Donnerstag, 19. Februar 2026

Nicht Pulitzer, sondern Baumann!

 

Und, weißt du jetzt, was „Shelfies“ sind und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr bergeweise zugeschickt werden? Vergiss es, du hast dir natürlich nicht die Mühe gemacht und den Link in meinem letzten Artikel durchgelesen. Hast du dir wenigstens die beiden Bezeichnungen gemerkt? Okay, nein, also deshalb noch mal exklusiv für dich: SuB und Tsundoku. Ich komm deshalb drauf, weil ich gerade einen Roman tapfer bis zum Ende gelesen habe. Und wenn ich jetzt die Christine Westermann wäre und die Menschen auf mein fachfräuliches Urteil hören würden. Ich sag nur Bücherstapel. Das würde mich so was von interessieren, wie viele Menschen dieses Buch zu Ende gelesen haben und es durchgängig gut fanden. Und wie viele Menschen dieses Buch auf ihrem Tsundoku liegen haben. Diese 619 Seiten (!) mit dem Titel „Die Unbehausten“, hartkartoniert von der Barbara Kingsolver. Ich sag nur mutig, mutig, so viele Seiten.

Aber, wie gesagt, ich bin ja keine Fachfrau in Sachen Buchkritik. Aber gut, Spiegel- Bestsellerautorin und Pulitzer-Preis und hast du nicht gesehen. Ich habe übrigens noch ein Buch von der Barbara bekommen. Und da bin ich mir jetzt nicht sicher, ob sich da die BookTokerinnen mit ihren Followerinnen einen Schabernack erlaubt haben – von wegen Buchempfehlung. Von wegen einfach mal einen Scheiß empfehlen und schauen, wer so blöde ist und drauf reinfällt.

Was aber ja im Hinblick auf die Barbara nicht sein kann, weil immerhin ist die ja Pulitzer- Preisträgerin. Was aber das Praktische ist, das zweite Buch hat sogar 858 Seiten und ist auch hartkartoniert. Praktisch deshalb, weil, schau: Irgendwann ragt der SuB ja so was von in die Höhe, dass du ohne Leiter nicht mehr oben dran kommst. Wie du aber ja weißt, ist meine Stehleiter meistens auf meiner Verkehrsinsel in Gebrauch. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, dass ich die einfach mit einem Schloss an der Ampel ankette, damit ich die nicht immer hin und her schleppen muss. Die Leiter ist jedenfalls keine Option für meinen Bücherstapel. Auch optisch wäre ich damit nicht wirklich zufrieden. Da dachte ich mir, gestalte ich doch einfach eine Leiter aus hartkartonierten Büchern, die im günstigsten Fall recht dick sind. Und da bin jetzt wieder der Barbara so was von dankbar, dass die mir schon mal zwei tolle Exemplare zur Verfügung stellt.

Apropos Pulitzer-Preis. Hallo, ich habe auch einen Preis für meine literarischen Ergüsse bekommen! Ja, ich bin jetzt auch Preisträgerin! Wenn es dich interessiert, also nicht nur, um sich bei mir lieb Kind zu machen. Nicht, dass du aber nachher sagst, ja wenn ich das gewusst hätte, Fahrradkette. Im Moment gehe ich viral so was von durch die Decke. Ich glaub, man sagt das so nicht. Egal, weil anders kann und will ich es nicht formulieren. So was von einem Durchbruch, den ich da erzielt habe! Wie gesagt, wenn du unbedingt willst, ich dränge mich dir nicht auf, schau dir mal den Artikel hier auf Musenblätter an. Du hast natürlich jetzt ein Problem von wegen Neid und so, dein Problem. Das Adjektiv stolz habe ich jetzt noch mal vollkommen neu definieren können.

Ich habe natürlich jetzt auch eine ganz andere Durchschlagskraft, wenn ich auf der Brücke nach Tannenbusch neben den Altpapier-Containern nachts in meinem Zelt campiere. Du erinnerst dich? Nachts mit den lieben Mitmenschen ins Gespräch kommen, die dort neben die Container eine Schrankwand oder einen gigantischen lila Plüsch-Katzenbaum abladen? Jetzt, wo ich so was von bekannt im Internet bin, ist das womöglich ein guter Einstieg, wenn ich die Menschen erst einmal frage, ob sie mit mir ein Selfie machen wollen. Ob sie sich quasi ganz unverbindlich ein wenig in meinem Ruhm suhlen wollen. Mit diesem Opener habe ich garantiert die Sympathien auf meiner Seite.

Wo ich aber ja gerade bei Büchern war. Da wo Bücher sind, ist ja auch manchmal die Bildung nicht weit. Ich komm deshalb drauf, weil kürzlich wieder die Nordbrücke in meinem SCHAUFENSTER Thema war: „Schonfrist für Schulbusse“ hieß es da. Ab Montag, dem 9. Februar, werde die Brücke für alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen gesperrt. Eine zeitlich befristete Ausnahme gelte jedoch für Schulbusse. Was ich so was von nicht verstehe. Wir waren doch schon auf so einem guten Weg! Während Corona waren die Schulen entweder geschlossen (und komm mir nicht mit TEAMS und Co.!) oder die Eltern haben selbst entschieden, ob sie den kleinen Peter aus der Schule nehmen, damit er dem Opa auf seinem 80igsten Geburtstag nicht Corona aus der Schule mitbringt. Jetzt gerade im Winter hätte es sich doch so was von angeboten. Entweder Wetter oder Streik der Lehrer oder die Heizung ist im Schulgebäude kaputt. Und überhaupt ist es morgens so dunkel. Ich hab schon damals gesagt, wenn die Schulen für immer geschlossen geblieben wären, es wäre fast keinem aufgefallen. Und jetzt, hallo, die ultimative Chance, endlich ganz auszusteigen aus dem Thema Bildung: Es fahren keine Schulbusse mehr über die Nordbrücke. Super! Die Ursulinenschule in Hersel und das Collegium Josephinum Bonn hätten da federführend sein können. Erst sind die Schulen von der anderen Rheinseite nicht mehr zu erreichen. Dann kommen nur noch die linksrheinischen Schüler. Lohnt sich dafür aber bitteschön Heizung? Natürlich nicht! Und irgendwann kapiert es auch der letzte Streber, wenn er vor der geschlossenen Schule steht.

Natürlich muss man das Thema Bildung für die paar wenigen Schüler, die gerne gelernt haben, langsam ausschleichen. In der Vergangenheit wurde Bildung aber einfach überschätzt. Jetzt wäre doch der Zeitpunkt gewesen, Stellung zu beziehen. Dass Schüler Schulen erreichen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. 

Donnerstag, 22. Januar 2026

Ein Konvolut an Vorsätzen


Mit den Menschen ins Gespräch kommen – auf der Brücke. Nicht auf der Kennedy-Brücke, die ja gerade selbst so was von im Gespräch ist. Letztens ertappte ich mich doch tatsächlich dabei, dass ich den Artikel in meinem SCHAUFENSTER über die Zukunft, sprich das Chaos, das mit der Erneuerung der Brücke einhergehen wird, nicht gelesen habe. Schon seit Jahren höre ich ja von vielen lieben Mitmenschen, dass sie gar keine Nachrichten mehr hören. Da sagt ja aber die mündige Bürgerin, hallo, so geht das nicht, du musst dich informieren, du musst dich gerade den negativen Nachrichten, der aktuellen Weltpolitik stellen. Und, ja, jetzt kriegen sie mich mit den ständigen Nachrichten zum Thema Nordbrücke.

Was ich aber eigentlich sagen will, ich will natürlich mit den Menschen auf der Brücke vom Auerberg nach Tannenbusch ins Gespräch kommen. Mit den Menschen, die neulich wieder für folgenden Anblick verantwortlich waren: Du siehst neue, moderne Altpapier-Container und daneben und davor Lacke und Ölfarben in Dosen, Styropor, einen Stuhl und einen Fernseher. Kurz der Gedanke, es handelt sich um eine Kunstinstallation. Du weißt schon, Kunst als Gesellschaftskritik. War es natürlich nicht. Und da jetzt mein Vorsatz, mir die Zeit zu nehmen und auf der Brücke zu campieren. Ich vermute natürlich, dass die lieben Mitmenschen das mitten in der Nacht dort abstellen. Sodass ich mir da ernsthaft Gedanken werde machen müssen von wegen Zelt und so.

Natürlich, du kennst mich ja, werde ich die Wartezeit bzw. die Zeit zwischen zwei Aufklärungsgesprächen so sinnvoll wie möglich zu nutzen versuchen. Zunächst einmal werde ich mir einige Folgen von „Bares für Rares“ zu Gemüte führen. Was ich da den Experten an den Lippen hänge! Ich sauge förmlich jedes ihrer Worte auf. Abgesehen von den Fachbegriffen wie Voluten, Plinten oder Punzen. Nein, diese Vielzahl von für mich neuen Wörtern, die sie zur Beschreibung eines Gegenstandes verwenden – ein Genuss! Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich ein potthässliches Stück am Ende der Expertise von Colmar Schulte-Goltz oder Wendela Horz nur wegen ihrer blumigen Worte so was von zauberhaft fand!

Und so komme ich zu einem weiteren Vorsatz. Mit meinem nun vergrößerten und vor allem feineren  Wortschatz werde ich dann nachts in meinem Zelt anfangen, wieder Briefe zu schreiben. Ja, du liest richtig. Briefe schreiben so wie früher. Und zwar nicht nur an Familie und Freunde. Nein, ich werde an beliebige Adressaten schreiben. Vor allem aber auch an Lieblingsfeinde. Weil, soll mir nachher keiner sagen: hätte, hätte Fahrradklingel. Das ist ja auch selbiger Grund, warum ich die Menschkasse meiner Lieblingsdiscounter immer wieder ansteuere. Damit die da oben, also die Entscheidungsträger, mitbekommen, dass es ohne die Kasse, an der ein Mensch steht bzw. sitzt, nicht geht.

Wo war ich? Ach ja, auf der Brücke, im Zelt, im Dunkeln, hoffentlich warm genug eingepuckelt. Das muss ich total generalstabsmäßig aufziehen. Dass ich, wenn ich jemanden höre, sofort aus dem Zelt rausspringen kann und auch für ein längeres Gespräch warm genug angezogen bin. Wobei, das habe ich heute noch gesehen, falls ich zu wenig zum Anziehen dabei habe, kein Problem. Auf der Brücke gibt es ja auch einen Container für Altkleider. Was da heute wieder für Kleiderhaufen daneben lagen. Da wird sich notfalls bestimmt für mich etwas finden. Viel wichtiger, dass ich beim Briefeschreiben immer mindestens ein Ohr nach draußen gerichtet habe. Um genügend Adressaten für meine Briefe zu haben, weil es geht ja auch schon um eine gewisse Menge an Briefen, werde ich die Menschen, denen ich nachts beim Entsorgen ihres Mülls begegne, nach ihrer Adresse fragen. Dann schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens wieder ein Brief mehr und zweitens, vielleicht prägt sich ja meine Moralpredigt besser ein, wenn mein Gegenüber sie einmal hört und einmal liest. Ach, was sag ich, ich schreibe auch den Menschen einen Dankesbrief, die ihren Müll akkurat entsorgen.

Ja, und drittens, darum geht es ja bei dieser ganzen Aktion. Ich bin dann raus. Mich trifft keine Schuld. Auch ihr hättet es kommen sehen können. Ihr wart vorgewarnt. Zumindest du, der sich noch für Nachrichten interessiert. Genau, in Dänemark gibt es seit dem neuen Jahr keine öffentlichen Briefkästen mehr. Dänemark ist so was von digitalisiert, keiner hat dort mehr Briefe geschrieben. Also sag später nicht, du hättest es nicht gewusst. Jetzt weißt du es!

Und wenn ich vom Schreiben Lähmungserscheinungen in der Hand habe, noch ein Vorsatz. Licht brauche ich ja eh zum Schreiben. Ich mein, wenn solch ein Turm sich im Rahmen hält, mag es ja noch ganz intellektuell wirken. Und, klar, bedeutet er auch ein stückweit Vorfreude auf viele spannende, bereichernde Stunden. Aber wann und wie schnell kann die Vorfreude in Vorwurf umschlagen. Wichtig auf jeden Fall, dass sich das Leid nicht neben deinem Bett abspielt. Weil, du bist auch nicht mehr die Jüngste und irgendwann zerrst du dir noch was, wenn du versuchst, drüber zu klettern. Was wiederum den Vorteil hätte, dass du, monatelang ans Bett gefesselt, jetzt alle Zeit der Welt hättest. Hatte ich überhaupt schon erwähnt, wozu? Ich sag nur „SuB“ oder meinetwegen auch „Tsundoku“. Wer hätte das gedacht, dass wir Alten mal so was von froh sein müssen, dass es TikTok gibt! Ich mach dir mal Internet: 70,8 Millionen Einträge hat der Hashtag #BookTok auf der Plattform TikTok. 2024 sind laut Branchenverband etwa 25 Millionen Bücher aufgrund von BookTok-Empfehlungen gekauft worden. Weil sogenannte BookTokerinnen anders auf Bücher blicken als das Feuilleton, machen sie sie vor allem bei jungen Leserinnen populär. Ach ja, ich vergaß, „SuB“ steht für „Stapel ungelesener Bücher“. Im Japanischen gibt es für dieses Phänomen sogar ein eigenes Wort. Ich mach dir noch mal Internet: „Tsundoku“ bezeichnet die Situation, dass man Bücher kauft, die man lesen möchte, und sie auf einen Stapel legt. Irgendwie hat man dann aber doch keine Lust oder keine Zeit, die Bücher zu lesen.

