Donnerstag, 19. Februar 2026

Nicht Pulitzer, sondern Baumann!

 

Und, weißt du jetzt, was „Shelfies“ sind und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr bergeweise zugeschickt werden? Vergiss es, du hast dir natürlich nicht die Mühe gemacht und den Link in meinem letzten Artikel durchgelesen. Hast du dir wenigstens die beiden Bezeichnungen gemerkt? Okay, nein, also deshalb noch mal exklusiv für dich: SuB und Tsundoku. Ich komm deshalb drauf, weil ich gerade einen Roman tapfer bis zum Ende gelesen habe. Und wenn ich jetzt die Christine Westermann wäre und die Menschen auf mein fachfräuliches Urteil hören würden. Ich sag nur Bücherstapel. Das würde mich so was von interessieren, wie viele Menschen dieses Buch zu Ende gelesen haben und es durchgängig gut fanden. Und wie viele Menschen dieses Buch auf ihrem Tsundoku liegen haben. Diese 619 Seiten (!) mit dem Titel „Die Unbehausten“, hartkartoniert von der Barbara Kingsolver. Ich sag nur mutig, mutig, so viele Seiten.

Aber, wie gesagt, ich bin ja keine Fachfrau in Sachen Buchkritik. Aber gut, Spiegel- Bestsellerautorin und Pulitzer-Preis und hast du nicht gesehen. Ich habe übrigens noch ein Buch von der Barbara bekommen. Und da bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sich da die BookTokerinnen mit ihren Followerinnen einen Schabernack erlaubt haben – von wegen Buchempfehlung. Von wegen einfach mal einen Scheiß empfehlen und schauen, wer so blöde ist und drauf reinfällt.

Was aber ja im Hinblick auf die Barbara nicht sein kann, weil immerhin ist die ja Pulitzer- Preisträgerin. Was aber das Praktische ist, das zweite Buch hat sogar 858 Seiten und ist auch hartkartoniert. Praktisch deshalb, weil, schau: Irgendwann ragt der SuB ja so was von in die Höhe, dass du ohne Leiter nicht mehr oben dran kommst. Wie du aber ja weißt, ist meine Stehleiter meistens auf meiner Verkehrsinsel in Gebrauch. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich die einfach mit einem Schloss an der Ampel ankette, damit ich die nicht immer hin und her schleppen muss. Die Leiter ist jedenfalls keine Option für meinen Bücherstapel. Auch optisch wäre ich damit nicht wirklich zufrieden. Da dachte ich mir, gestalte ich doch einfach eine Leiter aus hartkartonierten Büchern, die im günstigsten Fall recht dick sind. Und da bin jetzt wieder der Barbara so was von dankbar, dass die mir schon mal zwei tolle Exemplare zur Verfügung stellt.

Apropos Pulitzer-Preis. Hallo, ich habe auch einen Preis für meine literarischen Ergüsse bekommen! Ja, ich bin jetzt auch Preisträgerin! Wenn es dich interessiert, also nicht nur, um sich bei mir lieb Kind zu machen. Nicht, dass du aber nachher sagst, ja wenn ich das gewusst hätte, Fahrradkette. Im Moment gehe ich viral so was von durch die Decke. Ich glaub, man sagt das so nicht. Egal, weil anders kann und will ich es nicht formulieren. So was von einem Durchbruch, den ich da erzielt habe! Wie gesagt, wenn du unbedingt willst, ich dränge mich dir nicht auf, schau dir mal den Artikel hier auf Musenblätter an. Du hast natürlich jetzt ein Problem von wegen Neid und so, dein Problem. Das Adjektiv stolz habe ich jetzt noch mal vollkommen neu definieren können.

Ich habe natürlich jetzt auch eine ganz andere Durchschlagskraft, wenn ich auf der Brücke nach Tannenbusch neben den Altpapier-Containern nachts in meinem Zelt campiere. Du erinnerst dich? Nachts mit den lieben Mitmenschen ins Gespräch kommen, die dort neben die Container eine Schrankwand oder einen gigantischen lila Plüsch-Katzenbaum abladen? Jetzt, wo ich so was von bekannt im Internet bin, ist das womöglich ein guter Einstieg, wenn ich die Menschen erst einmal frage, ob sie mit mir ein Selfie machen wollen. Ob sie sich quasi ganz unverbindlich ein wenig in meinem Ruhm suhlen wollen. Mit diesem Opener habe ich garantiert die Sympathien auf meiner Seite.

Wo ich aber ja gerade bei Büchern war. Da wo Bücher sind, ist ja auch manchmal die Bildung nicht weit. Ich komm deshalb drauf, weil kürzlich wieder die Nordbrücke in meinem SCHAUFENSTER Thema war: „Schonfrist für Schulbusse“ hieß es da. Ab Montag, dem 9. Februar, werde die Brücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen gesperrt. Eine zeitlich befristete Ausnahme gelte jedoch für Schulbusse. Was ich so was von nicht verstehe. Wir waren doch schon auf so einem guten Weg! Während Corona waren die Schulen entweder geschlossen (und komm mir nicht mit TEAMS und Co.!) oder die Eltern haben selbst entschieden, ob sie den kleinen Peter aus der Schule nehmen, damit er dem Opa auf seinem 80igsten Geburtstag nicht Corona aus der Schule mitbringt. Jetzt gerade im Winter hätte es sich doch so was von angeboten. Entweder Wetter oder Streik der Lehrer oder die Heizung ist im Schulgebäude kaputt. Und überhaupt ist es morgens so dunkel. Ich hab schon damals gesagt, wenn die Schulen für immer geschlossen geblieben wären, es wäre fast keinem aufgefallen. Und jetzt, hallo, die ultimative Chance, endlich ganz auszusteigen aus dem Thema Bildung: Es fahren keine Schulbusse mehr über die Nordbrücke. Super! Die Ursulinenschule in Hersel und das Collegium Josephinum Bonn hätten da federführend sein können. Erst sind die Schulen von der anderen Rheinseite nicht mehr zu erreichen. Dann kommen nur noch die linksrheinischen Schüler. Lohnt sich dafür aber bitteschön Heizung? Natürlich nicht! Und irgendwann kapiert es auch der letzte Streber, wenn er vor der geschlossenen Schule steht.

Natürlich muss man das Thema Bildung für die paar wenigen Schüler, die gerne gelernt haben, langsam ausschleichen. In der Vergangenheit wurde Bildung aber einfach überschätzt. Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gewesen, Stellung zu beziehen. Dass Schüler Schulen erreichen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß.