Was gibt es Neues? Ja, ich bin ehrlich, gebe es unumwunden zu. Es gab Krise an der Paarfront. Ich war oft allein. Mein Göttergatte, oder besser, ich sage jetzt realitätshalber, mein Gatte, verließ früh morgens das Haus, kam zum Mittagessen kurz nach Hause, um dann aber schnellstmöglich wieder das Weite zu suchen. Was ja in Bonn tatsächlich immer schwieriger wird – das Weite suchen. Zumindest in einigermaßen akzeptabler Zeit.
Trotz Krise oder gerade deswegen konnte mein Mann sich für eine Fahrradtour in den Sommermonaten loseisen und wir haben wieder viele Fahrradkilometer zurückgelegt – hintereinander. Jetzt nicht nur die Kilometer, sondern auch er und ich. Das muss man ja mal ganz ehrlich sagen. Das hört sich immer so pärchenmäßig an, aber wenn wir so den ganzen lieben, langen Tag auf dem Rädchen sitzen, findet ja keine Kommunikation, kein Gespräch statt. Weil, er weit vor mir, vorzugsweise am Berg, und ich irgendwann dahinter. Da kannst du es als Mann, wenn du gerade Zoff hast mit deiner Tusnelda, schon einige Tage aushalten. Weil, kaum angekommen am Ziel, schläft die quasi schon im Aufzug zum Zimmer im Stehen. Und er kann sich zumindest auf Entfernung mit Hilfe vieler Fotos vergnügen.
Was ich aber sagen will, zum Beispiel haben wir den Isarradweg gemacht und waren dann auch drei Tage in München. Und, ja, natürlich im Augustiner Biergarten, dort, wo’s zünftig zugeht. Und da siehst du jetzt wieder mal, wie es um unsere Gesellschaft steht. Ich mein, man kennt das, wenn man eine Ferienwohnung gebucht hat. Da steht dann im Kleingedruckten, und das schon seit vielen Jahren, dass so was wie Junggesellenabschiede in der Ferienwohnung nicht gestattet ist. Ich mir da schon immer gedacht, was mögen da für Partys abgegangen sein, dass die das mittlerweile reinschreiben. Für solch einen Anlass bietet sich doch bitteschön ein Biergarten an. Da ist es ohnehin recht laut und prollig. Und jetzt schau doch bitte mal genau auf das Foto, das ich für dich gemacht habe. Hallo, und jetzt meine Frage noch einmal: Was muss da abgegangen sein? Wie müssen die sich verhalten haben? Und definitiv muss das oft passiert sein, sonst gäbe es diesen Aufsteller nicht.
Und wo ich gerade bei asozialem Verhalten bin. Es gibt wieder Neues von der Kasse bei einem meiner Lieblingsdiscounter. Aber nicht, wie du denkst, an der SB-Kasse. Nein, an der Kasse mit Mensch. Solange ich denken kann, wenn ich fünf Flaschen vom selben Wein gekauft habe, direkt als erstes eine aufs Band und dazu gesagt „insgesamt fünf“. Und wenn ich aus Versehen alle Produkte einer Sorte aufs Band gelegt habe, sofort der Kassierer „Eine reicht, kommen Sie mit dem Wagen rum“. Neuerdings heißt es „Alles aufs Band legen“. Meinem Mann mehrere Male passiert. Ich habe mich jetzt noch nicht getraut, 40 Packungen Mehl zu kaufen, um zu schauen, ob ich die auch alle einzeln aufs Band legen soll.
Was aber genau sagt mir das wieder? Rhetorische Frage, du verstehst? Denn klar, es bedeutet, dass dermaßen viel geklaut wird. In einem Maße, dass sich die Entscheidungsträger ob ihrer Hilflosigkeit diese unsinnige Anweisung für ihre untergebenen erdnahen Rödelkröten, den Mitarbeitern an der Kasse, haben einfallen lassen. Dass zum Beispiel unter den vielen Mehlpackungen ein teures Kleidungsstück liegt.
Wo ich aber gerade an der Kasse bin. Mal ein ganz anderes Beispiel. Es trug sich zu in einem Supermarkt in Innsbruck. Für eine hoffnungslos veraltete Parkuhr benötigten wir ausschließlich Münzen. Wir keine halbe Münze im Portemonnaie (Wahnsinn, dass du heute auch Portmonee schreiben darfst!). Ich mit einem 10-Euro-Schein an die Kasse, nur um zu wechseln. Denke „Glück gehabt, keiner vor mir“. Denkste, die Kassiererin „Die Kasse muss erst geöffnet sein“. Hieß warten auf den nächsten Kunden. Keiner in Sicht. Das Gespräch bekam die Kundin mit, die zuletzt bezahlt hatte und gerade ihre Waren verstaute. Sie „Ach, dann kaufe ich noch eine Kleinigkeit“. Nahm sich eine Tüte Bonbons mit den Worten „Die wollte ich immer schon mal ausprobieren“, die Kasse wird also geöffnet und ich bekomme eine Hand voll Münzen im Wert von 10 Euro. Nun zwei Fragen dazu. Wie unglaublich nett ist das denn von der älteren Dame? Aber zweitens. Warum bin ich Vollpfosten nicht darauf gekommen? Vermutlich weil ich vorher die Parktarife gelesen hatte und davon ausging, dass ich jeden Cent zum Parken brauche.
Hallo, sag es doch, dass ich vergessen habe, dir zu sagen, wo mein Mann sich wochenlang rumgetrieben hat. Gut, sie ist Baujahr 1967, also 59 Jahre alt, also, ja, jünger als ich. Aber wegen der paar Jahre setzt man doch eine langjährige Ehe nicht aufs Spiel. Sicher, wir hatten unsere Probleme, und es ging auch oftmals laut zu – im Streit, nicht im Bett. Und was ich nie mochte, ich bin da knochenehrlich, und ja, öffne mal kurz auch unsere Schlafzimmertür. Ich mochte und möchte keine Kamera dabei. Das ein oder andere ist möglich, Verhandlungssache, aber ohne die ewige Zeugin. Nun gut, wir werden auch nicht jünger. Auch die Männer nicht, auch mein Mann nicht. Und wenn es nun ein Herzenswunsch ist. Ich habe das dann im Nachhinein verstanden. Auf was will der Mann warten? So eine Gelegenheit bietet sich nicht allzu oft vor der Haustür: So richtig laut, so richtig schmutzig, so viel Equipment. Und vor allem so viel geballte Muskelkraft, so viel Schweiß bei der Hitze, da kommst du schon mal in Wallung! Da weißt du nicht, wann es heißer zugeht. Tagsüber oder nachts? All das gab es beim laufenden Abriss der Vorlandbrücke (Nordbrücke). Und alles durfte er fotografieren!
Zum Schluss noch ein Rätsel für dich. Komm drüber, meine Tochter hat es sofort gelöst. Ich hatte das Fragezeichen noch nicht ausgesprochen, da kam, wie aus der Pistole geschossen, die Antwort. Frage: Zu welchem Konzert gehe ich mit meiner Freundin im Frühjahr? Kleiner Tipp von mir für dich. Es ist nicht Helene Fischer.