Hier der Link zu dem Artikel. Lies ihn dir doch einfach durch – so was von witzig. Da erfährst du auch, was "Shelfies" sind, und was die Christine Westermann mit den Büchern macht, die ihr nicht nur stapelweise, sondern bergeweise zugeschickt werden.

Montag, 29. Dezember 2025

Überall nur Freude


Jetzt so zum Jahresende gab und gibt es ja doch mal den ein oder anderen Anlass, wo ich mich ein wenig chic machen könnte. Was mir allerdings, ich gebe es unumwunden zu, recht schwer fällt. Was ja aber auch kein Wunder ist zu dieser Jahreszeit: Da weißt du um 15:00 Uhr nicht, ob du deinen Schlafanzug noch oder schon wieder anhast. Also eigentlich vom Wohlfühlgefühl her könnte ich praktischerweise in meiner snuseligen, labbeligen Jogginghose bleiben. Weil, hallo, wenn du im Restaurant am Tisch sitzt, sieht eh keiner, was du untenrum trägst. Deshalb einfach ein Protzkette angelegt, und schon passt’s. Steht natürlich nicht zur Diskussion. Du weißt, der Karl, der Lagerfeld und ich, so was von close: „Wer mit Jogginghose aus dem Haus geht, hat sein Leben nicht im Griff.“ Und ich gebe ihm da so was von Recht: Du hast ein Bild vor Augen? Genau, ein junger Mann, der vor dir geht und eine Jogginghose trägt, bei deren Anblick dir folgende Fragen durch den Kopf schießen: Wird diese Hose 24/7 getragen? Wann wurde sie zuletzt gewaschen? Wurde sie überhaupt schon mal gewaschen? Okay, und was ist das krasseste Gegenteil zur labbeligen Jogginghose? Genau, die junge Frau, die eine knatschenge Leggings trägt. Diese Leggings, die den Po besonders betonen. Ich mach dir mal Internet: Man nennt sie „Butt Scrunch Leggings“. Ihr Merkmal: Hinten mittig verläuft eine geraffte Naht („scrunch“), die den Stoff zwischen die Gesäßhälften zieht und so einen push-up-artigen Effekt erzeugt. Ich versuche natürlich, mich irgendwo zwischen Jogginghose und Leggings zu bewegen.

Heiligabend zum Beispiel, immer wieder dasselbe Thema. Natürlich ziehe ich mich zum Nachmittag hin chic an. Auch zur Bescherung geht es bei uns noch feierlich zu. Klar, es wird ja auch das ein oder andere Foto gemacht, und da will ich ja nicht unbedingt in Jogginghose abgelichtet werden. Aber, Leute, muss ich mir dann beim Raclette-Essen das festliche Kleid einstinken? Ein Kleid, das man nicht eben mal bei 30 Grad waschen kann, sondern per Hand oder Reinigung oder. Ganz davon abgesehen, dass ich beim Raclette-Essen im Verlauf des Abends dermaßen das Schwitzen anfange!

Worüber ich mich erstmalig so was von gefreut habe, obwohl alles so war wie immer. Kennst du doch aber auch. Da kommt dir viele, viele Jahre alles ganz selbstverständlich vor. Da denkst du, na ja, auch schon tausendmal gesehen und vergisst dabei, dich zu freuen, dass eben alles wieder genau so stattfindet wie gehabt. Ich sag nur Corona. Was ich jetzt aber meine, worüber ich mich so was von gefreut habe. Weil, du erinnerst dich, ich muss ja nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Dieses Jahr hat mich ja das Projekt „Die SB-Kasse und ich“ so was von gefordert, so was von in Atem gehalten. Ich habe dir schon vieles darüber erzählt. Was aber noch dazu kommt. Seitdem es diese SB-Kassen bei meinen beiden Lieblingsdiscountern gibt, überlege ich nun jedes Mal, ob ich an die Menschenkasse gehe, damit ich als Kundin für den Erhalt einer solchen Kasse demonstriere. Und, ja, auch gleichzeitig mal wieder Augenkontakt zur netten Kassiererin habe. Auf der anderen Seite aber immer unterschwellig die Angst, aus meiner sehr, sehr fragilen Routine herauszukommen, wenn ich eine Übungssequenz an der SB-Kasse nicht wahrnehme. Du siehst diesen Zwiespalt? Du ahnst meine Zerrissenheit?

Und deswegen meine eben erwähnte Freude. Da gibt es kein Entweder-oder. Alles oldschool. Du ahnst es schon! Genau, ich spreche vom Weihnachtsmarkt. Wie oft ich dieses Jahr auf Selbigem war! Da muss ich mich nicht entscheiden! Klar muss ich mich entscheiden, ob ich etwas Gefilztes erwerben möchte. Oder vielleicht im hohen Alter doch ein Frühstücksbrettchen mit meinem eingravierten Vornamen. Ich habe sogar ernsthaft darüber nachgedacht, ein Bäumchen zu erwerben. Ich war so was von in Euphorie, dass ich doch tatsächlich fast ein Edelsteinbäumchen käuflich erworben hätte! Du kennst diese Bäumchen und magst sie? Dann sag ich jetzt lieber nichts dazu. Gott sei Dank hatten die am Stand so viel Auswahl, dass ich mich mit meiner fehlenden Entscheidungskompetenz nicht zwischen einem Feng-Shui-Bäumchen, einem Rosenquarz-Bäumchen und einem Amethyst-Bäumchen entscheiden konnte. Erschwerend kam auch noch dazu, dass ich eine wage Vorstellung davon hatte, dass mein Göttergatte mir mit solch einem Mitbringsel den Eintritt in unsere gemeinsame Behausung verwehren würde. Was ich aber eben auf dem Weihnachtsmarkt nicht entscheiden musste, ich musste mir gar keinen Kopf machen, ob ich mich mental in der Lage sehe, ob ich Lust habe, das Projekt „SB-Kasse“ zu wuppen oder nicht. Da gibt es nämlich keine SB-Kassen! Die freuen sich sogar über Bargeld!

Worüber ich mich auch so was von gefreut habe und immer noch freue. Eigentlich muss es heißen, für wen ich mich so gefreut habe. Das sind die Kessler- Zwillinge. Dass die beiden Schwestern doch tatsächlich gleichzeitig gestorben sind. So schöne Zufälle gibt es!

Und wenn du dich auch mal freuen möchtest, musst du dir unbedingt die Serie Frierundfünfzig anschauen. Was war das damals schmerzlich für mich, als die Serie „Dani Lowinski“ mit Annette Frier als Anwältin, die ihre Sprechstunde im Untergeschoss einer Einkaufsmall abhielt, eingestampft wurde.

So, und zum Schluss für uns alle ein Grund für geballte Hochfreude. Wir müssen wirklich keine Angst haben, dass Putin uns angreift bzw. dass wir nicht verteidigungsfähig sind. Denn so stand es in meinem SCHAUFENSTER zu lesen: Ein schlecht gesicherter Baum kann bei einer Vollbremsung zum gefährlichen Geschoss werden. Ein 30-Kilo-Baum wird bei einer Vollbremsung von 50 km/h schnell zu einem 750-Kilo-Geschoss. Ich bin bereit!

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Bar oder gar nicht?


Was soll ich sagen? Soll ich jetzt den Job der Kassiererin übernehmen? Ich glaube, es war in Maastricht, da musste ich zum ersten Mal in meinem Leben an eine SB-Kasse, weil es nur die gab! Als ich dann ganz weltfraulich mit Karte bezahlen wollte, stellte ich fest, dass meine SB-Kasse nur Bargeld annahm. Die Nachbarskasse hätte hingegen nur die Karte akzeptiert. Hallo, jetzt stelle ich mich schon notgedrungen den Herausforderungen unserer Zeit, gehe selbstredend davon aus, dass nur Karte – und dann darf ich nur mit Bargeld zahlen! Witzig! Und dann rauscht auch noch das 2-Euro-Stück durch! Da hatte ich eben besagtes Déjà-vu mit dem Reiben der Münze am öffentlichen Fernsprecher.

So, nun aber mein Projekt: Vor Wochen habe ich damit gestartet und mit Sicherheit wird es sich noch Wochen und Monate hinziehen. Weil, schau dir doch mal die Kommandobrücke an! Da krieg ich schon Schnappatmung beim bloßen Hinschauen! Irgendwie sieht es aus, wie ein moderner Operationstisch für minimalinvasive Eingriffe oder wie das Schaltpult einer Müllverbrennungsanlage. Was ich selbstredend nach meinem Erlebnis in Maastricht zu Beginn in Erfahrung gebracht habe: Welche SB-Kasse akzeptiert was? Und, rate mal, ich nenn es jetzt einfach „Da, wo ich mittlerweile meistens hingehe“ gibt es nur SB-Kassen, an denen ich mit Karte bezahlen kann. Ein Stressfaktor weniger. Was aber so was von ohne Bedeutung ist, weil es hundertfünfundneunzig andere Hürden für mich zu überwinden gilt.

Das erste Mal, gut, ich war es auch selbst schuld. Eigentlich war es ein guter Plan: Ich gehe zuerst ohne Einkaufswagen rein und nehme nur ein Produkt. Ein Liter Vollmilch zum Beispiel. Mit diesem Produkt gehe ich dann an die SB-Kasse, trainiere, was zu machen ist, verlasse mit dem durch Kassenzettel bewiesenen bezahlten Produkt den Laden, nehme mir nun einen Einkaufswagen und starte mit dem eigentlichen Einkauf. So genau gehe ich vor, immer natürlich mit ein wenig größerer Herausforderung – Ausnahme das erste Mal! Da habe ich mich komplett überschätzt bzw. wusste nicht, was da an Komplikation auf mich zukommen würde: Ich sage nur Strauchtomaten. Ich weiß jetzt nicht, wo ich dich mental abholen muss, meine Strauchtomaten sind nicht abgepackt, sondern lose. Will heißen, ich stecke sie in einen Plastikbeutel. Für diese Fälle führe ich immer in meinem Rucksack Plastikbeutel vom Bäcker meines Vertrauens mit. Der packt mein Brot nämlich immer in einen Plastikbeutel und ich, von wegen Nachhaltigkeit, schmeiß den nicht weg, sondern eben Strauchtomaten, lose. Und jetzt kommt’s. Woher hätte ich das vorher wissen können? Steh ich mit meinen drei Strauchtomaten in Plastikbeutel an der Kommandobrücke, lege sie auf die Waage, drücke tatsächlich die richtige Produkttaste, warte auf den Preis. Da fragt mich die Maschine, ob ich einen Knotenbeutel benutzt habe, ob die Tomaten in einem Beutel sind. Und da gab es jetzt trotz intensiven Suchens keinen Buzzer, wo ich Folgendes hätte eingeben können: Ja, ich habe einen Plastikbeutel benutzt, aber der ist nicht von hier. Ich habe dann in meiner Not auf „Abbrechen“ gedrückt und, indem ich mich an der Menschkassenschlange vorbeigedrängelt habe, das Geschäft verlassen – in der Hand besagte Stauchtomaten. Auf dem Weg zu den Einkaufswagen sah ich mich plötzlich aus der Sicht einer Kamera: Eine Frau verlässt schnellen Schrittes das Geschäft, ohne die Strauchtomaten bezahlt zu haben.

Aus diesem Vorfall habe ich selbstredend gelernt. Und habe dann, wie ich dir eben schon sagte, mit ganz einfachen Dingen angefangen, wie der Liter Milch. Oder 500 g Magerquark. Übrigens, während ich da so stehe und die Codes eingebe (ich bin ja jetzt so was von codefixiert. So oft wie ich jetzt auf diesen Barcode schaue, habe ich das noch nie, weil es bis jetzt beim Einkauf nicht zu meiner Kernkompetenz gehören musste!). Während ich also mich jedes Mal so was von freue, wenn die Maschine "Pling!" macht, weil sie den Code erfolgreich gescannt hat, die Frage in meinem Köpfchen, warum das eigentlich Barcode heißt, obwohl ich ja gerade nicht mit Bargeld bezahle. Du denkst jetzt, ich verscheißere dich. Tu ich nicht, ich wusste es wirklich nicht. Warum soll ich dir das nicht ehrlich sagen. Es war mir offensichtlich vorher nicht wichtig genug, das einmal herauszubekommen. Deshalb habe ich du weißt schon was. Und hier die Antwort: Mit Barcode (engl. bar = Balken) oder Strichcode werden maschinenlesbare Schriften bezeichnet. Diese können mit speziellen Strichcode Lesegeräten (auch Barcode Scanner) erfasst werden, um die Daten weiterzuverarbeiten. Der Begriff Barcode entstand aus den ursprünglich nur eindimensional dargestellten Codes (1D-Code).

