren nur Grünabfälle! Ja, es kann sein, dass der Kunde, ich, die Kundin – ich bezahle ja Geld dafür, dass meine Mülltonnen gelehrt werden -, dass der Kunde die Grünabfälle stark gepresst hat. Dann muss eben noch einmal maschinell gerüttelt werden oder wie man das nennt. Vielleicht sogar mit Arbeitshandschuhen einmal Hand angelegt werden. Ich muss ja auch, wenn ein Schüler es beim ersten Mal nicht kapiert, es ihm noch einmal erklären. Ich muss ja auch ein zweites Mal in meiner Freizeit (!) mit Schülereltern sprechen, wenn die beim ersten Mal meine Ansagen nicht verstanden haben. In der Zeit, in der ich meinen Müll sortiere, die Grünabfälle möglichst täglich durchtöftel, damit sie beim ersten Versuch sofort herausfallen. In genau der Zeit brennt wieder eine Halle bzw. sind Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe in Lebensgefahr ob besagter Lithium-Ionen-Akkus von Einwegzigaretten.
Und ich sitze da und überlege, wie soll ich es dir erklären, ja, ich habe tatsächlich in meiner Verzweiflung überlegt, die alte Knopfbatterie einfach runterzuschlucken. Aber, ja, lach nicht so blöde, hab ich sofort auch realisiert, dass die unten bei mir. Und dann in den Kreislauf, welch Katastrophe! Was für eine Lobby steckt hinter den E-Zigaretten? Es ist doch so einfach: Den Verkauf verbieten, solange das Pfandsystem nicht geregelt ist. Und das Pfand ist so teuer, dass man die leere Zigarette eben nicht in den Müll schmeißt.
Übrigens, die Gartenhandschuhe trage ich nicht zum Unkrautjäten. Erstens, weil mein Traummann das übernommen hat, das Unkrautjäten. Und zweitens, die sehen so stylisch aus, die trage ich ganz normal im Alltag.