Nachdem ich ganz, ganz oft bei ein und demselben Lieblingsdiscounter geübt hatte (mal mit nur einer Banane oder einer Flasche Rotwein), dachte ich mir, jetzt kannst du ohne Stress auch mal zu deinem anderen Lieblingsdiscounter gehen. Ich lud also in meinen Einkaufswagen 100 g abgepackten Feldsalat, auf dem folgendes rote Schild klebte: Ich bin noch gut! -30%. Und, du weißt, was nicht fehlen darf, die Flasche Rotwein. Und ja, ich dachte im Vorfeld, bei der Rotweinflasche wird ein Mensch draufschauen wie bei meinem anderen Lieblingsdiscounter, ob ich schon 18 bin. So witzig, es war genau anders herum: Keine Sau interessierte sich dafür, ob ich schon Rotwein kaufen darf. Aber beim Thema Rabatt, holla die Waldfee. Während ich bis jetzt gewohnt war, dass der Rabatt-Aufkleber einen eigenen Barcode hat, war das hier jetzt anders. Du musstest am Ende explizit für den Artikel eine Rabatt-Taste drücken. Und während ich registrierte, dass die Maschine das Bezahlen verwehrte, rief mich auch schon die Kassiererin, und ich musste ihr den Feldsalat mit dem Aufkleber zeigen.

Hallo, was für ein Wahnsinn! Ich als Kundin habe es offensichtlich mit zwei verschiedenen Softwareprogrammen zu tun. Nicht nur, dass ich selbst alles scanne, nein, ich muss mir auch merken, welches Softwareprogramm was kann.

Mittwoch, 12. November 2025

Die Hunsrück-Story


Jetzt aber: die Herausforderung 2025 für mich schlechthin. Lange genug musstest du ja warten. Ich kam ja deshalb auf das Thema, weil ich eine Münze am Metall reiben musste, damit die nicht einfach so durchrauscht.

Stichwort Lieblingsdiscounter – mal schauen, wer am Ende des Tages noch mein Lieblingsdiscounter ist. Weil, da hat sich ja so was von viel getan. Gut, es ist jetzt nicht so, dass ich Angst habe zu verhungern. Nicht, weil mir das Geld fehlt. Das ist zurzeit noch nicht das Problem. Aber ich merke, dass ich in letzter Zeit zunehmend Puls habe, je näher es ans Bezahlen geht. Wobei ich näher im wahrsten Sinne des Wortes meine, physikalisch. Oftmals ertappe ich mich dabei, dass ich mich extra an die längere Schlange anstelle, weil ich mental einfach noch nicht bereit bin. Weil ich die längere Wartezeit, die Ruhephase, die Meditation unbedingt brauche. Ich bin einfach nicht so schnell. So langsam kann ich gar nicht alt werden, wie die Veränderungen schnell vonstattengehen. Kaum hatte ich die Sache mit der APP auf dem Handy, das ich an der Kasse zücken muss, im Griff. Weil, das ist ja schon einiges, was du da sparen kannst. Kaum hatte ich, also du konntest jetzt nicht von einer gewissen Routine sprechen. Also gerade hatte ich das Gefühl, den Anschluss nicht verpasst zu haben. Da tauchen plötzlich neben den Kassen mit Mensch so Selbstbedienungskassen auf. Ich weiß, was du jetzt denkst: Hab dich nicht so, dann geh doch einfach an die Kasse mit Mensch. Mach ich ja. Aber die Angst, die jedes Mal mitschwingt, dass ich es doch bitteschön dringend lernen sollte, weil es bald nur noch menschlose Kassen gibt. Und, was soll ich sagen, ehrlich, ich habe auch Stress an den neuen Menschkassen meines Lieblingsdiscounters. Ich mach dir mal Internet, damit du weißt, was ich meine: Kassen mit doppeltem Warenschacht werden auch als Doppelkassen bezeichnet. Sie sind ein Konzept, bei dem zwei Kunden gleichzeitig an einer Kasse abgefertigt werden können, weil sie einen verlängerten Aufbau mit zwei separaten Schächten und Auslagen haben. Während ein Kunde bezahlt, kann der Mitarbeiter bereits die Ware des nächsten Kunden scannen, was den Prozess beschleunigen soll. Ja, du hast Recht, kenn ich ja auch schon von Rossmann, dass die dann ein zweites Fach aufmacht, damit die Kundin vor mir ihre Zahnpasta und Wimperntusche in RUHE einpacken kann. Hier bei meinem Discounter (hast du gemerkt, Lieblingsdiscounter ist nicht mehr.) geht es um ganz was anderes. Kaum hat das Kassierende die letzte Ware des Kunden vor mir abgewickelt, schiebt es meine Waren in den zweiten Warenschacht. Kein Problem, wenn ich den Schacht bekomme, der mir am nächsten ist. Wenn anders, muss ich mich erst um den noch einpackenden Kunden mit meinem Einkaufswagen winden, selbigen in die richtige Position bringen, höre währenddessen schon von Weitem eine Zahl, die vermutlich den Betrag darstellt, den ich zu zahlen habe – und habe noch nicht ein einziges Teil in meinen Wagen geworfen. Und während ich anfange, meine Geheimzahl einzugeben, schiebt das Kassenmensch bereits die Waren meines Hintermannes in den Nebenschacht (du merkst, der Schacht hat es mir angetan.). Was ich sagen will: Es gibt für die Kassiererin nicht mehr die paar wenigen Sekunden zwischen zwei Kassenkunden, in denen der erste seinen Bezahlvorgang abwickelt, seine Karte einsteckt, ja, einen Kassenbon haben möchte und einen schönen Tag wünscht.

Wo ich jetzt aber gerade beim Einkaufen bin und an der Kasse stehe: da mal eine süße Geschichte! Im Jahre 2024 haben mein Traummann und ich in Hamburg in der Deichstraße eine Crêpe gegessen. Total lecker mit karamellisierten Äpfeln und Maronencreme. Das Projekt war klar: Das machen wir zuhause - und haben ganz Hamburg nach Maronencreme abgesucht. In Supermärkten, so groß wie eine Kleinstadt – ohne Erfolg. Und komm mir jetzt nicht mit im Internet bestellen. Weiß ich selber. War keine Option, wollte ich analog jagen. 2025 im Herbst machen mein Göttergatte und ich Urlaub im Hunsrück. In dem kleinen Städtchen Kastellaun gibt es jetzt außer einer Burgruine nicht wirklich viel zu erkunden. Und du kennst das selbst, wenn du jetzt einen Tag erwischst, der sich nicht wirklich zum ganztägigen Wandern anbietet, wenn es so richtig üsselig ist, wenn du schon stundenlang gelesen hast oder auch ein wenig altersgerechten Sex hattest. Dann schlendere ich auch mal ohne Einkaufszettel ziellos im Edeka oder Rewe herum. Schaue auch mal rechts und auch mal links in die Regale. Interessiere mich für Produkte, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt – Urlaub eben (nebenbei, drinnen im Laden ist es auch absolut wärmer als draußen und nichts Nasses kommt von oben). Und was glaubst du, was wir da gefunden haben? Richtig, bei den Marmeladen Maronencreme von der Firma Maman. Wir natürlich direkt alle Gläser aufgekauft. Dann Herbst 2025, wieder im Hunsrück, wieder bei Edeka. Weil ich keine Maronencreme finde, frage ich eine Verkäuferin: „Wir haben letzten Herbst einige Gläser Maronencreme gekauft.“ Verkäuferin: „Da waren Sie die einzigen. Die ist bei uns nicht gelaufen. Deshalb ist sie herausgenommen worden.“ Stunden später, ich hatte jetzt wirklich den bestmöglichen Überblick über das Warensortiment gewonnen, läuft besagte Verkäuferin hinter uns her: „Das Glas habe ich noch im Lager gefunden, das will keiner von uns haben, das wird sonst weggeschmissen.“ In ihrer Hand hält sie ein Glas Maronencreme, darauf ihre Signatur, damit die Kassiererin weiß, dass wir es geschenkt bekommen. An der Kasse erzähle ich der Kassiererin die abgekürzte Geschichte. Die sagt: „Ich wurde nicht gefragt, ob ich das Glas haben will.“ Sie schaut auf das Etikett und sagt: „Ich wusste gar nicht, dass es so was gibt.“ Nebenbei, im Edeka in Kastellaun im Hunsrück gibt es weder die neuen Doppelkassen noch SB-Kassen.  

Wo ich gerade bei der süßen Crêpe war, noch ein süßer Witz aus dem Film „American Fiction“: Zwei Rosinen im Vorratsschrank: Die eine Rosine lacht und fragt die andere: „Warum um alles in der Welt hast du einen Helm auf dem Kopf?“ Antwortet die andere: „Na, weil ich gleich in den Stollen muss.“ Und, das gehört zum eigentlichen Witz dazu, sagt mein Traummann doch tatsächlich zu mir, während ich mir den Witz für dich aufschreibe: „Schatz, vergiss’ es, den wirst du sowieso falsch erzählen“.

Und nächstes Mal Herausforderung Teil II, genau, das Bezahlen an der SB-Kasse. Eigentlich, wenn ich ehrlich bin, komm ich ja erst jetzt zu der Münze. 

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Vielleicht doch zwei Slipeinlagen übereinander?


Ich hatte es dir schon angedroht, also maul nicht rum. Du weißt Bescheid, dass es heute noch einmal in die Schweiz geht – aber dann, versprochen: die Herausforderung 2025 für mich schlechthin!

Dieses Jahr wollte mein Göttergatte unbedingt auf den Titlis. Ein Berg, du verstehst, Aussicht und so. So, was musst du jetzt über den Titlis wissen? Ich fasse mal das Internet zusammen: Auf 3'062 Meter wird nicht nur eine atemberaubende 360° Rundsicht über das weite Engelberger Tal geboten, sondern auch der Blick in die Tiefe, wo zahlreiche Spalten das Gletschereis durchfurchen. So richtig cool wird es dann bei der Bergstation: Quer durch den Titlisgletscher führt eine 150 Meter lange künstliche Gletschergrotte direkt ins Herz des Gletschers. Hier hängt die Decke voller Eiskristalle, geheimnisvoll blau schimmert das Gletschereis und Gletscherspalten öffnen sich in der Decke. Warm anziehen sollte sich, wer ins Eis steigt, denn unter dem 20 Meter dicken Gletscher steigt das Thermometer nicht höher als -1° C! Eine weitere Attraktion ist der «Titlis Cliff Walk» – die höchstgelegene Hängebrücke Europas. Hast du gelesen, Schätzelein? Dass es da oben recht zugig ist, dass du dich da warm anziehen solltest – habe ich. Alles, was ich für den gesamten Sommerurlaub im Köfferchen von Bonn aus mitgenommen hatte, habe ich mir übergezogen. Und trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich im Gletscher jetzt geschwitzt hätte. Was da das absolut Perverse ist, abgesehen von der Tatsache, dass die einen Tunnel durch den Gletscher gebohrt haben: Weil da so viele Touristen am Tag durchlatschen. Menschen, die ihre Körperwärme abgeben, wird die Temperatur jetzt künstlich kühl gehalten, damit der Gletscher nicht deshalb über Gebühr schneller schmilzt, als er es ohnehin in Zukunft tun wird.

Das aber nur am Rande. Was ich eigentlich erzählen wollte. Was meinem Göttergatten und mir so was von auffiel - nebenbei, selbstredend waren wir schon wieder so was von früh unterwegs. Was uns so was von auffiel. Ich sollte vielleicht sagen, wer uns so was von auffiel, auch in seiner Massierung: der Inder an sich, respektive die Inder. In unserer Gondel eine indische Touristengruppe und wir hören vom Guide, dass er am selben Tag insgesamt sieben indische Gruppen dort oben hinführen wird. Und was uns noch auffiel. Viele, viele junge Inderinnen trugen, also während meine bestrumpften Füße in geschlossenen Wanderschuhen steckten und meine Finger mangels Handschuhen in Wanderwollsocken, trugen viele Inderinnen nackte Füße in Flipflops und wunderschöne bunte, leichte Saris mit nichts drüber! Ich kam mir so was von fimschig vor – und vor allem so was von unbeweglich. Und wenn du drei Unterhosen, zwei Leggings übereinander, eine Radlerhose, eine Radlerregenhose, gefühlt Minimum fünf Oberteile, Bikinihose- und oberteil als Schal und, wie schon gesagt, Männerwandersocken als Handschuhe umgepüngelt hast, siehst du auch scheiße aus. Da weiß ja noch keiner, dass ich mir aus Sicherheitsgründen zwei Slipeinlagen übereinander in die Unterhose geklebt hatte von wegen Blasenentzündung und so. Worüber ich im Nachhinein so was von froh war. Weil, sieh dir mal das Foto an: ich auf dem Eisthron! Und total tiefenentspannt, während mein Traummann den richtigen Winkel zum Fotografieren suchte.

So, wo war ich? Richtig, ich vollkommen bekloppt verkleidet und unbeweglich. Ich mein, wenn du so scheiße aussiehst, das schlägt dir ja auch so was von aufs Gemüt. Und die Inderinnen leicht bekleidet mit Flipflops und bunten Saris – und singend und tanzend und lachend und posend und … Diese Glückseligkeit, diese unglaubliche Freude – ich konnte sie nicht nachvollziehen. Zumal das meist begehrte Motiv „tanzende Inderinnen vor Großbaustelle mit Kränen, Sendemast im Bauzustand  und Bauequipment“ war. Was wir auch nicht verstanden haben, du lasest Hinweistafeln zum WC, zu Shops und Restaurants - und zum INDIAN GROUPS RESTAURANT. Ist das nicht rassistisch, mein Gedanke. Dass man hier offen und schnörkellos zugibt, die Inder bitteschön gerne zusammen in einem Restaurant zu wissen? Geld sollen sie gerne bringen, sich aber in alle anderen Restaurants zu verteilen, wird eher nicht gerne gesehen? Wegen der Gerüche – nicht der Menschen, sondern deren Essen? Oder deren Essensverhalten? Ich fand das dermaßen so was von rassistisch. Und dachte, schau mal, der Schweizer leistet sich das einfach und der Inder tanzt und singt dazu.

Klar, so offen fremdenfeindlich ist der Schweizer natürlich nicht! Da wäre er ja auch schön blöde, so viel Geld wie da mit den Indern verdient wird! Hintergrund, du ahnst es vielleicht schon, ist sich folgender. Ich weiß nicht, kennst du Bollywood-Filme? Ein eigenes Genre. Liebesschmalz, vor allem viele Stunden lang. Und tu jetzt nicht so überheblich nach dem Motto „So einen Scheiß schau ich mir nicht an“. Weil schau Internet: Bollywood-Filme können Thema im Studium sein, insbesondere in den Bereichen Film- und Medienwissenschaften, da sie ein wichtiges kulturelles Phänomen darstellen, das sich mit globalen Themen, indischer Kultur, dem Bildungssystem und gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzt. Und genau so ist es. Deshalb haben mein Göttergatte und ich zwei solcher Filme zu Studienzwecken angeschaut. Problem für mich die Länge. Unter drei Stunden läuft da gar nichts. So, also steig von deinem hohen Ross herunter und lern was von mir! Ich mach dir mal Internet in Kurzform: Der Film „Dilwale Dulhania Le Jayenge“( dtsch. Wer zuerst kommt, kriegt die Braut) aus dem Jahr 1995 ist einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme. Die Aufnahmen am Titlis sind Teil der romantischen und unvergesslichen Momente des Films und machen den Berg zu einem besonderen Ort für Bollywood-Fans. Aufgrund mehrerer dort gedrehter indischer Filme wird der Ort von vielen indischen Touristen besucht.

Deshalb das Motiv, die Baustelle, vor der gesungen und getanzt wird, man sieht den Schriftzug TITLIS im Bild. Deshalb die Finger zum Herz geformt, der Titlis nennt sich mit Zweitnamen THE MOUNTAIN OF LOVE. Und die Sache mit dem Indian Groups Restaurant, natürlich geht es nur darum, den indischen Gästen ihren Aufenthalt auch in kulinarischer Hinsicht so angenehm wie möglich zu machen.

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Wickelfisch im Rhein gesichtet


Ich kam ja neulich drauf wegen der Münze, die ich in der öffentlichen Telefonzelle am Metall gerieben habe, und meiner neuen Herausforderung. Worüber ich jetzt aber in dem Zusammenhang schon mehrmals nachgedacht habe: Wenn ich das damals schon hätte kommen sehen, das mit dem Wohnraum und so. Ich hätte geschaut, dass ich an das ein oder andere ausrangierte Telefonhäuschen gekommen wäre und würde das heute als Ein-Zimmer-Appartement vermieten. Ich mein, das ist doch reine Platzverschwendung, dass die heute als öffentliche Bücherschränke genutzt werden. Du weißt, was ich meine. Da hinein stellen Menschen entweder ihre gelesenen Bücher oder holen sich eins zum Lesen heraus. Aber das ist so wie mit dem Thema Brief. Du erinnerst dich, dass jemand damals vor der Telefonzelle wütend gebrüllt hat, du sollest einen Brief schreiben, wenn dein Telefonat ihm zu lange vorkam.

Tja, Brief und Buch  - zwei Dinge, die nachgerade aus unserem Leben verschwunden sind oder dabei sind zu verschwinden. Wie das Wort nachgerade auch fast verschwunden ist. Hier, schau Internet: nachgerade, Adverb. 1. veraltend nach und nach, mit der Zeit, allmählich - „wir haben uns nachgerade daran gewöhnt". 2. gehoben geradezu - "er wurde nachgerade ausfallend, unverschämt". Aber wenn ich noch einige Jährchen warte, ist das Thema Bücherschrank mangels Büchern ja auch durch. Entweder weil wir in einer Gesellschaft leben, in der das Lesen im Allgemeinen überbewertet wird oder weil es keine Bücher mehr aus Papier gibt. Dann schlage ich aber so was von zu!

Wo ich gerade bei Büchern bin, ich bin ehrlich, in den Sommerferien habe ich auch eher wenig gelesen. War viel mit dem Rädchen unterwegs, viel Natur genossen. Es fing ja hier in NRW schon mal so was von blöde an: Weil so viele Menschen im Rhein ertrunken waren, hatte ja Düsseldorf die Reißleine gezogen und ein Badeverbot im Rhein ausgesprochen. Andere Städte folgten. Und da haben mein Traummann und ich uns kurzerhand entschlossen, in die Schweiz respektive nach Basel zu fahren. Nein, Scherz, war schon lange vorher geplant. Aber horch bzw. lies! Gib einfach mal „Basel Schwimmen im Rhein“ ein: In Basel gehört das Schwimmen im Rhein im Sommer zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten und ist an vielen Stellen erlaubt, erfordert aber Vorsicht und gute Schwimmkenntnisse aufgrund der Strömung und Schifffahrt. Es gibt offizielle Flussbäder wie das Rheinbad St. Johann und Breite sowie ein jährliches offizielles Rheinschwimmen. Die Wasserqualität ist in der Regel gut, aber es gelten strenge Sicherheitsregeln, darunter das Vermeiden von Schifffahrtsrinnen und Hafengebieten. Wenn du willst, kannst du noch weiter lesen.

Mein Traummann und ich sind natürlich auch im Rhein geschwommen – und ich habe folgende Frage recherchiert: Sterben in Basel viele Menschen im Rhein? Und warum ist das Schwimmen im Rhein in Basel erlaubt? Nach meinen Recherchen sterben sehr wenige Schwimmer dort. Aber du bist ja schon groß, also recherchier gefälligst selbst! Ich bin nach langer Recherche zu folgender Meinung gelangt: Der Schweizer – ja, auch die Schweizerin – schwimmt nur dann im Rhein, wenn er ein guter Schwimmer ist. Wirft die Frage auf, ob der Schweizer intelligenter ist als der Deutsche. Oder anders: Gibt es hier in NRW überproportional mehr blöde Menschen als in Basel oder sonst auf der Welt? Menschen, die von sich ein realitätsfernes Eigenbild haben?

Was ich übrigens in dem Zusammenhang total witzig finde: Manche Baseler schwimmen morgens zu ihrem Arbeitsplatz bzw. lassen sich dorthin treiben. Wie sie es schaffen, dass die Kleidung trocken bleibt, erklärt dir das süße Tutorial „How to use a Wickelfisch“. Nebenbei, der Wickelfisch wurde 2002 von Tilo Ahmels als Marketing-Gag für die IWB erfunden, um die Rückkehr der Wasserqualität des Rheins zu feiern. Und, lies: Der Wickelfisch ist eine innovative, wasserdichte Schwimmtasche in Fischform, die in Basel erfunden wurde und Kultstatus erlangt hat, um beim Schwimmen im Rhein die Kleider trocken zu halten. Man kann ihn bei der Touristinformation Basel mieten oder direkt kaufen. Der Wickelfisch wird in verschiedenen Größen und Designs angeboten und ist ein unverzichtbarer Begleiter für das beliebte Rheinschwimmen in Basel und darüber hinaus. Hast du mitbekommen, oder? Der Tilo Ahmels (gib den mal ein) hat den Wickelfisch 2002 in Basel erfunden. Der Durchbruch erfolgte im Hitzesommer 2003, als das Schwimmen im Rhein populär wurde. Produktion - Der Wickelfisch wird in der Schweiz von der Wickelfisch AG konzipiert und designed. Sie ist seit 2017 für das Produkt und die Marke verantwortlich. Den folgenden Satz kriegst du erst zum Schluss – von wegen der Spannung. Marke & Kultur - Seit 2010 ist die Marke Wickelfisch® eine geschützte und eingetragene Marke. Der Wickelfisch ist in der Schweiz ein KULTURGUT geworden. Ich hab dir Kulturgut extra in Großbuchstaben geschrieben. So, jetzt der Satz, halt dich fest: Die Produktion erfolgt in China in sorgfältiger, serieller Handarbeit.

Ich lach mich kaputt! Hallo, die Schweizer, die bei Lidl ihre heimischen Produkte so was von bewerben! Überall die Schweizer Flagge drauf. Und hier, schau dir das Foto an:


15 Import-Eier Bodenhaltung. Da weißt du doch sofort bescheid, Schätzelein, was Sache ist. Da weißt du doch sofort bescheid, dass du da billigen Scheiß kaufst. Und dieselben Schweizer haben ein Schweizer Kulturgut, in der Schweiz in Basel von einem Mann erfunden, der seit 1997 in Basel lebt. Und dieses Kulturgut wird in China gefertigt – selbstredend in sorgfältiger, serieller Handarbeit. Würde ich genau so schreiben. In der Schweiz, wo alles so was von teuer ist. In der Schweiz, wo die so was von stolz auf ihre Identität sind, da wird der Wickelfisch in China produziert. Ich glaub’s ja nicht.

Wo wir gerade bei Badeunfällen sind. Bitte, sei so lieb, und sei ehrlich, so richtig was wirklich anders Wichtiges hast du doch gar nicht zu tun, lies dir mal die Seite https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/badeunfaelle-bademeister-bds-dlrg-100.html

durch. Nur ein paar wenige Stichworte aus dem Beitrag: Steigende Zahl von Badeunfällen, Eltern achten nur auf ihr dämliches Smartphone. Bademeister sind keine Kindergärtner. Zum einen unterschätzen Menschen die Gefahren im Wasser wie Strömung und Temperaturunterschiede. Zum anderen überschätzen sie ihre eigenen Schwimmfähigkeiten. DLRG-Statistik - 15 Menschen an einem Wochenende ertrunken - Stand: 26.06.2025. Schau dir gefälligste den ganzen Beitrag an!

Wie ich mich schon oben zu fragen wagte: Wohnen in NRW überdurchschnittlich viele Menschen, die von sich ein realitätsfernes Eigenbild haben?

Donnerstag, 11. September 2025

Zwischen Hörer und Muschel

Was mir aufgefallen ist – ich hab dir schon lange nichts mehr von meinen Stunden auf meiner Verkehrsinsel im Auerberg erzählt. Ich habe da ja auch noch mal aufgesattelt und in eine Teleskopleiter investiert. Holla, die Waldfee. Das hat sich echt gelohnt: Da sehen die von Norden kommenden Autofahrer mich schon auf der Höhe von Hersel und von Süden her schon am Bertha-von-Suttner-Platz. Ganz andere Reichweite, so ein Plakat auf einer Teleskopleiter! Ich erwähnte ja schon, dass mein Traummann mittlerweile Rentner ist, und wir da halt auch schauen müssen, wie wir finanziell über die Runden kommen. Ich sagte dir ja bereits, dass VIP zu sein nicht gleichbedeutend mit Reichtum zu setzen ist. Jedenfalls haben wir uns in Anbetracht des Themas fehlender Wohnraum und hohe Mieten dazu entschieden. Mein Göttergatte hat sich da wirklich viel Mühe gegeben: gereinigt, alles in Weiß gehalten, damit es freundlich und vor allem großzügig wirkt. Ich sag mal so, besser als nichts, zumindest für den Übergang. Mein Traummann hat sie so was von adrett hergerichtet. Da kannst du fein drin schlafen. Okay, wenn du lange Beine hast, musst du mit angezogenen Beinen. Was man ja aber sowieso macht, in Embryostellung schlafen. Dafür ist die Luft aber so was von frisch. Genau, wir haben uns entschieden, die beiden Lichtschächte in unserem Haus zu vermieten. Und dafür werbe ich auf meiner Verkehrsinsel im Auerberg.

Und wenn ich nicht auf der Teleskopleiter stehe, was ja schon wegen der Höhe in Kombination mit Wind und Wetter recht anspruchsvoll ist, habe ich ein gigantisch neues Projekt in Angriff genommen. So was von eine Herausforderung für mich, kann ich da nur sagen. Neulich rauschte eine Münze durch – wie vor uralten Zeiten - und ich habe wie vor Urzeiten selbige am Metall gerieben und schon klappte es. Ich weiß nicht, wie alt du bist. Ich hatte jedenfalls, als ich die Münze am Metall rieb, so was von ein Déjà-vu. Das kannst du dir heutzutage überhaupt nicht mehr vorstellen – und solltest du auch nicht, sonst kriegst du nämlich so was von Herpes. Schon wenn du die Tür geöffnet hast, schlug dir ein Gestankgemisch aus abgestandener Luft, Urin und Pupsen entgegen. Aber du warst froh, wenn du die Tür öffnen durftest, denn das hieß, du bist dran. Manchmal gefühlt nach unendlicher Wartezeit. Was sich da auch immer an Aggression vor der Tür in der Warteschlange aufstaute. Du machst dir keine Vorstellung. Vom Geklopfe an der Scheibe, „Schreib doch gefälligst einen Brief“ oder „Ich hab’s eilig“ bis hin zu „Ich komm dir gleich rein, du Blödmann“. Damals gab es das Wort Passiv-aggressives Verhalten noch gar nicht. Du weißt, was ich damit meine? Hier Internet: „bedeutet, dass man negative Gefühle oder Ärger nicht direkt, sondern auf indirekte und oft versteckte Weise ausdrückt. Statt offener Konfrontation vermeiden Personen mit passiv-aggressivem Verhalten Konflikte und zeigen ihren Widerstand oder ihre Ablehnung auf subtile Art und Weise.“ Da war nichts mit subtil oder so, wenn du Pech hattest, haben sie dich aus der Zelle geschmissen. Jetzt denkst du, wie genau habe ich Pech, wenn ich aus der Zelle, aus dem Gefängnis geworfen werde. Ich meine aber nicht diese Zelle, sondern die Telefonzelle, den öffentlichen Münzfernsprecher. Bei uns waren die gelb. In England rot. Schau dir doch einfach mal Bilder im Internet an.

Was ich aber eigentlich erzählen möchte, wo ich eigentlich hinkommen will. Wenn du dann endlich an der Reihe warst, du also in der Zelle standest und die Tür hinter dir geschlossen hattest, gab es zwei Möglichkeiten. Entweder du kanntest die Telefonnummer, die du anwählen wolltest, oder du musstest in dem dort ausliegenden dicken Telefonbuch nachschlagen. Und falls du die Nummer suchen musstest, gab es wieder zwei Möglichkeiten. Entweder du fandest die gewünschte Nummer im dicken gelben Buch oder genau die Seite war rausgerissen und du verließest unverrichteter Dinge die Zelle. Und hattest spontan viele Freunde, weil es bei dir nur so kurz gedauert hatte. Hattest du aber die Nummer und wolltest jetzt wählen, musstest du notgedrungen den Hörer abnehmen, in deine Hand nehmen und Geldstücke (Geldstücke, die du im Vorfeld fein gesammelt hattest) in den Schlitz werfen. Du hieltest den Hörer ganz nah an dein Ohr und an deinen Mund! Und denk ja nicht, dass da irgendeiner an Desinfektion gedacht hätte. Dass da irgendeiner mit einem Tüchelchen oder so. Und dann hast du gewählt und dich gefreut, ich sage nur Drehscheibe. Du hast dich gefreut, wenn die Nummer nicht unendlich viele Neunen hatte. Und während du wartetest, dass jemand abnimmt, hast du alles gerochen, was du nicht riechen wolltest. Stell dir bitte vor, wie viele Menschen, und vor allem wer, mit welcher Mundhygiene da schon vor dir reingesprochen hatte, reingespuckt hatte, in der Nase gepopelt hatte und den Popel ... Soll ich weiter machen? Oder sagst du, du hast eine wage Vorstellung? Und möchtest auch, dass die Vorstellung wirklich nur wage bleibt. Und endlich ein Hallo auf der anderen Seite, aber sei sicher, Tiefenentspannung ist jetzt trotzdem nicht angesagt. Weil, während du telefonierst, musst du immer wieder nachladen und hörst die Münzen nur so durchrattern. Und dann gibt es Geldstücke, die rauschen  einfach nur durch. Die reibst du während des Gesprächs am Metall und versuchst es –meist mit Erfolg – noch mal. Du glaubst, du hast genügend Münzen gehortet, hast du aber nicht. Und gerade hast du die letzte Münze in den Schlitz gesteckt, da sagt dir die andere Seite, dass die Liebe zu dir jetzt auch nicht mehr die ist, die sie mal war, und du hörst nur noch das Freizeichen. Und du hängst den Hörer ein, öffnest die Glastür und wirst mit einem aggressiven „Na endlich“ begrüßt.

Wo ich dir ja eben erzählt hatte, dass die Warteschlange vor solch einem Telefonhäuschen meist spannungsgeladen, dir nicht eben wohlgesonnen war, weil du aus ihrer Sicht immer zu lange telefoniert hast. Es gab eine einzige Ausnahme: Früher, wenn du durch die Tür warst, warst du ja tatsächlich weg. Nicht wie heute, Handy und so. Und dann kamst du irgendwann mit deiner Ente (ein Auto!) in Südfrankreich auf dem Campingplatz an und stelltest dich in die Warteschlange vor der einzigen Telefonzelle auf dem Campingplatz. Die Stimmung war immer gut und ausgelassen. Weil erstens hatte es dein Gefährt bis hierhin geschafft. Und zweitens wusstest du, dass jeder vor dir in der Schlange nur folgenden Satz sagt: „Wir sind gut angekommen.“  

Dienstag, 19. August 2025

Gefährliches Handwerk

 

Seitdem ich ja jetzt weiß, dass der Kartenkörper meiner BankCard ein Elektrogerät ist und nicht einfach so im Hausmüll entsorgt werden darf, bin ich ja jetzt schon ein wenig sensibilisiert. Neulich habe ich zum Beispiel bei meinem Lieblingsdiscounter ein Paar Gartenhandschuhe  erworben. Auf dem daran hängenden Informationszettel, der genau so groß wie die Handschuhe ist, liest es sich folgendermaßen: Schutzumfang EN 388:2016+A1:2018. Für mittlere mechanische Risiken 1. Abriebfestigkeit (auf einer Skala von 0 bis 4) 2, Schnittfestigkeit (vor der 1 ein X und die Skala geht bis 5) 1. Weißt du was, ich mach dir einfach mal ein Foto davon.


So, jetzt denkst du, jetzt aber, voll informiert, los geht’s -  denkst du aber auch nur! Das ist gerade mal die Hälfte, die ich dir abgelichtet habe. Jetzt geht’s erst richtig los: Prüfung – Schutzhandschuhe vor jedem Gebrauch auf Risse und Löcher untersuchen (Leute, was da an Zeit drauf geht!). Schadhafte Handschuhe ersetzen. Benutzung – Handschuhe über saubere, trockene Hände ziehen (hast du dir schon mal über schmutzige, nasse Hände Handschuhe gezogen?), möglichst kurz und gezielt tragen und nicht mit anderen Personen gemeinsam nutzen (heißt für mich, ganz wenige Minuten Gartenarbeit, am besten keine. Und wer, bitteschön, steht schon in der Schlange, um mich bei der Gartenarbeit abzulösen?). Beim Ausziehen darauf achten, dass die Außenseite nicht mit bloßen Händen angefasst wird (ich dachte sofort an tödliche Gifte) und nach Benutzung die Handschuhe ggfs. trocknen. Handschuhe nach dem individuellem Einsatzzweck in der passenden Größe auswählen und auf ausreichende Fingerbeweglichkeit achten (fand ich auch einen super Tipp, die passende Größe zu wählen. Jetzt verstehe ich auch, warum ich immer so schreckliche Fußschmerzen habe. Ich habe Schuhgröße 41, kaufe aber immer Schuhgröße 38.) 

So, jetzt Reinigung: Je nach Verschmutzungsgrad nach jedem Gebrauch ausklopfen oder ausbürsten. Waschanleitung beachten! Nicht waschbar! Und weiter – Lagerung: Bei normaler Raumtemperatur, trocken und gut belüftet lagern. Sonnenlicht und direkte Wärmeeinstrahlung vermeiden. Haltbarkeit: Die Gebrauchsdauer ist abhängig vom Verschleißgrad und der Verwendungsintensität in den jeweiligen Einsatzbereichen (maximal 3 Jahre). Entsorgung: Über den Hausmüll, örtliche Bestimmungen beachten (mein Thema!).

Was jetzt das Blöde war. Vor lauter Lesen dieser ganzen Bestimmungen bin ich gar nicht dazu gekommen, dem Unkraut in unserem Garten beizukommen. Hieß dann für meinen Traummann umso mehr Arbeit – mit bloßen Händen. Mal ganz davon abgesehen, dass da ja auch stand, man solle mit den Handschuhen Sonnenlicht und direkte Wärmeeinstrahlung vermeiden.

Wo ich gerade bei dem Pflegeetikett für die Gartenhandschuhe bin. Täusch ich mich, oder werden die Zettel in der Kleidung, die über Material und Waschanleitung Auskunft geben, immer länger? Mittlerweile ist das ja ein halbes Buch, was da innen am Kleidungsstück baumelt.

Apropos Kleidungsstück, das nicht mehr passt. Neulich hatte ich für meine Waage eine neue Knopfbatterie käuflich erworben und saß jetzt stundenlang vor der alten leeren, weil ich nicht wusste, wohin damit. Plötzlich mein Handy, die Warn APP, laut wie Sau. Ich nichts wie hin und werde dann über folgenden Sachverhalt informiert: dass in einem Wertstoffhof in Swisttal ein Feuer ausgebrochen ist. Ich werde über starke Rauchentwicklung informiert. Später lese ich, dass es eine Warnung vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gegeben hat. Dort hieß es, man solle in der Region vorsorglich Klima- und Lüftungsanlagen abschalten und Fenster und Türen schließen. Ein Sprecher der freiwilligen Feuerwehr vor Ort sagte, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Messungen zufolge gehe man nicht von einer Gesundheitsgefährdung aus. Da bin ich jetzt ehrlich: Ist das jetzt das Resultat aus den Vorfällen, die damals im Ahrtal nicht gut oder falsch oder katastrophal gelaufen sind? Dass ich jetzt, wenn in China ein Sack Reis umfällt, derart in Panik geraten muss?

Nebenbei, es hieß ja dann auch, dass es schon Ende Mai im gleichen Wertstoffhof gebrannt hatte. Damals war die Feuerwehr vier Tage im Einsatz, bevor das Feuer gelöscht werden konnte. Ursache für den Großbrand seien Lithium-Ionen-Akkus.

Was ich da nicht verstehe. Heute hatte ich an meiner Grünen Tonne einen Zettel in grell Orange mit der Aufschrift „Falsch beladen“. In der Tonne waren nur Grünabfälle! Ja, es kann sein, dass der Kunde, ich, die Kundin – ich bezahle ja Geld dafür, dass meine Mülltonnen gelehrt werden -, dass der Kunde die Grünabfälle stark gepresst hat. Dann muss eben noch einmal maschinell gerüttelt werden oder wie man das nennt. Vielleicht sogar mit Arbeitshandschuhen einmal Hand angelegt werden. Ich muss ja auch, wenn ein Schüler es beim ersten Mal nicht kapiert, es ihm noch einmal erklären. Ich muss ja auch ein zweites Mal in meiner Freizeit (!) mit Schülereltern sprechen, wenn die beim ersten Mal meine Ansagen nicht verstanden haben. In der Zeit, in der ich meinen Müll sortiere, die Grünabfälle möglichst täglich durchtöftel, damit sie beim ersten Versuch sofort herausfallen. In genau der Zeit brennt wieder eine Halle bzw. sind Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe in Lebensgefahr ob besagter Lithium-Ionen-Akkus von Einwegzigaretten.

Und ich sitze da und überlege, wie soll ich es dir erklären, ja, ich habe tatsächlich in meiner Verzweiflung überlegt, die alte Knopfbatterie einfach runterzuschlucken. Aber, ja, lach nicht so blöde, hab ich sofort auch realisiert, dass die unten bei mir. Und dann in den Kreislauf, welch Katastrophe! Was für eine Lobby steckt hinter den E-Zigaretten? Es ist doch so einfach: Den Verkauf verbieten, solange das Pfandsystem nicht geregelt ist. Und das Pfand ist so teuer, dass man die leere Zigarette eben nicht in den Müll schmeißt.

Übrigens, die Gartenhandschuhe trage ich nicht zum Unkrautjäten. Erstens, weil mein Traummann das übernommen hat, das Unkrautjäten. Und zweitens, die sehen so stylisch aus, die trage ich ganz normal im Alltag.

Mittwoch, 30. Juli 2025

Endlich Wie-Ei-Pie!


Wo ich ja letztens in einem Hotel in Leuven war. Du erinnerst dich? Die Sache mit der Honesty Bar? Als wir an unserem Abreisetag ganz, ganz früh, du kennst mich. Je früher am Tag, desto weniger Mensch in der Natur. Desto weniger Mensch, der da stört. Mein Traummann und ich also auf dem Hotelparkplatz, ganz früh, 7:00 Uhr vielleicht. Auf dem Parkplatz gibt es extra eine Parkbucht für riesige Dodge-Geländewagen. So einer stand da auch drauf, fein in dem für ihn markierten Platz. Hinter ihm ein normaler Parkplatz, auf dem ein normaler roter PKW stand. Was die Parkplatzmarkierer offensichtlich nicht bedacht haben: Um ausparken zu können braucht solch Gefährt weit mehr Rangierfläche als ein normaler PKW. Und der fehlte an diesem frühen Morgen, weil wirklich alle Parkplätze belegt waren. Offensichtlich waren der SUV-Fahrer und wir beide Frühaufsteher. Als der Mann uns kommen sah, fragte er, ob uns das hinter ihm parkende rote Auto gehöre. Ich verneinte und wurde gewahr, dass der Hotelparkplatz so was von eng war, dass der Fahrer nur den Parkplatz verlassen konnte, wenn der rote PKW dort nicht stünde. Ich hätte so gerne gewusst, wie das ausgegangen ist: Wecken die an der Rezeption den Fahrer des roten PKW mitten „in der Nacht“ oder wartet der SUV- Fahrer fein geduldig, bis der Langschläfer sich um 10:00 Uhr am Frühstücksbuffet sehen lässt?

So, jetzt aber. Ich weiß, du sitzt schon auf heißen Kohlen. Ich hab mal im Internet geschaut. Da gibt es ja so was von nette Synonyme für "auf heißen Kohlen sitzen". Da liest du ungeduldig warten oder einer Sache entgegenfiebern. Man kann aber auch sagen, dass man sich wie auf glühenden Kohlen fühlt oder auf die Folter gespannt wird.

Ich will aber gerade noch, ich muss dich aber gerade noch etwas fragen, was mir schon seit Tagen unter den Nägeln brennt. Da hieß es doch neulich in den Medien: Kartenzahler, wehrt euch gegen die Trinkgeld-Erpresser! Ob in Biergärten oder Bäckereien - es greift eine unverschämte Trinkgeld-Masche um sich. Bunte Felder auf dem Kartenleser sollen Kunden dazu umerziehen, auch ohne Serviceanstrengung einen Aufschlag zu zahlen – quasi für nichts! In der Bäckerei ist die Trinkgeld-Aufforderung für Kartenzahler eine Unverschämtheit, schreibt WELT-Autor Karsten Seibel. Man findet sie mittlerweile an der Kasse im Selbstbedienungsbiergarten genauso wie in der Bahnhofsbäckerei. Wer sich bei Frühlingstemperaturen ein Bier holt oder kurz vor dem Sprung in den Zug noch ein Brötchen kaufen will, wird dort jäh gestoppt, wenn er bargeldlos zahlen will: durch bunte Felder mit Prozentzahlen auf dem Bildschirm des Kartenlesegeräts, die automatisch auf den Preis aufgeschlagen werden. Mit etwas Glück ist die niedrigste Zahl eine Fünf, wer Pech hat, muss mindestens eine Zehn drücken, um seinen Kauf abschließen zu können. So, jetzt frage ich dich: Ist das ein Witz, dass es Bäckereien gibt, die von mir Trinkgeld haben wollen oder ist das eine Fake-Nachricht? Ich hab mal geschaut, den Karsten Seibel gibt es. Weil, du erinnerst dich. Ich hatte mich ja schon so was von aufgeregt, dass die mir in der Bar im Hotel im Hamburger Hochbunker die Maschine hingelegt hatten mit der 20%-Trinkgeld-Voreinstellung. Aber das wäre ja noch mal um einiges dreister!

Weil, gut, ich bin zwar mittlerweile eine VIP, aber das macht mich natürlich nicht automatisch reicher. Status, ja, Selbstwertgefühl, unbenommen, aber Geld hängt da keins dran. Was ich mir jetzt wohl auch überlegt habe, ich mein, die anderen machen das ja auch. Drängen dir ihre Visitenkarte auf, nur damit du auch mitkriegst, dass sie Doktor Hastdunichtgesehen sind. Oder sie wollen dir ihr Von unterjubeln. Also ich denke, diese kleine Investition werde ich tätigen, es macht einfach was her, wenn ich jemandem meine Karte überreiche – vielleicht in Goldprägung: Adelheid Bennemann – VIP-Leserin. So, jetzt weißt du es. Ja, ich bin VIP-Leserin meines SCHAUFENSTERS. Und ich bin stolz darauf – wie Isabell K. Sie sagt: „Jeden Dienstagmorgen bekomme ich eine E-Mail. Da brauche ich bloß auf den passenden Link zu

Klicken: Zeitung erhalten, alles klar.“

Wo ich gerade bei VIPs bin. Neulich waren mein Traummann und ich wieder mal mit dem Rädchen unterwegs, am Rhein entlang, Richtung Siebengebirge. Da gibt es nämlich ein Weinhaus, das offensichtlich alle kennen, nur wir nicht. Da kannst du drinnen im alten Gemäuer sitzen, es gibt aber auch hinten raus draußen viele überdachte Sitzplätze. Also quasi überdachter Weingarten. Wir hatten nicht reserviert, drinnen wurde  gespeist, wir wollten nur ein Weinchen trinken. Klar war das für uns in Ordnung, „draußen“ zu sitzen. Obwohl, und das muss man ganz klar sagen, es ist ja gerade das Mobiliar, das ganze „Old-school-Interieur, das die Atmosphäre indoor ausmacht. So, jetzt pass auf. Kurz nach uns kam ein älteres Ehepaar, das sich auch nach „draußen“ setzte, nicht weit von uns entfernt. Aber nicht weil es wollte, sondern weil es musste. Jetzt fragst du, woher ich das weiß? Hallo, mein Traummann und ich haben natürlich sofort alles Reden eingestellt und die Ohren neugierig gespitzt. Ist doch klar. Weil, das bisschen, was wir zwei Hübschen uns noch zu erzählen haben, hat ja Zeit. Also der Chef. Ob es der Chef war, weiß ich natürlich nicht. Es war aber jemand, der das Paar kannte, an dessen Tisch kam und beide mit Handschlag begrüßte. Und – ich sagte dir, meine Ohren so was von nah dran am Gespräch – es ging sich um „eigentlich gerne drinnen sitzen, tut mir leid, alle Tische belegt, wirklich schade, zieht hier auch leicht, nächstes Mal, versprochen“. Der alte Mann war sichtlich leicht verstimmt, not amused. Du weißt genau, was ich meine – Stichwort Stammkunde. Stell dir vor, du bist Stammkunde und musst trotzdem draußen sitzen. Und wenn du durch das Fenster schaust, siehst du, wer wirklich bevorzugt behandelt wird. Du jedenfalls nicht! Die Sache ist doch die, wie beschränkt oder egozentrisch bist du? Wie wichtig nimmst du dich, wenn du solch eine Situation thematisierst? Ist dir nicht klar, dass es viele Gäste gibt, die wie du häufiger kommen? Mit denen der Gastronom als guter Gastgeber und zum Zwecke der Kundenbindung das ein oder andere Wort wechselt.

Was mich jetzt interessieren würde. Wenn ich da schon eine VIP gewesen wäre und denen das gesagt hätte, ob die vielleicht dann doch unter Aufbietung aller Kräfte versucht hätten, für uns drinnen noch zwei Plätze zu organisieren. Das Unmögliche möglich gemacht hätten und uns drinnen hätten Platz nehmen lassen. Da hätte der ältere Herr aber dumm aus der Wäsche geguckt!

Donnerstag, 3. Juli 2025

VIPs inkognito

 

Ich weiß, hatte ich versprochen. Dir zu erzählen, wie ich es jetzt doch noch zur VIP geschafft habe. Aber Geduld. Jetzt musstest du so lange warten, da kommt es auf die paar Minuten auch nicht mehr an. Erst noch etwas zu meiner neuen BankCard. Du erinnerst dich? So was von nachhaltig, so was von aus 100% recyceltem PVC, der Kartenkörper! Was in dem Schreiben meiner Bank auch noch stand: Laut Elektro- und Elektronikgerätegesetz ist diese Karte ein Elektrogerät und darf nicht im Hausmüll entsorgt werden. Daher geben Sie diese bitte zerschnitten bei einer geeigneten Sammelstelle für Elektrogeräte ab. Die Adresse erhalten Sie von Ihrer Kommunalverwaltung. Wusste ich nicht, dass meine BankCard ein Elektrogerät ist. Deshalb, frag mich besser nicht, wie ich bis jetzt meine BankCards entsorgt habe.

So, jetzt aber, jetzt habe ich dich aber lange genug auf die Folter gespannt. Du weißt ja bereits, dass ich, seitdem ich eine VIP bin, so was von ganz anders durchs Leben gehe. Ich denk mir, dass ich das auch ausstrahle. Ja, doch, das macht etwas mit mir. Ich bin der festen Überzeugung, wenn ich damals schon im Bonner Kunstmuseum diese Ausstrahlung gehabt hätte, vielleicht. Aber komm, Schnee von gestern. Du weißt ja, ein Gläschen Prosecco für mich, und schon sehe ich die Welt mit anderen Augen – vor allem aber die Kunstwerke. Egal, was da an der Wand hängt – wahnsinnig schön! So auch in einer Galerie in Meckenheim: Ein Gläschen Winzersekt und schon bin ich total begeistert. Nein, Spaß beiseite, tatsächlich eine tolle Ausstellung: „Squaredance“ in der Galerie FIRLA. Kannst du dir noch bis zum 13.Juli anschauen!

Wo wir aber auch so was von lieb behandelt wurden. Horch: Letztens hatten mein Traummann und ich Hochzeitstag. Und wo haben wir den zelebriert? Richtig, back to the roots! Zu den Ursprüngen, zum Anfang. Da wo fast jeder Student einmal in seinem Leben in Bonn gewohnt hat. Richtig, in der Altstadt. Wobei ich jetzt gar nicht sagen kann, ob das mit heutigen Maßstäben überhaupt als Wohnen bezeichnet werden kann. Ich geb dir mal Beispiel. Ach, weißt du was, ich geb dir einfach mal den Link dazu. Ich hab da nämlich vor langer Zeit schon mal drüber geschrieben: „Mobildusche oder Frankenbad - das war damals die Frage“. Das war das eine, das andere aber war das Etagenklo, das ich mit meinem Traummann und zwei anderen MÄNNERN teilte! Die dann Feten feierten – mit anderen Männern –, die sich nicht alle zum Pinkeln setzten! Der Knüller: Es gab keine Bodenfliesen sondern Holzdielen – mit Zwischenräumen, mit Ritzen! Du willst gar nicht wissen, was da für Leben in der Bude war! Muss ich noch mehr beschreiben oder hast du genug Kopfkino? Wie komm ich drauf? Richtig, Altstadt, unser Hochzeitstag, auf den wir im Pawlov angestoßen haben. Kennst du bestimmt: Egal wann du da an der Ecke Heerstraße / Dorotheenstraße vorbei radelst, egal welche Jahreszeit, welche Temperaturen – da sitzen immer Menschen draußen, gefühlt seit Jahrhunderten. Wir auch an unserem Hochzeitstag. Und wie wir da draußen an „unserem“ Zwei-Personen-Tischchen bei einem Kaltgetränk sitzen und mit der Kellnerin ins Gespräch kommen, ihr sagen, dass wir unseren Hochzeitstag feiern – direkt gab es noch für meinen Göttergatten und mich ein Glas Sekt aufs Haus. So kann es auch gehen.

Wobei ich das ja mit dem Sekt respektive Prosecco nicht gar so eng nehme: Jetzt, zu dieser Jahreszeit gerne auch mal ein Glas Rosé. Und da weiß ich jetzt nicht, wie das XIAO das erfahren hat, dass ich darauf voll abfahre (ich meine das bitteschön metaphorisch!). Vielleicht hat es auch mit meinem neuen VIP-Status zu tun, dass die mich kennen. Weil, neulich lese ich doch in meinem SCHAUFENSTER folgende Lettern: XIAO-News – Brunch-Genuss & Rosé-Sommer. Ab 25. Mai Sonntags-Brunch / Frühstück & jeden Dienstag all you can drink Rosé-Wein im Buffet-Preis inklusive. Hallo, ich natürlich sofort am Start von wegen Tischreservierung und so, bis mir plötzlich einfiel. Holla, die Waldfee! Ich mein, das muss sich ja schon lohnen, das mit dem Rosé gratis. Wenn ich dann aber dienstags danach auf meine Schüler treffe. Ich habe deshalb nach reiflicher Überlegung  davon Abstand genommen. Gut, meine Schüler im besoffenen Kopf zu erleben – also nicht die mit besoffenem Kopf sondern ich: hätte schon seinen Reiz! Aber die Gefahr, dass mir da die Hand zu locker sitzt und ich dem ein oder anderen eine pfeffere – zu groß! Aber toll vom XIAO finde ich es allemal. Und die Sommerferien stehen ja vor der Tür!

Apropos Rosé. Neulich waren mein Traummann und ich in Belgien, in Limburg, im Städtchen Leuven unterwegs. Ich komm deshalb drauf, weil es da im Hotel eine sogenannte Honesty Bar gab. Hatte ich bis dato noch nicht gehört, aber schau, ich hab mal für dich ins Internet geschaut: Eine Honesty Bar, auch Vertrauensbar genannt, ist eine Bar, an der sich Gäste selbst bedienen und die konsumierten Getränke und Snacks eigenständig auf einer Liste notieren oder in eine Kasse legen. Die Bezahlung erfolgt in der Regel beim Auschecken oder nach eigenem Ermessen. Sie ist ein Konzept, das auf Vertrauen zwischen Gast und Gastgeber basiert. Jetzt weißt du auch, warum ich so was bis jetzt nicht kannte. Genau, da wo wir sonst absteigen, kannst du dich nicht verlassen, dass die Gäste, du weißt, was ich meine. Ja, ich gebs zu, das Hotel war ausnahmsweise ein klein wenig edel. Deshalb diese Honesty Bar. Wobei ich es so ganz nicht verstehe. Weil es ja doch oft auch heißt, dass gerade die Reichen. Also, dass die nicht umsonst reich geworden sind. Egal. Wie auch immer, in der Bar gab es verschiedene Biersorten in Flaschen im Kühlschrank. Mein Mann sich eine Flasche und ein Glas genommen und auf einem Zettel mit vorgefertigter Liste einen Strich hinter Bier gemacht. Gedacht war es so, dass man für jeden Tag einen Zettel mit Datum und Namen ausfüllt. So, und jetzt aber. Ich entschied mich für ein Glas Rosé. Die 0,75 l Weinflaschen standen angebrochen bzw. unangebrochen in der Bar in einem kleinen Kühlschrank. Und ich – und jetzt musst du dich in mich hineinversetzen. Weil, da stand auf dem Zettel „ein Glas Wein“. Was ist denn ein Glas Wein? Oder besser gefragt: Wie viel ? Ich habe dann kurz in die Höhe geguckt und nach einer Video-Kamera gesucht. Und keine gesehen. Und bin deshalb, ja, du kannst es dir schon denken, davon ausgegangen, dass ein Glas 0,2 l Wein bedeutet – oder 0,25 l. Und manchmal kannst du es ja auch nicht so genau bemessen – beim Einschütten.   

Jetzt bin ich heute auch wieder nicht dazu gekommen, dir zu erzählen, wie ich eine VIP geworden bin. Schade, nächstes Mal aber, versprochen!

Mittwoch, 11. Juni 2025

Fässer voller Sekt wäre mir lieber

 

Eigentlich wollte ich ja heute nur über Schönes reden – nach all dem Müll von letztem Mal. Keine Chance! Schau mal, was ich da noch habe. Folgende Lettern in meinem SCHAUFENSTER: 60-Liter Fässer mit Lösungsmitteln entsorgt. Auf einem Parkplatz in Dransdorf waren 15 illegal entsorgte, rostige Metallfässer entdeckt worden. Welchen Inhalt die Fässer hatten, war zunächst nicht klar. Mitarbeitende des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) untersuchten – unterstützt von Feuerwehr und Ordnungsdienst der Stadt Bonn – in Schutzanzügen die Metallfässer. 12 der 15 Fässer waren mit Lösungsmittel befüllt, das zum Teil bereits ausgehärtet war. Von den Fässern und deren Inhalt ging keine Gefahr aus. Der Einsatz wurde erfolgreich beendet. Mal ganz davon abgesehen, wie viel Manpower da stundenlang gebündelt war. Welcher Asi kommt denn bitteschön auf die Idee, seine Fässer dort zu entsorgen?

Und auf der anderen Seite hast du mich. Ich erhielt per Post ein Schreiben mit meiner neuen BankCard. Du machst dir keine Vorstellung davon, wie unglaublich erleichtert ich war. Denn vorausgegangen waren etliche Tage des Bangens. Unzählige Tage waren ins Land gegangen, an denen ich voller Hoffnung in den Briefkasten geschaut hatte. Und immer wieder diese herbe Enttäuschung, dass wieder kein Schreiben meiner Bank in Selbigem lag. Aber dann endlich die Erlösung. Hieß es doch in dem Begleitschreiben meiner Bank: Ab sofort ist Ihre Karte nachhaltiger, da der Kartenkörper aus 100% recyceltem PVC besteht (Kartenkörper, tolles Wort! Nebenbei, Bahnkörper ist auch ein tolles Wort. Kennst du, an der Straßenbahn: Lebensgefahr - Betreten des Bahnkörpers verboten. Ich denke oft, bis der ein oder andere überhaupt verstanden hat, von welchem Körper die Rede ist, ist er schon längst überfahren worden.). Aber zurück zu mir, was für eine Erlösung! Da fiel mir aber so was von ein Stein vom Herzen. Weil, ich gebe ehrlich und unumwunden zu, dass mir das so was von unzählige schlaflose Nächte bereitet hatte, dass der Kartenkörper meiner alten BankCard nicht aus 100% recyceltem PVC bestand. Und jetzt das! Welche Erleichterung, welche Freude! Stutzig, vielmehr ein wenig unruhig, machte mich aber das klitzekleine Sternchen oben rechts hinter dem Großbuchstaben C. Ich natürlich sofort ganz aufgeregt weiter unten das Sternchen gesucht und gefunden. Dort stand geschrieben: Bitte beachten Sie, dass sich die Recyclingangabe nicht auf die weiteren Elemente wie z. B. Chip, Magnetstreifen oder Unterschriftstreifen bezieht. Welch Wechselbad der Gefühle: Gerade noch so was von im siebten Himmel, dass du auch im Hinblick auf deine BankCard so was von auf der sicheren Seite bist, und dann eben doch nicht so ganz.

So, jetzt aber, ganz anderes Thema: Ich bin ja neuerdings eine VIP. Endlich! Wenn ich bedenke, wie lange ich darauf hingearbeitet habe. Wie viele Rückschläge ich habe einstecken müssen, aber jetzt ist es soweit: Ich bin eine VIP! Wie oft ich schon knapp davor war, eine VIP zu sein, Hoffnung geschöpft habe, und dann wieder große Enttäuschung, alles umsonst. Erst neulich, umsonst. Also ohne dass es etwas gekostet hätte, wäre es zwar nicht gewesen, Aber was tut frau nicht alles, wenn sie sich erst einmal etwas in ihr Köpfchen gesetzt hat. Wo ich wieder mal die Chance hatte, eine VIP zu sein, da hieß es in meinem SCHAUFENSTER: Ein Tag! Eine Insel! Eine Party! Partyfans aufgepasst: Mit dem Inseltanz in der Rheinaue startet eine neue Ära der ausgelassenen Partys. Erlebt die Mallorca-Stars live. Ich kannte keinen dieser Stars aber, horch. Jetzt kommts: Wer es beim Inseltanz so richtig krachen lassen möchte, der bucht am besten gleich das „VIP-Inseltanz Package“. Darin enthalten sind der Zugang zur exklusiven VIP-Insel mit bester Sicht, Begrüßungscocktail, Open Bar mit Sekt und Wein. Als ich ein Ticket erwerben wollte, ausverkauft.

Wo ich aber gerade wieder bei Sekt, Wein und Begrüßungscocktail bin. Wo ich auch so was von gerne VIP gewesen wäre. Neulich lag in meinem Briefkasten eine Einladung des Kunstmuseum Bonn. Eingeladen wurde zur Eröffnung der Ausstellung „Heimweh nach neuen Dingen – Reisen für die Kunst“. Und da muss ich jetzt schon sagen, da habe ich eher Fernweh nach den alten Dingen. Ich habe mich an einem Mittwoch mit dem Rädchen aufgemacht und war 20 Minuten vorher da. Um 19 Uhr sollte es losgehen. Hatte also noch genügend Zeit, weil ich kannte das eigentlich so: Damit die Bude voll ist und alle den Rednern aufmerksam folgen, darf sich jeder auf ein Gläschen Prosecco einstellen. Egal wie lange der Redner redet, selbst wenn er es sich nicht nehmen lässt, das Leben des Kunstschaffenden von Tag 1 an zu beleuchten. Oder der andere Redner ohne Rücksicht auf Verluste jedes einzelne Kunstwerk, und seien es noch so unbedeutende Skizzen, zu besprechen. Von deiner Seite kein Gejammer. Du wusstest, auf was du dich einlässt und hast es über dich ergehen lassen – mit einem Gläschen Prosecco in der Hand. Und meist war es auch das zweite Gläschen, an dem du dich festgehalten hast. Klassische, wie sagt man heutzutage, Win-Win-Situation eben.

Neulich im Kunstmuseum hätte ich auch ein Glas Prosecco trinken können, aber ich hätte es kaufen müssen! Hallo! Im Foyer beobachtete ich eine Frau, die sich mit dem Fotografen und anderen Verantwortlichen unterhielt, wer denn wohl wer sei. Ich hörte sie fragen, ob ihnen dieser und jener Besucher im Foyer bekannt sei. Es ging eindeutig darum, wer denn ein wichtiger Besucher ist, wer eine very important person ist. Denn, jetzt kommts. Hatte man sich besprochen, wer persönlich begrüßt werden sollte, steuerte sie auf Selbige zu. Begrüßte die Gäste, und jetzt horch, und gab ihnen eine Art Getränkebon, ein kleines Zettelchen mit etwa folgenden Worten: „Wie freuen uns, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben. Gerne können Sie sich an der Bar ein Glas Wein oder Prosecco holen.“ Da vermisse ich doch bitteschön die guten alten Zeiten, auch wenn die Ausstellung „Heimweh nach neuen Dingen“ heißt. 

Da fällt mir ein, ich hatte dir ja gesagt, dass ich es aber mittlerweile anderweitig geschafft habe, eine VIP zu werden. Erzähl ich dir nächstes Mal. Nur so viel: Ich gehe ganz anders durchs Leben.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Wer hat meinen Koffer?

 

Neulich hatte ich ja die neuen blauen Altpapiercontainer zwischen. Tolles Foto dazu, oder? Der Hammer, oder? Hatte nichts mit meinem Artikel zu tun, weiß ich selber. Fand ich aber so was von toll, was da die Kreativen kreiert haben. Und, immerhin hieß die Überschrift ja „Welch ein Blau“.

Du glaubst gar nicht, wie es mir immer wieder in den Fingern juckt, wenn ich mit meinem Fahrrädchen über die Brücke von Auerberg nach Tannenbusch fahre: Jedes Mal möchte ich wieder Fotos machen, von dem ganzen Müll, der sich da AUßERHALB, zwischen und neben den Müllcontainern ansammelt, und zwar immer wieder aufs Neue. Wo ich aber gerade wieder dabei bin. Neulich folgende Lettern in meinem SCHAUFENSTER: Gefährliche Fehlwürfe. Gerade hatte ich mich von meiner Radon-Panikattacke erholt, und jetzt das. Welche Gefahr drohte jetzt schon wieder? Aber schon in der zweiten Zeile Entwarnung – dachte ich. Weil, es las sich: Was gehört wirklich in die Gelbe Tonne? Horch! Brandgefährlich: Geraten ausgediente Akkus und leere Batterien in die Gelbe Tonne schadet das nicht nur der Umwelt. Unter Druck, zum Beispiel im Entsorgungsfahrzeug oder der Sortieranlage, können sie in Brand geraten und Menschen gefährden. Oder, gebrauchte Windeln müssen im Restmüll entsorgt werden. Landen sie in der Gelben Tonne, verschmutzen sie die dort gesammelten Verpackungen so stark, dass sie nur schwer recycelt werden können. Während ich mir diesen relativ langen Artikel durchlas, wieder und wieder derselbe Gedanke: Wer, bitteschön, liest sich das durch? Derjenige, den es betrifft? Derjenige, der vollgeschissene Windeln in die Gelbe Tonne schmeißt? Der auf der Brücke immer und immer wieder seinen Müll ablädt?

Weiter ging es in diesem Artikel mit praktischen Tipps. Verpackungen stapeln? Das spart zwar Platz, erschwert aber die Arbeit der Sortieranlagen. Besser: Joghurtbecher und andere Verpackungen nicht ineinander stapeln, Getränkekartons flachdrücken und entsorgen.

Hallo, natürlich stapele ich aus demselben Grund, warum ich die Getränkekartons flachdrücke, die Joghurtbecher ineinander. Um Platz zu sparen! Um nicht alle naselang den Müllbeutel wechseln zu müssen! Damit das Volumen der Gelben Tonne bis zum nächsten Abfuhrtermin reicht! Leute, ich weiß noch, wie ich früher meine Brut zusammengestaucht habe, wenn sie achtlos die Buttermilch- und Joghurtbecher nicht ineinander gestapelt hat. Und jetzt lese ich das. Ich merke, dass ich da jetzt raus bin. Ich, Sklavin der Sortieranlage. Und dann das heikle Thema Senftuben- und Waschmittelflaschendeckel. Weil die meist aus anderem Material als die restliche Verpackung sind, soll man die getrennt voneinander in die Gelbe Tonne entsorgen. Ich habe nach der Lektüre dieses Artikels bei meinem Arbeitgeber schon mal vorsorglich um Stundenreduzierung gebeten. Weil, anders schaffe ich das Pensum, das Mülltrennungspensum nicht mehr.

Wo ich gerade mal wieder beim Thema Müll bin. Bei einem Thema, von dem ich glaube, dass die Menschen, die sich diese Lettern reinziehen müssten, sich einen Scheiß drum kümmern, wie sie ihren Müll richtig entsorgen. Bei einem Thema, wo ich mir so was von Mühe gebe, und es offensichtlich noch immer nicht genug ist. Mit welchem Thema ich aber so was von nichts zu tun habe, mich so was von nicht angesprochen fühle. So liest es sich in den Medien: Umweltbelastungen - Textil-Konsum in der EU auf Rekordniveau. Fast-Fashion ist noch immer angesagt in der EU. Die Menschen in der Europäischen Union verbrauchen so viel Kleidung, Schuhe und andere Textilien wie niemals zuvor! Das schreibt die Europäische Umweltagentur EEA in einem neuen Bericht. Demnach kauften die EU-Bürger im jüngsten Vergleichsjahr 2022 durchschnittlich schätzungsweise 19 Kilogramm an Textilien, darunter 8 Kilogramm an Kleidungsstücken, 4 Kilogramm an Schuhen sowie 7 Kilogramm an Haushaltstextilien. 2019 habe die Gesamtmenge noch bei 17 Kilogramm gelegen. Der Textilkonsum bringt nach EEA-Angaben hohe Belastungen für die Umwelt und das Klima mit sich, etwa durch den Verbrauch von Materialien, Wasser und Landfläche, aber auch in Form von Emissionen, Chemikalien und Mikroplastik. Der Bericht zeige, dass Politik, Industrie und Verbraucher ihren Beitrag leisten müssten, damit Europa von schneller Mode abrücke und bessere, langlebigere Textilien hergestellt würden, die wiederverwendet, repariert und recycelt werden könnten. Innovationen hin zu einer Kreislaufwirtschaft könnten letztlich auch zur Wettbewerbsfähigkeit der EU beitragen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt sind demnach in den 27 EU-Mitgliedstaaten 2022 rund 6,94 Millionen Tonnen Textilmüll erzeugt worden. Das entspricht gut 16 Kilogramm pro Person. Ein Problem sehen die Umweltexperten darin, dass noch immer viel zu viele weggeworfene Textilien im gemischten Hausmüll landen statt im Recycling-Müll: In dem Vergleichsjahr wurden 85 Prozent aller Textilabfälle aus Haushalten nicht getrennt gesammelt. Ich habe dir extra den Text nicht gekürzt! J

Hallo, das heißt für jeden Bürger einen großen Reisekoffer voll Kleidung! Jedes Jahr! Und was der Knüller ist, ein Bürger schleppt hier gleich mal zwei Koffer: nämlich meinen mit. Und was da jetzt mein Problem ist. Ich habe ja mittlerweile nur noch ein Projekt (neben dem Mülltrennprojekt), an dem ich jeden Tag so was von hart arbeite. Deshalb haben sich ja eben auch meine anderen Projekte mittlerweile nur noch auf dieses eine reduziert. Weil es eben täglich harte Arbeit ist. Das kannst du nicht mal nebenbei machen. Das erfordert deine ganze Kraft und Energie. Vor allem aber Humor, so viel wie geht. Genau, das Projekt heißt. Weißt du, auf der einen Seite hast du die Menschen, die ihren Müll einfach in die Natur schmeißen, die vollgeschissene Windeln in die Gelbe Tonne schmeißen, ihre Kippen unter sich fallen lassen. Und auf der anderen Seite bin ich den ganzen Tag damit beschäftigt, den Müll richtig zu trennen. Ich vergaß, dir mein Projekt zu nennen: Den Humor nicht zu verlieren. Keine fiese alte Frau zu werden!

Wo es ja gerade um Recycling und Müll ging. Hallo, schau dir doch bitte noch mal das Foto vom vorigen Beitrag an. Ist das nicht toll?

Donnerstag, 1. Mai 2025

Oh, welch BLAU!

 

Was ja auch das Tolle ist. Wenn du mal das dringende Bedürfnis hast, mit jemandem zu reden, und es steht gerade keiner für ein Gespräch parat. Klöppel einfach eine Frage in die Maschine. Hab ich neulich getan. Meine Frage: „Wie benutzt man ein Stück Seife?“ Und die Antwort der KI: „Die Anwendung einer Stückseife. Reibe die feuchten Hände oder die nasse Haut mit der Seife ein. Verteile den Schaum auf der Haut oder schäume sie direkt mit der Seife ein. Bei der Körperwäsche kannst Du einen Waschlappen oder -schwamm verwenden, massiere die Haut sanft damit. Spüle die Seife mit reichlich Wasser ab.“ Weisse Bescheid, Schätzelein.

Apropos KI . Was Selbige betrifft – noch ganz viel Luft nach oben. Du hast doch ein Handy, oder? Und damit machst du Fotos, oder? Und meine Maschine sortiert, wählt aus und schlägt mir eine Bildersammlung vor: „Die schönsten Momente“: Fotos von zerwühlten Schränken und aus den Angeln gerissenen Schubladen – vom  Einbruch in unser Haus. Also offensichtlich meint die KI, wovon ich viele Fotos mache, das hat mir ganz dolle gefallen.

Das nur so am Rande. Letztens mein SCHAUFENSTER – so viel Interessantes auf einem Haufen, der Wahnsinn! Gleich auf der Titelseite ein Foto mit den unfasslich gut aussehenden. Ich meine, auch wenn es nicht drüber gestanden hätte, du hast es sofort gesehen: dieses Blau! Dazu das stark kontrastierende Rot. Dieses neue Design! Gut, nach über 30 Jahren ist der Lack natürlich ab. Da kann dein Mann dich noch so sehr auf Händen getragen haben. Und natürlich musst du mit der Zeit gehen, dich den aktuellen Herausforderungen stellen. Selbst wenn du meinst, es geht noch. Tut es aber eben nicht! Die alten (ich hatte ganz vergessen, wovon die Rede ist.), die alten Altpapiercontainer hatten eine vertikale Strebe in der Mitte, an der sich größere Kartons verkannten konnten. Nun sorgt ein neuer Mechanismus für eine bessere Nutzung des Container-Volumens. Konntest du auf der Titelseite lesen. Was mich wohl so was von erstaunt hat, weiter hieß es nämlich. Dennoch betont Richard Münz, Geschäftsleiter für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung: „Es bleibt wichtig, Kartons vor dem Einwurf (nicht nach dem Einwurf!) zu zerkleinern, um das Volumen optimal auszunutzen.“ Ein weiteres Novum ist die neue großflächige Beklebung der Container. Sie informiert die Bürger über richtige Nutzung, verbietet Beistellungen und enthält einen QR-Code für weitere Informationen. Und was jetzt so was von lustig ist. Wobei, so darf ich das natürlich nicht schreiben. Hallo, ich darf mich bitteschön nicht über Blinde lustig machen. Das haben wir ja jetzt alle intus, über Menschen mit Behinderung macht man keine Witze! Egal, jetzt ist es raus. Was ich so witzig finde, über dem Artikel gibt es ein aktuelles Foto: Du siehst einen ultracoolen, supergeilen neuen Altpapiercontainer und daran angelehnt - einen großen Karton! Klar, es muss natürlich kein Mensch mit Sehbehinderung gewesen sein. Womöglich konnte der nur nicht lesen, oder war einfach nur strunzdumm oder eben einfach nur asozial.    

Auf der zweiten Seite meines SCHAUFENSTERS wurde es mir dann doch ein wenig blümerant. Ja, leicht flau wurde es mir, als ich den Artikel las. Aber vor allem das Foto! Da bekam ich es dann doch mit der Angst zu tun. Weil, so will man ja nicht, dass es einem ergeht. Gut, ich hatte davon schon mal gehört und mein Traummann, klar, auf dem neusten Stand. Die Lettern gingen schon so los: Man kann es nicht riechen, sehen oder schmecken. Da denkst du doch sofort an Kohlenmonoxid und Tod. Stutzig wurde ich allerdings, weil es hieß, dass es immer und überall vorkommt. Dass es über Undichtigkeiten im erdberührten Bereich ins Haus gelangen kann. Es las sich weiter: Diese Wegsamkeiten können Risse in der Kellerwand sein, aber auch nicht vollständig abgedichtete Durchdringungen von Gas, Wasser und Strom (Wegsamkeiten und Durchdringungen, wieder ganz tolle Wörter!). Plötzlich bei mir der pure Ekel, gefühlt kam Gewürm aus jeder Ritze! Was ich doch sehr eigenartig finde, weil heutzutage, ich sage nur Asbest, wo man doch so was von sensibilisiert ist. Steht doch in dem Artikel, dass Messungen in öffentlichen Liegenschaften wie beispielsweise Kitas oder Schulen die Ausnahme sind. Was ich absolut nicht verstehen kann. Weil, wenn du dir das Artikelfoto von dem Mann anschaust, das willst du doch auf keinen Fall, dass deinem Kind so etwas widerfährt. Zumal die Messung so was von einfach ist. In dem Artikel lautet es folgendermaßen: Die Radonbelastung im eigenen Haus kann durch eine Messung bestimmt werden. Der einfachste Weg hierzu sind Messungen nach DIN mittels sogenannter Exposimeter. Dies sind kleine Plastikdosen, die als Passivsammler (wieder ein tolles neues Wort für mich!) fungieren. Und rate mal, als ich meinem Traummann den Artikel zeige. Genau: „Hab ich mir schon vor Monaten schicken lassen und bei uns im Haus verteilt. In 12 Monaten schick ich die zurück und dann teilen die uns mit, wie hoch die Radonbelastung in unserem Haus ist.“ Deshalb hatte ich die noch gar nicht bemerkt, weil die so klitzeklein sind. Du kannst dir aber sicherlich vorstellen, wie aufgelöst ich war ob dieser langen Wartezeit auf das desaströse Ergebnis. Weil, klar, wegen dieses Portraits von dem Mann schaute ich jetzt natürlich stündlich in den Spiegel, ob sich da bei mir auch etwas im Gesicht tat. Diese bohrenden Fragen, ist es das Alter, einfach ein schlechter Tag, warum du so scheiße aussiehst. Oder ist mir der Radon-Verfall schon anzusehen? Ich deshalb, das SCHAUFENSTER in Händen haltend: „Schatz, was machen wir denn so lange? Ziehen wir in ein Hotel? Oder leben wir offenen Auges weiter in diesem Haus? Und was ist, wenn sie uns am Ende des Tages bescheinigen, dass die Werte erhöht sind? Weil, so wie der Mann hier möchte ich nicht enden.“ Darauf mein Göttergatte: „Schatz, ich gehe davon aus, dass unsere Werte nicht erhöht sind. Weil, wenn du den Artikel bis zum Ende gelesen hast, steht da, dass oftmals bei erhöhten Werten verstärktes Lüften reicht. Und du bist nicht nur die Königin des Lüftens, sondern auch des Stoßlüftens. Und von welchem Foto sprichst du?“ „Na schau doch mal das Foto unter der Überschrift ‚Die unsichtbare Gefahr im Blick’.“ Darauf mein Traummann: „Schatz, das ist, wie du unschwer hättest lesen können, der Mann, mit dem dein SCHAUFENSTER das Interview geführt hat. Das ist der Herr, der gemeinsam mit dem Amt für Strahlenschutz in Bonn dieses Forschungsvorhaben durchführt. Der sieht einfach so aus, wie er aussieht.